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Zum Schutz der Bergwelt will Ulrike Scharf eine Organisation unter dem Dach der UN gründen. Sie soll entgegengesetzte Interessen in Einklang bringen. Unser Bild zeigt den Rabenkopf mit Blick auf den Kochelsee.

Initiative für alpinen Raum

Kampf gegen den Klimawandel: Ex-Ministerin  Scharf will die Berge retten

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Die frühere Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) fordert eine UN-Organisation für die Bergwelt. Nur so könne man dem im alpinen Gelände besonders schnell voranschreitenden Klimawandel entgegentreten und widerstreitende Interessen unter einen Hut bringen, betont sie. Der Sitz der Organisation könnte in München sein.

München – Als sich 2014 die Allgäu-Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein auf den Weg machten, eine Skischaukel am Riedberger Horn zu bauen, stießen sie nicht nur bei Naturschutzverbänden auf erbitterten Widerstand. Auch die damalige Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) stellte sich gegen die Pläne. Und erregte damit den Unmut ihrer eigenen Regierung. Ihre Haltung soll dazu beigetragen haben, dass Ministerpräsident Markus Söder sie 2018 aus dem Kabinett warf. Im April dieses Jahres war es dann Söder, der die Skischaukel, die durch besonders stark geschütztes alpines Gebiet hätte führen sollen, beerdigt hat.

Ulrike Scharf (CSU) Landtagsabgeordnete

Doch Scharfs Kampf um die Alpen geht weiter – jetzt als Erdinger Landtagsabgeordnete. Sie fordert Söder auf, sich für eine internationale, staatliche Bergorganisation unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN) einzusetzen. Den offiziellen Antrag müsste dann der Bund stellen. „Es gibt momentan ein eklatantes Defizit bei der Koordinierung von Berggebietsfragen“, sagte Scharf unserer Zeitung. „Diese Lücke kann nur durch eine Förderinstitution für Gebirgsregionen geschlossen werden“, betont die leidenschaftliche Bergsteigerin. Alpine Gebiete würden aktuell nur unter anderen Vorzeichen wie Umwelt oder Landwirtschaft unterstützt. „Es gibt derzeit keine internationale Regierungsorganisation, die spezifisch für die Belange von Gebirgsregionen da ist.“

Scharf möchte eigenständige Gebirgsorganisation schaffen

Ziel einer Bergorganisation muss es ihrer Vorstellung nach sein, „die verschiedenen, bereits vorhandenen Aktivitäten von Institutionen stärker zu bündeln und aufeinander abzustimmen. Nur eine eigenständige Gebirgsorganisation kann diese Koordinationsaufgabe übernehmen“, ist die Erdingerin überzeugt. Eine UN-Förderinstitution würde für die Gebirgsregionen „einen echten Mehrwert bedeuten und Lücken bei Schutz und Förderung schließen“.

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Ganz neu ist ihr Vorstoß nicht. Bereits 2016 hatte sie sich als Ministerin mit ihrem UN-Anliegen an den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) gewandt. Doch den drückte damals die Flüchtlingskrise. „Das Thema kam leider nie auf die Agenda“, bedauert Scharf. Im Januar dieses Jahres versuchte sie es bei Söder – ergebnislos. Jetzt hat sie ihm erneut geschrieben und geht an die Öffentlichkeit.

Scharf verhehlt nicht, dass es bereits Bündnisse zum Schutz der Berge gebe. „Aber das sind alles keine Regierungsorganisationen, und ohne diesen Rahmen kommen wir nicht voran.“ So besitze etwa die „Mountain Partnership“ keine Völkerrechtspersönlichkeit. Auch die internationale Organisation Cipra, die damals gegen die Skischaukel am Riedberger Horn Sturm gelaufen war, sei lediglich ein Verein wie der Bund Naturschutz oder der Landesbund für Vogelschutz. „Ihre Sichtbarkeit und Leistungsfähigkeit sind begrenzt“, sagt Scharf.

Sie mahnt zur Eile. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich der Klimawandel in den Bergen besonders schnell und drastisch vollzieht.“ Hinzu komme, dass entgegengesetzte Interessen in Einklang gebracht werden müssten, etwa Tourismus, Hochwasserschutz, Landwirtschaft sowie Umwelt- und Naturschutz. Bis heute gebe es kein abgestimmtes Konzept.

„Unser bayerischer Alpenplan könnte ein Vorbild sein. Die Probleme in den französischen oder amerikanischen Bergregionen sind vergleichbar“, ist Scharf überzeugt. Sie kann sich München als Sitz dieser UN-Organisation gut vorstellen – „wegen der Nähe zu den Bergen“. Zudem engagiere sich Bayern schon heute in hohem Maße im alpinen Schutz.

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