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Ein katastrophales Jahr für Bienen: Imker beklagen schlechte Honigernte und große Verluste

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Von: Kathrin Brack

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Honigbienen hängen an Waben
Bayerns Honigbienen haben mit widrigen Bedingungen zu kämpfen. Das merkt man bei der Honigernte. © Sebastian Gollnow/dpa

Ein nasskalter Frühling, heftige Unwetter und das falsche Futterangebot: Bayerns Bienen hatten es dieses Jahr schwer. Ihre Imker konnten vielerorts nur eine spärliche Honigernte einfahren. Einige beklagen den schwächsten Ertrag seit Jahren. Andere den Verlust ganzer Völker.

Fürstenfeldbruck/Tauting – Der Raps war die Rettung für die Honigernte am Bienenhof Engelschall. „Der wird immer angebaut, da finden die Bienen zuverlässig Futter“, sagt Christian Engelschall. Einige seiner Bienenkästen stehen nicht in der Nähe von Rapsfeldern, sondern im Wasserschutzgebiet im Westen von Fürstenfeldbruck. Da musste der Berufsimker aus dem Ortsteil Aich zufüttern, damit seine Bienen überleben. Christian Engelschall hegt und pflegt 70 Bienenvölker. Er dachte schon, das letzte Honigjahr sei schlecht gelaufen. „Da haben wir gesagt: Schlimmer kann’s nicht werden“, erinnert er sich. „Und dann kam dieses Jahr. So eine schlechte Ernte haben wir noch nie gehabt.“

Die Sommertracht ist praktisch komplett ausgefallen, sagt er. Ein starkes Bienenvolk kann binnen kurzer Zeit eine größere Menge Honig produzieren. „Wenn die Bienen viel fliegen, braucht ein Volk aber schon bis zu zwei Kilo Honig am Tag für sich selbst.“ Finden die Bienen zu wenig Futter, reicht es bestenfalls für den Eigenbedarf.

Noch laufen die Auswertungen am Institut für Bienenkunde und Imkerei im fränkischen Veitshöchheim. Aber eines kann Inga Klingner vom Landesverband Bayerischer Imker schon jetzt sagen: „Es war tatsächlich bayernweit ein katastrophales Honigjahr.“ Zwar hätten die Bienen auch in diesem Jahr Nektar gesammelt –an Ernte sei vielerorts aber nicht zu denken gewesen. „Das lag zum einen am Wetter, das Frühjahr war zu nass und zu kalt.“ Zum anderen lag es am Futterangebot.

Ob Bienen ausreichend Honig für sich und ihren Imker produzieren, hängt davon ab, ob sie ausreichend Nahrung finden. Wobei es regionale Unterschiede gibt. Im Berchtesgadener Land brachte der Bergahorn laut Klingner zum Beispiel gute Erträge. „Im Oberland sieht man dagegen Mais, so weit das Auge reicht. Davon haben die Bienen nichts.“ Und Blühstreifen seien gut gemeint, würden aber nicht ausreichen.

Monokulturen sind für Insekten ein Problem, besonders für die Bienen, sagt Georg Nagl. Der Bio-Imker aus Tauting (Kreis Weilheim-Schongau) fährt einen Teil seiner 70 Völker aus dem Oberland nach München, um überhaupt Honig ernten zu können. „Da blüht in Parks und Kleingärten mehr als auf unseren Wiesen.“

Es kommt viel zusammen im Süden Oberbayerns: Milde Winter, die die Bienen zu früh aus der Winterruhe locken. Zu wenig Blühpflanzen auf den Wiesen. Und Unwetter, die die verbleibenden Blüten zerstören. Georg Nagl kennt einige Imker, die in diesem Jahr gar nichts ernten konnten. Manchen sind die Bienen verhungert, sie hätten ganze Völker verloren. „Die Lage der Insekten ist dramatisch“, warnt er.

Das liege auch daran, dass Landwirte häufiger mähen und Gülle ausbringen. Der Imker, der selbst in einer Landwirtschaft groß geworden ist, plädiert dafür, dass die intensive Nutzung der Böden zurückgefahren wird. „Dafür müssen die Bauern natürlich genug für ihre Arbeit bekommen.“ Sie seien getrieben vom Preisdruck, der Industrie und ihren Verbänden.

Christian Engelschall hat selbst eine kleine Landwirtschaft. Die Flächen, die dazu gehören, sind Blühflächen. „In schlechten Jahren trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt er. Die Imker müssten lernen, wie sie mit den Gegebenheiten umgehen. Dazu gehört, dass sie rechtzeitig im Sommer gegen die Varroamilbe vorgehen, die eine große Gefahr für die Bienen ist. Und ihre Völker pflegen, damit sie stark genug sind, um im darauffolgenden Jahr Honig zu produzieren.

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