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Blick in den Bunker: Hier hauste ein von der Polizei gesuchter 50-jähriger Reichsbürger mit seinen zwei minderjährigen Kindern.

Polizei fahndete schon lange nach ihm

So lebte der Reichsbürger mit seinen Kindern im Steinbruch-Versteck - neue Details

Vor Monaten war er mit seinen zwei Kindern untergetaucht: Nun hat die Polizei einen 50-jährigen Reichsbürger in Oberfranken festgenommen - in einem Erdbunker. Nun gibt es neue Details zu dem Fall. 

Update vom 27. Mai 2019 - Lichtenfels: Nach der Festnahme des monatelang gesuchten Reichsbürgers aus Oberfranken begab sich die tz auf Spurensuche. Der Mann hauste mit seinen zwei Söhnen (7, 9) seit November in einer Erdhöhle im Debus-Natursteinwerk in Oberlangheim (Oberfranken). In seinem Heimatort nennen sie ihn „Kupfer“, weil er so rote Haare hat.

Im Steinbruch hatte sich Thomas B. (50) die tiefste Stelle zwischen zwei Erdhaufen in einem renaturierten Bereich ausgesucht und eine 2,50 mal drei Meter große Behausung aus Fichtenholz gebaut, rundherum wieder Erde aufgeschichtet. „Selbst als mich die Kripo dorthin führte, habe ich es nicht entdeckt“, sagte der Betriebsleiter (38) am Montag.

Darum war der Reichsbürger im Erdbunker abgetaucht

Abgetaucht war B., weil er Schulden bei Ebay nicht bezahlt und im Finanzamt Lichtenfels einen Beamten beleidigt hatte. Noch alarmierender war aber der Umstand, dass er seine 13-jährige Tochter allein Zuhause zurückgelassen hatte und seine Söhne nicht mehr in die Schule kamen. „Die vermitteln ihnen dort eh nur die Sicht vom Staat“, soll er behauptet haben. Im Ort mutmaßte man, der passionierte Lautsprecher-Bastler habe sich nach Frankreich abgesetzt. Doch Vertraute wussten offenbar vom Erdversteck. „Der muss Helfer gehabt haben“, glauben sie im Ort. „Der hatte doch nur ein Fahrrad mit Kinderanhänger.“

In der Behausung sorgten Autobatterien für Strom. Milch und Fischkonserven waren auf Vorrat gekauft, die Kinder besaßen Spielzeug und Bücher. Zwischen 6 und 17 Uhr, wenn Arbeiter im Steinbruch waren, streifte B. mit den Jungs durch die Wälder. Vor zwölf Tagen zog ihn dann das SEK aus dem Loch. Seine Ersatzhaftstrafe hat er wohl inzwischen abgesessen, er wurde im Ort gesehen.

Reichsbürger baut Erdbunker und versteckt sich monatelang mit Kindern - Festnahme

Erstmeldung vom 25. Mai 2019:

Lichtenfels – Am vergangenen Samstag schlugen die Ermittler zu. Mit Unterstützung der Hubschrauberstaffel rückten mehrere oberfränkische Einsatzkräfte zu einem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels aus. Dort hielt sich ein 50-jähriger Mann mit seinen zwei minderjährigen Kindern versteckt – in einer selbst gegrabenen und aufwendig eingerichteten Erdbehausung.

Reichsbürger in Erdbunker festgenommen: Polizei fahndete monatelang nach ihm

Gut getarnt: Der Eingang zu dem Erdbunker.

Schon im November wollte die Polizei einen 50-jährigen Mann, der der Reichsbürger-Szene zugeordnet wird, festnehmen. Gegen ihn lag ein Vollstreckungshaftbefehl vor. Doch als die Beamten damals bei der Adresse des Mannes anrückten, war dieser nicht mehr aufzufinden. Bei der im Anschluss eingeleiteten Fahndung stellte sich heraus, dass der Mann sein familiäres Umfeld mit seinen beiden minderjährigen Kindern verlassen hatte. „Auch ein Aufenthalt im Ausland konnte nicht ausgeschlossen werden“, teilte die Polizei mit.

Damit begannen intensive Ermittlungen der Kripo Coburg. Anfang Mai hätten sich nach Polizeiangaben dann Hinweise ergeben, dass sich der 50-Jährige mit den beiden Kindern in dem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels versteckt halten könnte. Wie sie dem Mann auf die Spur gekommen waren und wie alt die beiden Kinder sind, wollte die Polizei vorerst nicht verraten.

Reichsbürger lebt in Erdbunker: Er hatte sich häuslich eingerichtet 

Doch ein Foto, das die Polizei von dem Erdbunker veröffentlichte, gibt Einblick, wie das Trio in den vergangenen Wochen oder sogar Monaten gelebt haben muss: In der mit Brettern verschlagenen Höhle sind große Trinkwasserkanister zu sehen, an der Wand hängt eine Armeejacke. Im Raum stehen ein Korb mit Bananen, Milchtüten und Shampooflaschen herum. Und das ganze Zimmer ist verkabelt – in einer Ecke des Raumes ist ein Computer zu sehen. „Es deutet alles darauf hin, dass die Aktion von langer Hand geplant war“, sagt eine Polizeisprecherin.

Reichsbürger baut sich selbst Erdbunker: Kinder sind wohlauf

Beim Zugriff am vergangenen Samstag ließ sich der Mann widerstandslos festnehmen. Die Kinder waren laut Polizei wohlauf und wurden in die Obhut des Jugendamtes gegeben. Zur Situation der Mutter wollten die Behörden zunächst ebenfalls keine Angaben machen. Der Vater wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert. Der selbst gebaute Erdbunker sei in der Zwischenzeit geräumt und wieder mit Erdreich aufgefüllt worden.

Reichsbürger fallen immer wieder durch Straftaten auf. Ein 61-Jähriger aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck musste nun seine Waffen abgeben. Er wird der Reichsbürger-Szene zugeordnet. Der Mann verneint das allerdings.

Weil er auf Polizisten geschossen und einen dabei sogar getötet hatte, war der Reichsbürger Wolfgang P. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Jetzt hat das Amtsgericht sein Haus versteigert.

Die Bundeswehr gerät wegen rechtsextremer Soldaten immer wieder in die Schlagzeilen. Laut einem Bericht suspendierte die Bundeswehr erstmals einen sogenannten Reichsbürger vom Dienst.

Dominik Göttler/ Jörg Völkerling

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