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Um den Kunden eine Freude zu machen: Tankwart setzte Spritpreis auf 1,99 Euro fest

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Von: Helena Grillenberger

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Die Preise der tanken&mehr Tankstelle am 24. März.
Die Preise der tanken&mehr Tankstelle am 24. März. © privat

Tanken für unter zwei Euro ist momentan eine utopische Vorstellung. Armin Kellner, Betreiber einer Landtankstelle im Fichtelgebirge, macht es aber möglich.

Fichtelberg - Es ist eine kleine Landtankstelle im Fichtelgebirge, die Armin Kellner betreibt. 1944 von seinem Vater eröffnet, feiert der Betrieb dieses Jahr 75 Jahre Tankstellenbestand. Das sei schon was Besonderes, erklärt Kellner. 1969 übernahmen der heute 76-Jährige und seine Frau Monika den Betrieb. „53 Jahre lang machen wir beide das jetzt schon“, erzählt Kellner, doch so etwas wie in den letzten Tagen und Wochen „haben wir noch nie erlebt.“

Er spricht vom starken Anstieg der Benzin- und Dieselpreise. Ausgelöst worden sei das alles durch den Krieg in der Ukraine, erklärt er. Aber Sinn stecke eigentlich keiner dahinter: „Das ist das gleiche wie mit Mehl und Nudeln. Da hat einfach jemand in den Wald gerufen: ‚Das Öl wird knapp!‘ und deswegen sind die Preise gestiegen.“

Fichtelgebirge: Spritpreise deutlich nach oben gegangen ‒ um ganze 67 Cent

Die freien Tankstellen hätten sich Sorgen gemacht - „wie wir auch“, gesteht der 76-Jährige, „und haben deswegen beim Preis zugegriffen“. Weltweit sei aber „kein Liter Erdöl weniger gefördert oder raffiniert worden - wir haben eine ganz normale Versorgung!“

Dennoch: Innerhalb von vier Tagen stieg der Preis um ganze 67 Cent an. Auch beim Großhandel habe der Preis gependelt, dadurch kauften Kellner und seine Frau zweimal zum falschen Zeitpunkt ein. 16 bis 17 Mal habe sich der Preis an einem Tag geändert: „Wir können uns das nicht leisten, so ein Programm, das da mit korrigiert und vergleicht“, sagt Kellner. Daher habe er zweimal zu teuer eingekauft.

Hohe Spritpreise: Einmal gekauft, muss man es wieder loswerden - „Egal ob mit Gewinn“

Einmal gekauft, müsse man den Treibstoff aber schnell wieder loswerden, um ihn selbst auch bezahlen zu können. „Das ist dann auch wurscht wie“, erklärt Kellner. „Ob mit Gewinn oder Verlust.“ Und dass sie Verlust machen würden, das war Kellner und seiner Frau klar. „Wir haben uns dann gedacht, wenn wir schon ausgerutscht sind, sollen unsere Kunden zumindest nicht darunter leiden“, erzählt der 76-Jährige am Telefon und lacht: „Meine Frau verdreht schon die Augen, die muss sich die Geschichte jetzt zum x-ten Mal anhören.“

Gesagt, getan: Um den Kunden eine Freude zu machen, setzten die Kellners den Benzin- und Dieselpreis an ihrer Tankstelle auf 1,99 Euro fest. „Und raten Sie mal, was passiert ist“, sagt Kellner: „Gar nichts ist passiert.“ Denn die Kunden misstrauten den niedrigen Spritpreisen.

Armin Kellner vor einer seiner Zapfsäulen.
Armin Kellner vor einer seiner Zapfsäulen. © privat

Hohe Spritpreise: Tankwart sorgt mit Aktion für Freude bei Kunden - dabei dachten die es wäre ein Scherz

Die tanken&mehr-Tankstelle wandte sich daher über Facebook an ihre Kunden, „aber auch an alle Nichtkunden“: In mehreren Facebook-Beiträgen versicherten die Kellners, dass es sich bei ihren Preisen um „keine Scherz- oder Spaß-Aktion“ handle, sondern „eine Aktion zu eurer Freude“ - und das „solange wir es ‚packen‘“, denn: „Sie sind echt weit unter unserem Einkaufspreis und können nur für eine begrenzte Zeit und Menge gehalten werden.“

Kellner erklärt den Gedanken hinter den niedrigen Preisen so: „Andere Firmen spenden irgendwo hin. Wir haben uns gedacht, wir spenden an unsere Kunden.“ Dabei wollten sie dann auch „gleich Nägel mit Köpfen machen“ und sind mit dem Preis auf unter zwei Euro pro Liter gegangen.

Fichtelgebirge: Benzinpreise nicht „eingefroren“ ‒ Diesel steigt bereits wieder

Die Preise seien aber nicht „eingefroren“, sondern nur noch für ein paar Tage so niedrig. Den Dieselpreis musste die tanken&mehr-Tankstelle bereits zweimal wieder anheben, zunächst auf 2,09 Euro, mittlerweile auf 2,19 Euro.

Zwar seien die hohen Benzinpreise ärgerlich, ein bisschen wundert sich der 76-Jährige aber trotzdem darüber, welche Wege manche Menschen gewillt sind, auf sich zu nehmen, nur um ein paar Cent zu sparen: So erklärt er, der Preisunterschied zwischen zwei Tankstellen müsse mindestens einen Cent pro Kilometer Weg ausmachen, andernfalls zahle ein Kunde bereits drauf.

Spritpreis-Aktion: „Ich hab mich gar nicht getraut, denen zu sagen, du hast doch Verlust gemacht“

Und wenn ein Kunde im Jahr 10.000 Kilometer fahre, bei einem Verbrauch von sechs Litern, und an Kellners Tankstelle regelmäßig fünf Cent mehr zahlen würde, als an anderen - „das kann bei freien Tankstellen schon mal passieren“ - dann käme man am Ende des Jahres auf 25 Euro mehr. „Ein sagenhafter Betrag“, kommentiert Kellner. „Dafür könnte ich nicht mal mit meiner Frau Essen gehen.“

Er freue sich darüber, wie gut das Angebot angenommen werde, erklärt der 76-Jährige. Das sei ja auch der Sinn dahinter gewesen, seinen Kunden eine Freude zu machen. Allerdings sei er auch schon von Leuten angerufen worden, die sich bei ihm für die niedrigen Preise bedanken wollten. „Die wohnen dann 35 Kilometer entfernt. Ich hab mich gar nicht getraut, denen zu sagen ‚Du bist grad 70 Kilometer gefahren, um zu tanken. Du hast doch Verlust gemacht!‘“, amüsiert sich Kellner.

Spritpreise bleiben noch zwei Tage so günstig: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“

Momentan stabilisieren sich die Spritpreise, gehen sogar wieder nach unten. Wie Kellner erklärt: Der starke Anstieg innerhalb kurzer Zeit sei „rein psychologisch“ gewesen. Seine Tankstelle habe trotz des Verlustgeschäfts einen guten Umsatz gemacht, verrät er. Seiner „Windhundaktion“ sei Dank. Und: „Super und E10 bleiben heute und morgen noch auf 1,99 Euro“, versichert er. Dennoch bleibe es bei einer einmaligen Aktion: „Da gilt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ (hgr)

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