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Rutschpartie: Diese vier Mädchen haben den ersten Schnee in Eberfing (Kreis Weilheim-Schongau) richtig ausgekostet – auf ihren Schlitten.

Wintereinbruch

Wie der Schnee die Bayern verzaubert

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München - Endlich! Viele Menschen in Bayern warten schon seit Wochen ungeduldig auf den ersten richtigen Schnee in diesem Winter. Seit gestern ist er endlich da – und hat bereits vielerorts für Euphorie gesorgt. Drei Winterliebhaber erzählen, was es mit dem Schneezauber auf sich hat – und warum man dafür nie zu alt ist.

Für Leonhard Walch gibt es keinen Zweifel: Was Schnee schafft, das schafft sonst einfach nichts auf der Welt. Als er gestern morgen aus dem Fenster schaute und sah, wie schön weiß Kreuth (Kreis Miesbach) über Nacht geworden ist, ging ihm mal wieder mit voller Wucht das Herz auf. Obwohl man meinen könnte, er hätte sich nach 68 oberbayerischen Wintern an den Anblick gewöhnt. Ist nicht so. „Ich genieße es jedes Jahr aufs Neue“, sagt er. Wenn die Welt wie gestern ganz still wird, es bei jedem Schritt leise knirscht und alle rote Backen von der Kälte bekommen, dann hat für ihn die schönste Zeit im Jahr begonnen.

Auf Kufen durch den Winter: Leonhard Walch bietet Schlittenfahrten an – und genießt jede einzelne Fahrt

Leonhard Walch verdient sein Geld unter anderem damit, Menschen dabei zu beobachten, wie sie den weißen Winter genießen. Er bietet Pferdeschlittenfahrten an. Deshalb weiß er auch: „Dieser ganz besondere Zauber packt einfach jeden.“ Die einen haben literweise Glühwein dabei, wenn sie sich in seinen hundert Jahre alten Pferdeschlitten setzen. Andere staunen still und hemmungslos, wenn es durch die Winterlandschaft geht.

Gestern war Kreuth endlich bereit für Walchs erste richtige Schlittenfahrt in diesem Jahr. Bisher lag so wenig Schnee, dass er die Hydraulikräder an dem Gespann benutzen musste. Mit einer Schlittenfahrt auf Kufen ist das natürlich nicht vergleichbar. Das weiß nicht nur er. Gestern kam ein Anruf nach dem anderen. „Ich bin für den Rest der Woche ausgebucht“, sagt er. Es ist die Art Terminstress, auf die sich Walch am meisten freut. „Mit dem Schlitten draußen unterwegs zu sein – das ist für mich pure Entspannung.“

Nun hat natürlich nicht jeder einen hundert Jahre alten Pferdeschlitten zu Hause, um das Winterwetter richtig auskosten zu können. Aber es gibt ja zum Glück noch die kostengünstigere Zwei-Brett-Variante. Und auch die ist gestern an vielen Orten Bayerns begeistert genutzt worden. „Unsere Abfahrten sind zwar schon länger künstlich beschneit“, berichtet Carlo Tronci, Leiter der Skischule in Garmisch-Partenkirchen. „Aber es ist ganz was anderes, wenn endlich die Winterkulisse da ist“, sagt er. Auch er kommt schnell ins Schwärmen, wenn es um Schnee geht. Das, sagt er, gehe aber fast jedem so, der schon einige oberbayerische Winter erlebt hat. „Diese grün-grauen Winter schlagen uns doch allen auf die Seele“, sagt er. „Sobald es endlich weiß draußen wird, merkt man richtig, dass alle besser gelaunt sind.“ Die Straßen sind voll mit Menschen, erzählt Tronci. Und die Pisten natürlich auch. „Alle sind euphorisch und ausgelassen sobald es schneit – ganz unabhängig vom Alter.“

Sein liebster Rohstoff: Bildhauer Frank Bergmann (4.v.r.) leitet in Lindenberg einen Schneeskulpturen-Wettbewerb. Er hat sehnsüchtig auf den Schnee gewartet.

In Lindenberg im Allgäu gibt es einen Mann, der ganz besonders auf Schnee gehofft hat. Denn dort findet jedes Jahr im Januar ein großes Winterfest statt. Und Schnee ist dabei deshalb schon unabkömmlich, weil auch ein Eisskulpturen- und Schneemannwettbewerb zum Programm gehört. Bildhauer Frank Bergmann übernimmt die Leitung im Wettbewerb – und hat seit gestern wieder Hoffnung, dass es ein paar ansehnliche Schneegestalten zu bestaunen geben wird. Auch das Schneemannbauen ist so eine Sache, für die man nie zu alt wird, sagt er. „Beim Gestalten mit Schnee sind der Phantasie eben keine Grenzen gesetzt.“ Und noch einen Vorteil gibt es aus Experten-Sicht: „Kein anderer Werkstoff ist so billig wie Schnee.“ Allein deshalb freut er sich jedes Jahr auf weißen Winter.

Und der ist – glaubt man Skischulleiter Carlo Troncis Großvater – übrigens gar keine so große Seltenheit, wie es sich manchmal anfühlt. „Mein Opa hat 40 Jahre lang die Skischule geleitet“, erzählt Tronci. „Er sagt immer, dass es früher genauso oft schneearme Phasen gab.“ Demnach ist der Winter also vielleicht gar nicht so viel schlechter geworden – sondern nur die Vorfreude-Phasen etwas länger.

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