+
Es gibt immer mehr Brandmeldeanlagen – aber deswegen auch immer mehr Fehlalarme, berichtet Johann Eitzenberger. Er ist der neue Landesfeuerwehr-Chef. Die wachsende Einsatzbelastung macht ihm und seinen Leuten schwer zu schaffen.

Johann Eitzenberger über die Arbeitsbelastung bei der Feuerwehr

Für die Feuerwehr bedeutet jeder Hilferuf viel Arbeit: „Fehlalarme belasten uns sehr“

  • schließen

Seit dem 1. Oktober steht Johann Eitzenberger aus Garmisch-Partenkirchen an der Spitze des Landesfeuerwehrverbands. Im Interview spricht er über die steigende Einsatzbelastung und darüber, wie er den Feuerwehrmännern und -frauen bessere Arbeitsbedingungen schaffen will.

Herr Eitzenberger, wann waren Sie zuletzt im Einsatz mit ihrer Heimatfeuerwehr in Partenkirchen?

Das ist erst ein paar Tage her. Und es war wieder der Klassiker: Fehlalarm einer Brandmeldeanlage.

Das häuft sich in letzter Zeit, oder?

Ja, durch den technischen Fortschritt werden die Brandmeldeanlagen im Land immer mehr. Das ist einerseits ein Segen, aber produziert natürlich auch mehr Fehlalarme. Weil Anlagen leider immer wieder falsch eingebaut werden oder nicht funktionieren. Da reicht es dann schon, dass im Hotel jemand heiß duscht, danach die Badtür aufmacht und dann löst der Wasserdampf den Alarm aus. Oder wenn es bei Bauarbeiten recht staubt und die Arbeiter vergessen, den Rauchmelder abzudecken. Mittlerweile sind wir bayernweit bei knapp 20 000 Fehlalarmen pro Jahr, das belastet uns sehr.

Eitzenberger: „Wir müssen immer wieder informieren“

Ist das eines der Themen, das Sie als neugewählter Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands angehen wollen?

Ja, aber das ist nur eines von vielen Themen. Wir müssen immer wieder informieren – zum Beispiel mit speziellen Veranstaltungen oder Kampagnen. Insgesamt geht es mir darum, den ehrenamtlichen, freiwilligen Feuerwehrdienst auch in Zukunft leistbar zu halten. Die Feuerwehrmänner und -frauen vor Ort brauchen die richtigen Bedingungen, um ihren Dienst gerne und motiviert ausüben zu können.

Johann Eitzenberger

Wo kann man da noch ansetzen?

Es ist leider eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, dass wir gerufen werden, obwohl sich die Betroffenen auch selbst helfen könnten. Man muss nicht wegen jedem abgerissenen Wasserschlauch bei der Waschmaschine gleich die Feuerwehr rufen. Da wäre der Putzeimer und der Wischmob das Einsatzmittel der Wahl. Genauso bei einem Wespennest. Ein Insekteneinsatz ist für die Feuerwehr nur dann einer, wenn Gefahr in Verzug ist, also wenn zum Beispiel ein allergischer Schock zu befürchten ist oder wenn das Nest in einem Kindergarten gefunden wird.

„Die Männer und Frauen der Feuerwehren haben Anerkennung verdient“

Fehlt Ihnen der Respekt vor den Einsatzkräften?

Nicht grundsätzlich, aber die Gewalt gegen Rettungskräfte erschwert auch uns das Leben. Die 320 000 ehrenamtlichen Männer und Frauen der Feuerwehren übernehmen diesen Dienst für die gesamte Bevölkerung und haben deshalb Anerkennung verdient. Gewalt geht gar nicht!

Bekommen Sie diese Anerkennung auch von den Arbeitgebern?

Gott sei Dank wissen viele Arbeitgeber zu schätzen, dass man sich auf die Ehrenamtlichen der Feuerwehr verlassen kann. Nicht nur, wenn es brennt, sondern auch im Beruf. Die Motivation überträgt sich vom Beruf ins Ehrenamt und umgekehrt. Das wird schon gesehen. Leider gibt es aber auch hier in Einzelfällen Unverständnis.

Sie wollen sich in Ihrer Amtszeit auch in Sachen Altersvorsorge engagieren.

Es wäre wünschenswert, dass es für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst so etwas wie einen Renten-Bonus gibt. Denn der Feuerwehrdienst ist kein Ehrenamt wie jedes andere. Wir haben Tag und Nacht einen Piepser bei uns und sind zu jeder Zeit dienstbereit. Während andere schlafen oder gemütlich beim Kaffee sitzen, sind immer ein paar hundert Kameraden in Bayern im Einsatz. Besonderer Dienst muss besonders gewürdigt werden.

Finden die Freiwilligen Feuerwehren noch genug Nachwuchs?

Aktuell sind wir ganz zufrieden. Bei den Jugendfeuerwehren haben wir steigende Zahlen. Außerdem sind die Kinderfeuerwehren hinzugekommen, mit denen auch Kinder unter zwölf Jahren schon sensibilisiert werden. Wichtig ist uns, alle Bevölkerungsgruppen anzusprechen: Jugendliche, Männer, Frauen, Quereinsteiger, Migranten – jeder ist herzlich willkommen. Ehrenamtlicher Feuerwehrdienst bringt Erfahrung, macht Spaß und lohnt sich für alle!

Interview: Dominik Göttler

Vor kurzem musste auch am Stachus in München die Feuerwehr zweimal anrücken. Es  war jeweils ein Fehlalarm. 

Rauchmelder sind inzwischen in vielen Wohngebäuden Standard. Damit sie im Ernstfall funktionieren, kommt es auf die richtige Wartung und Pflege an.

Meistgelesene Artikel

Mann schlägt auf streitende Soldaten ein - 19-Jähriger will helfen und wird mit Messer attackiert
In Amberg sind zwei Soldaten in Streit geraten. Plötzlich mischte sich ein dritter Mann ein und schlug beiden ins Gesicht. Ein 19-Jähriger, der helfen wollte, wurde mit …
Mann schlägt auf streitende Soldaten ein - 19-Jähriger will helfen und wird mit Messer attackiert
Kinder spielen mit echt aussehenden Waffen - Passanten alarmieren sofort Polizei
Für einen Großeinsatz der Polizei sorgten zwei Kindern in der Nürnberger U-Bahn. Passanten hatten gesehen, wie sie mit Waffen spielten.
Kinder spielen mit echt aussehenden Waffen - Passanten alarmieren sofort Polizei
Gläserne Toilette wird zum Internet-Hit: In Backwerk-Filiale ist wirklich alles sichtbar
In Aschaffenburg in Bayern sorgt eine gläserne Toilette bei der Lebensmittelkette Backwerk für Aufsehen. Twitter-Nutzer amüsieren sich, das Unternehmen reagiert - mit …
Gläserne Toilette wird zum Internet-Hit: In Backwerk-Filiale ist wirklich alles sichtbar
„Dann kommen wir nicht wieder“: Frau sagt Gemeinheit über Kind - Wirt macht deutliche Ansage
In einem Gasthof in Veilbronn (Landkreis Bamberg) geht eine Frau verbal auf ein behindertes Kind los. Als der Wirt das hört, reagiert er genau richtig. 
„Dann kommen wir nicht wieder“: Frau sagt Gemeinheit über Kind - Wirt macht deutliche Ansage

Kommentare