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Bayern will ärztliche Versorgung auf dem Land verbessern: Nach dem Medizinstudium für zehn Jahre Landarzt

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Von: Cornelia Schramm

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Traumberuf Landärztin: Sevcan Kizilkaya aus Dachau wollte schon immer Medizin studieren. Der persönliche Kontakt zum Patienten ist ihr am wichtigsten.
Traumberuf Landärztin: Sevcan Kizilkaya aus Dachau wollte schon immer Medizin studieren. Der persönliche Kontakt zum Patienten ist ihr am wichtigsten. © Privat

Medizin studieren geht nur mit Einser-Abitur. Sevcan Kizilkayas größter Wunsch hätte sich vielleicht nie erfüllt. Jetzt klappt es doch mit dem Traumberuf, denn der Freistaat bietet der 24-Jährigen einen Studienplatz an – nimmt sie dafür aber auch in die Pflicht.

Dachau – Sevcan Kizilkaya fühlt sich zwischen Nadeln und Blutröhrchen pudelwohl. Ihrem nächsten Patienten legt sie eine Manschette um den Arm und misst den Blutdruck. Danach nimmt sie Blut ab. „Neben dem Biologie-Studium arbeite ich in einer Hausarztpraxis in München“, erzählt die Dachauerin. „Letztens durfte ich zur Übung sogar eine Infusion legen.“ Darüber freut sich die 24-Jährige noch jetzt sichtlich, denn das Biologie-Studium ist für sie nur ein Plan B. Eigentlich will sie Ärztin werden.

Die Chance bekommt Kizilkaya jetzt – sogar ohne Einser-Abitur. Und das ist eigentlich noch immer die Voraussetzung dafür, einen der begehrten Medizin-Studienplätze zu bekommen. Als eine von 115 jungen Bayern startet Kizilkaya ab Herbst in ein besonderes Programm. Seit 2020 reserviert der Freistaat Bayern jedes Jahr bis zu 5,8 Prozent der Medizinstudienplätze, um zukünftige Landärzte ausbilden zu lassen.

Freistaat vergibt Plätze für Medizinstudium - auch ohne Einser-Abi

Durch ein Bewerbungsverfahren entscheidet eine Jury, wer am Programm teilnehmen darf. Der Clou: Nicht nur die Abschlussnote zählt, sondern auch andere Kriterien, etwa eine Ausbildung im medizinischen Bereich. Dafür verpflichten sich die Kandidaten aber auch, nach ihrem Studium zehn Jahre lang als Arzt im ländlichen Raum zu arbeiten – wo auch immer gerade die medizinische Unterversorgung droht. Und so kommt nun auch Kizilkaya trotz ihres außergewöhnlichen Werdegangs zum Zug.

„Mein Traumberuf steht seit der Pubertät fest: Ich will Ärztin werden“, sagt Kizilkaya und zählt eine ganze Reihe an Praktika auf, die sie schon als Teenie gemacht hat. „Ich war beim Hausarzt, beim Zahnarzt und dem Medizinischen Versorgungszentrum in Dachau – und durfte sogar schon einem Chirurgen zuschauen.“ Da besuchte Kizilkaya gerade die Mittelschule und machte nach der neunten Klasse ihren qualifizierenden Abschluss mit der Note „sehr gut“. „Das Medizinstudium blieb mein Ziel: Durch meine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten wollte ich Erfahrung sammeln. Danach habe ich dann mein Abitur nachgeholt.“

Dieses Mal stand die Note „sehr gut“ aber trotz aller Anstrengungen nicht auf Kizilkayas Zeugnis. „Auf den Medizin-Studienplatz hätte ich sehr lange warten müssen, weshalb ich mich dann für Biologie entschieden habe“, sagt sie. „Zwei Semester habe ich schon gewartet und wollte mich daher im Ausland bewerben.“ Doch dann stieß sie auf das Landarzt-Programm und bewarb sich.

Landarztquote: Bei Vertragsbruch werden 250.000 Euro fällig

„Ihr Patient ist Dachdecker, übergewichtig und Raucher. Seine Blutdrucktabletten will er nicht nehmen, weil er Angst vor Impotenz hat. Was raten Sie ihm?“ So lautete eine der vielen Fragen, die Kizilkaya dann in der letzten Auswahlrunde mit einem Arzt diskutieren musste. Am Ende fragte die Jury sie auch, warum sie Landärztin werden möchte. Die Antwort fiel der 24-Jährigen nicht schwer, wie sie sagt – und kam von Herzen: „Auf dem Land ist es familiärer und die Arbeit für eine Ärztin viel vielseitiger: Der persönliche Kontakt zum Patienten ist mir wichtig. Man kennt die Menschen genau und kann so auch schneller Diagnosen stellen.“

Wohin es geht, wenn sie in elf Jahren mit dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Facharztausbildung fertig ist, weiß Kizilkaya nicht. Eine Wahl hat sie nicht: Bei Vertragsbruch müsste sie eine Strafe in Höhe von 250 000 Euro zahlen. „Das hat mich nicht abgeschreckt. Ich bin offen und gehe dahin, wo ich helfen kann“, sagt sie. „Solange ich in meinem Traumberuf arbeite, bin ich glücklich.“

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