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Jede Blutspende kann Leben retten: Aktuell gibt es in Bayern viel zu wenig Spenden. Alle Lager sind leer – eine Notsituation wie diese gab es noch nie.

Notsituation

Bayern gehen die Blutkonserven aus

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München - Eine Notsituation, wie es sie in Bayern bisher noch nie gab: Alle Blutkonserven sind aufgebraucht, Krankenhäuser mussten bereits Operationen verschieben.

So leer wie zur Zeit hat Stefanie Sklarzik das Lager noch nie gesehen. Sie arbeitet für den Blutspendedienst (BSD) des Bayerischen Roten Kreuzes. Für gewöhnlich kümmert der sich darum, dass täglich etwa 2000 neue Blutspenden in das Lager nach Unterfranken gebracht, dort untersucht und dann nach Anfragen an die Kliniken in Bayern weiterverteilt werden. Der Bestand reicht eigentlich vier bis fünf Tage, selbst wenn keine neuen Spenden dazukommen. Doch seit Anfang der Woche ist alles aufgebraucht, berichtet Sklarzik. „Wir haben eine akute Notsituation.“ Der BSD kann kein Blut mehr an die Krankenhäuser liefern.

Die mussten bereits darauf reagieren und Operationen verschieben. „Einige Kliniken haben noch interne Lager“, berichtet Sklarzik. Doch haushalten müssen nun alle mit den Blutkonserven. Für Notfälle.

Es ist nicht der erste Sommer, in dem die Spendebereitschaft der Bayern zurückgegangen ist. Allerdings haben dieses Jahr neben dem schönen Wetter noch einige weitere Faktoren dazu beigetragen, dass in Bayern das Blut knapp wird. Stefanie Sklarzik spricht von „einer ganzen Kette unglücklicher Umstände“. Begonnen hat sie mit der Fußball-EM. „In diesen Wochen hatten viele anderes im Sinn, als zum Spenden zu gehen“, sagt sie. Dann begann die Ferien- und mit ihr die Reisezeit. Und nun das schöne Spätsommer-Wetter. „Die Hitze hält viele Menschen vom Spenden ab“, weiß sie aus ihrer Erfahrung. Für gewöhnlich kann der BSD diese Phasen mit dem Bestand ausgleichen – aber nicht über Monate.

„Blut ist 42 Tage haltbar“, erklärt Stefanie Sklarzik. Die Krankenhäuser benötigen pro Tag rund 2000 Spenden, der BSD bemüht sich, genau so viele jeden Tag einzunehmen. Im Durchschnitt sind in den vergangenen Wochen aber nur noch tausend Spenden pro Tag zusammengekommen.

Deshalb hat der Blutspendedienst nun eine Offensive gestartet und ruft intensiv zum Spenden auf. „Unsere Mannschaften sind derzeit in ganz Bayern unterwegs“, berichtet sie. Sondertermine werden abgestimmt. Auch auf seiner Internetseite hat der BSD einen Notruf platziert. Erste Wirkung hat dieser Aufruf bereits gezeigt. „Am Montag haben wir erstmals wieder die 2000 Spenden pro Tag geschafft.“

Doch auch grundsätzlich blickt der Blutspendedienst besorgt in die Zukunft. Denn die meisten Stammspender haben die Altersobergrenze von 72 Jahren fast erreicht. Und es kommen zu wenig junge Spender nach. „94 Prozent der Menschen sagen, dass sie Blutspenden für wichtig halten“, berichtet Sklarzik. „Aber nur 3,5 Prozent von ihnen spenden auch wirklich.“ Bayern liegt mit sieben Prozent sogar etwas über dem Bundesdurchschnitt. Der BSD versucht nun verstärkt, neue Wege zu gehen, um junge Menschen auf die Bedeutung der Blutspende aufmerksam zu machen. „Blut kann nicht künstlich erzeugt werden“, betont Stefanie Sklarzik. „Deshalb sind wir so dringend auf die Spendebereitschaft angewiesen.“

Und die ist in ländlichen Regionen deutlich besser als in den Städten, berichtet sie. Dort gebe es so etwas wie eine Stammtisch-Atmosphäre bei den Spendeterminen, berichtet die BSD-Sprecherin. „Die Menschen gehen ganz regelmäßig – es ist für sie fast schon ein Ritual.“ Es gebe sogar Männer oder Frauen, die in ihrem Leben mehr als 200 Mal Blut gespendet haben, berichtet Sklarzik. „Sie sind unsere große Stütze.“

Ausführliche Infos

zu den Bedingungen und den Terminen fürs Blutspenden gibt es auf der Internetseite des BSD unter www.blutspendedienst.com.

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