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Unter Druck: Rund 370 Kliniken gibt es im Freistaat. Fast die Hälfte von ihnen rechnet 2018 mit einem wirtschaftlichen Defizit.

„Barmer“-Chefin gegen ein „Weiter so“

Bayern hat zu viele Krankenhäuser - Druck für kleine Häuser wird immer größer

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Bayerns Kliniklandschaft steht vor einem Umbruch. Wirtschaftliche Zwänge und strengere Vorgaben setzen die Häuser unter Druck. Auch deshalb sehen viele die Versorgung der Zukunft in einer stärkeren Vernetzung von Ärzten und Häusern. Die Krankenkasse Barmer fordert nun ein Pilotprojekt.

München – Eine konkrete Größenordnung nennt Claudia Wöhler nicht. Sie wolle nicht „die Sense ansetzen und sagen, diese oder jene Zahl von Kliniken muss geschlossen werden“, sagt die Bayern-Chefin der Barmer. Doch klar sei: Bayern hat zu viele Krankenhäuser. Darunter leide neben der Wirtschaftlichkeit auch die Qualität. Es sei deshalb an der Zeit, die Dinge zu verbessern – „kein Weiter so mehr“, sagt Wöhler.

Rund 370 Kliniken gibt es im Freistaat. Fast die Hälfte rechnet 2018 mit einem wirtschaftlichen Defizit. Seit Jahren fordern Kassen und Experten bundesweit einen Strukturwandel. Ihr Ziel: weniger Häuser, bessere Qualität. Immer strengere Vorgaben – wie Mindestmengen an Behandlungen – setzen kleine Kliniken unter Druck. Die Krankenhauslandschaft steht vor einem Umbruch.

Claudia Wöhler ist gegen ein „Weiter so“

Dass es deshalb künftig auch im Freistaat weniger Kliniken geben werde als heute, glaubt auch Siegfried Hasenbein, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhaus-Gesellschaft (BKG). Allerdings seien keinesfalls so viele Häuser verzichtbar, wie einige glauben würden. „Mir wird zu leichtfertig mit dem Thema umgegangen“, sagt Hasenbein. Man könne doch nicht jedes Krankenhaus infrage stellen, das nicht komplett ausgelastet sei. Was, wenn es eine Grippewelle gebe? „Dafür muss man Kapazitäten vorhalten.“ Darüber hinaus sei Bayern ein Zuzugsland, und die Menschen erwarteten eine bürgernahe Versorgung, sagt Hasenbein.

Gesellschaftlicher Dialog gefordert

Weniger Kliniken bedeuten aber weitere Wege. Die Staatsregierung müsse nun deshalb einen gesellschaftlichen Dialog darüber anstoßen, welche Krankenhauslandschaft sich die Bayern wünschen, sagt Hasenbein: Das „Krankenhaus vor der Haustür“, oder „Kompetenzzentren in 20 Kilometern Entfernung“?

Siegfried Hasenbein will eine gesellschaftliche Debatte

Tatsächlich scheint Wohnortnähe für viele Patienten sehr wichtig zu sein. Laut einer Studie für den Klinikkonzern Asklepios, über die die „Welt“ berichtet, wählen 40 Prozent der Bundesbürger eine Klinik danach aus, wie weit sie von zu Hause entfernt ist. Qualitätsmerkmale wie die Zahl der Eingriffe und die Rate der Komplikationen spielten dagegen kaum eine Rolle. Dass das in Bayern ähnlich sein dürfte, zeigte zuletzt auch der erfolgreiche Wahlkampf der Freien Wähler – unter anderem mit der Ankündigung, Krankenhausschließungen zu verhindern.

Auch Barmer-Chefin Wöhler hat festgestellt, dass in der Vergangenheit oft schon die Diskussion um Krankenhausschließungen die Menschen in den betroffenen Gebieten schwer verunsichert habe. Sie sei allerdings überzeugt, „dass man die Angst nehmen kann, wenn man die Bevölkerung einbindet und genau klarmacht, wie die Umstrukturierung ablaufen soll.“

In Wöhlers Augen liegt der beste Weg dabei im Konzept der sektorenübergreifenden Versorgung – also einer starken Vernetzung der Versorgung durch Hausärzte, Fachärzte und stationäre Zentren. Zwar hat die Barmer dazu einen eigenen Umsetzungsvorschlag, doch ganz neu ist diese Idee nicht. Auf Bundesebene ist das Thema seit Jahren immer wieder präsent, kommt aber kaum voran. Nun soll gerade eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe bis 2020 Vorschläge erarbeiten. Auch Bayern ist vertreten.

„Die sektorenübergreifende Versorgung muss weiter ausgebaut werden, weil sie die Behandlungsqualität verbessert und gleichzeitig eine wohnortnahe Versorgung sichert“, sagt auch Wolfgang Krombholz, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Und auch die bayerischen Krankenhäuser verschließen sich dem Thema grundsätzlich nicht. Wie so oft, hakt es aber an der konkreten Umsetzung. BKG-Chef Hasenbein wünscht sich mehr Kooperationsbereitschaft von den Ärzten.

Barmer-Chefin Wöhler fordert nun die Staatsregierung auf, gemeinsam mit den Kassen, den Krankenhäusern und den Kassenärzten ein eigenes bayerisches Pilotprojekt zu starten. „Es gibt Regionen – zum Beispiel in Niederbayern – die dafür prädestiniert wären“, sagt Wöhler. Denn in diesen Gebieten gebe es wirtschaftliche Ballungsräume und sogenannte Maximalversorger wie Uni-Kliniken, aber auch eine regionale Ausrichtung der Bevölkerung und kleine Krankenhäuser.

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