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Creutzfeld-Jakob in Bayern nachgewiesen: Krankheit ist ein Todesurteil - Landratsamt nennt Details

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Rinderwahnsinn (BSE) und die dadurch im Menschen ausgelöste Creutzfeldt-Jakob-Krankheit waren in den 1990ern ein großes Thema.
Rinderwahnsinn (BSE) und die dadurch im Menschen ausgelöste Creutzfeldt-Jakob-Krankheit waren in den 1990ern ein großes Thema. © Peter Steffen/dpa/Symbolfoto

Die seit 2000 auch in Bayern grassierende Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde nun erstmals in Forchheim entdeckt. Ohne Behandlungsmöglichkeiten führt sie immer zum Tod.

Forchheim – In der oberfränkischen Stadt Forchheim wurden erste Fälle der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) bestätigt, dies berichtet Nordbayern.de. Dabei zerstören Proteine (Eiweiße) das Gehirn. Infolgedessen löst es sich schwammartig auf. Durch plötzlich auftretende Demenz oder Bewegungseinschränkungen kann die CJK diagnostiziert werden. So geschehen bei einem Krankheitsfall im November 2021 durch das Gesundheitsamt des Landkreises Forchheim.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) waren im Jahr 2018 deutschlandweit 78 Menschen von der seltenen Hirnerkrankung betroffen. Umgerechnet entspräche dies einer Person pro eine Million Einwohner. Für diese Menschen war die Diagnose ein Todesurteil, denn es gibt weder Behandlungs- noch Impfmöglichkeiten – „die Krankheit führt immer zum Tode“, so das RKI.

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Creutzfeldt-Jakob in Forchheim: Es gibt mehrere Ansteckungsmöglichkeiten

Es gibt insgesamt drei mögliche Formen der Übertragung, darunter die Ansteckung sowie die Vererbung. Eine Ansteckung sei laut RKI äußerst selten. In dem vorliegenden Fall deute nichts auf eine dieser beiden Möglichkeiten hin. Auch bei hirnchirurgischen Eingriffen mit unzureichend aufbereiteten Materialien, Behandlungen mit Wachstumshormonen oder durch die Transplantation von menschlicher Hirnhaut oder Augenhornhaut, wurden Fälle dokumentiert.

Die Herstellung von Wachstumshormonen sei aber seit 1985 kein Risiko mehr, da sie genetisch hergestellt werden. Auch für die Aufarbeitung von menschlicher Hirnhaut und von Augenhornhäuten wurden strengere Auflagen erstellt. Zudem seien laut RKI Sicherheitsempfehlungen für die Aufbereitung von medizinischen Geräten erarbeitet.

Übertragung durch BSE-verseuchtes Rindfleisch möglich

Im Forchheimer Fall gehe man von der klassischen CJK aus und man schließe einen Zusammenhang mit der BSE-Rinderseuche in Großbritannien aus. Die Krankheit trat wohl zufällig auf. Eine endgültige Diagnose könne man laut Landratsamt jedoch erst nach einer Hirnbiopsie geben.

Die neue Variante vCJK, sei auf den Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch zurückzuführen. Laut RKI könne die Krankheit hier erst Jahre oder auch Jahrzehnte später auftreten. Im Hirn und Rückenmark der Tiere sammele sich das tödliche Protein an und werde so auf Lebensmittel übertragen – Milch und Milchprodukte seien davon ausgeschlossen. „Fälle von vCJK können auch in Deutschland nicht ausgeschlossen werden“. Stand Sommer 2018, gab es jedoch bisher laut RKI keinen vCJK-Fall in Deutschland.

Auch Bluttransfusionen stellen Risiko dar

In Großbritannien hingegen sei das Risiko deutlich höher. Die meisten der weltweit 200 registrierten Fälle (seit 1995) wurden in Großbritannien verzeichnet. Die BSE-Variante komme dennoch selten vor und für den Ausbruch müssten laut derzeitigem Kenntnisstand mehrere Parameter vorliegen. Alle Betroffenen seien laut RKI zwischenzeitlich verstorben.

Personen, die sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt mehr als sechs Monate in Großbritannien aufgehalten haben oder dort seit 1980 eine Operation oder Bluttransfusion erhalten haben, sind derzeit von der Blutspende in Deutschland ausgeschlossen. Grund ist: Durch Bluttransfusionen sei eine Übertragung denkbar und in Einzelfällen bereits vorgekommen.

Strengere Auflagen seit 2001

Auslöser für die Seuche sei vermutlich die Verfütterung von Tiermehl von verseuchten Rind- und Schafkadavern. Der erste BSE-Fall in Bayern sei erst 2000 bestätigt worden, während in Großbritannien die Seuche vor allem Ende der 80er- bis Anfang der 90er-Jahre stark grassierte. „Seit 2001 gelten besondere Auflagen bei der Verarbeitung von Rindern, damit potenziell belastete Teile des Tieres nicht in die Nahrungskette gelangen. Dies führte in der EU zu einem drastischen Rückgang der BSE-Fälle. In Deutschland wurde 2009 der bislang letzte BSE-Fall nachgewiesen“, so das RKI. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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