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Vorführung: Elektroschock-Pistolen sollen den Gegner für einige Sekunden handlungsunfähig machen.

Trotz Herstellerwarnung

Bayern hält an Elektroschock-Waffe fest

München - Der Hersteller der umstrittenen Elektroschock-Pistolen räumt erstmals ein Risiko beim Einsatz von Tasern ein. Sollten sich die Fakten erhärten, ist die Gewerkschaft der Polizei in Bayern für die Abschaffung der Waffen im Freistaat.

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Taser gibt zu: Elektroschocker können gefährlich sein

In Amerika gehören sie schon längst zum Inventar gewöhnlicher Polizeieinheiten – Taser, sogenannte nicht-tödliche-Waffen. Doch nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International spielten Taser in den USA seit Juni 2001 bei 351 Todesfällen eine Rolle. Jetzt hat der Hersteller erstmals vor möglichen Herzverletzungen durch den Einsatz der Taser gewarnt. In einer Erklärung der US Firma heißt es: Sobald mit den Geräten direkt auf die Brust geschossen werde, bestehe ein geringes Risiko. Bislang wies der Hersteller kategorisch jedes Risiko zurück.

In Bayern werden die 50 000 Volt-Waffen seit 2006 eingesetzt – allerdings nur von extra geschulten Spezialeinsatzkommandos, die mit zehn Tasern ausgerüstet sind. Mit Elektroschock-Pistolen werden Projektile verschossen, die über dünne, isolierte Drähte mit dem Taser verbunden sind. Die Zielperson erleidet dadurch einen oder mehrere elektrische Schläge. Die Muskeln am ganzen Körper kontrahieren, der Getroffene krampft und ist sekundenlang wehrlos. In dieser Zeit können die Polizisten die Person überwältigen. Grundsätzlich hält die Gewerkschaft der Polizei in Bayern (GdP) den

Einsatz von Tasern für sinnvoll – wie auch das Bayerische Innenministerium. „Aus der Praxiserfahrung gibt es keinerlei Anlass, auf Taser zu verzichten“, sagt Pressesprecher Oliver Platzer. Bis Ende 2008 sei es zu elf Echteinsätzen gekommen, in acht Anwendungen mit dem gewünschten Erfolg. Bei den restlichen drei gab es Probleme wegen Fettleibigkeit oder zu dicker Bekleidung. „In allen Fällen gab es weder Verletzungen noch körperliche Beeinträchtigungen“, sagt Platzer. Auch Harald Schneider, Landesvorsitzender der GdP, ist eigentlich ein Befürworter: „Es ist das letzte Mittel vor dem Schusswaffengebrauch, um Widerstandshandlungen zu brechen.“ Sollten sich jedoch die neuen Fakten über Taser als schwerwiegend erweisen, „bin ich dafür, sie abzuschaffen“, erklärt er. Die Taser stünden dann in keinem Verhältnis mehr, weil das Risiko zu groß wäre.

Nach Angaben des Taser-Herstellers könnten die Einsatzkräfte Kontroversen vermeiden, indem sie nicht auf die Brust zielten. Dass sich die Einsatzkräfte jedoch bei einem Notfall daran halten, „kann man oftmals nicht steuern“, nimmt Schneider die Sonderkommandos in Schutz. „Wenn ein Verbrecher plötzlich mit einer Axt vor einer Tür hervorspringt, dann kann man eben nicht lange überlegen.“

Die Grünen waren von Anfang an gegen Taser. Als einen Sieg im Kampf gegen den Einsatz möchte Susanna Tausendfreund das Eingeständnis des Herstellers jedoch nicht werten. Dennoch: „Der Einsatz sollte auf alle Fälle vorübergehend eingestellt werden, bis im Landtag darüber berichtet wird“, sagt die innenpolitische Sprecherin. Sie wolle in jedem Fall einen Berichtsantrag stellen, „damit das Innenministerium Gelegenheit hat, neu zu entscheiden“. Allerdings befürchtet sie, dass sich dieses nicht davon abbringen lassen wird.

von Anne Kunze

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