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Gegen die Baum-Bürokratie: Hildegard Hoffmann (Trachtenverband), Minister Marcel Huber und die Bewacher.

Brauchtum

Bayern macht das Maibaum-Stehlen leichter: Das soll sich ändern

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München - Bayern macht das Maibaum-Stehlen leichter. Die bisher sehr strengen Regeln für den Transport werden sofort gelockert, bald soll auch das Auslöse-Fest einfacher werden.

Der Minister schlendert in friedlicher Absicht auf den Hof, jedenfalls will er nichts stehlen. „Grüß Gott“, ruft Marcel Huber in die Runde, „seid’s ihr die Bewacher?“ Sie sind es, versammelt um einen 28 Meter langen Stamm, sie hüten ihn Tag und Nacht. Weil von Huber, 58, nicht direkt zu erwarten ist, dass er den Baum aufs Dach seines Dienst-BMWs schnallt und davonfährt, ist die Stimmung entspannt.

Auf dem Bachbauernhof, Pasings letztem Hof, am Sonntagnachmittag: Huber nutzt einen Besuch bei der Maibaumwache des Heimat- und Gebirgstrachtenvereins D’Würmtaler-Stamm, um sein Projekt zu erklären. Der Staatskanzleichef will Bürokratie fürs Ehrenamt reduzieren. In einer Woche werden in Bayern hunderte Maibäume aufgestellt, das ist gelebtes Brauchtum – aber vermutlich auch hundertfacher Gesetzesbruch. Die Vorgaben für den Umgang mit dem Baum und den Festen sind strikt, bisweilen bizarr. Seit Jahren klagen Vereine darüber.

Maibaum-Stehlen ist als Schwertransport im Vorfeld anzumelden 

„Du musst Dir fast eine Anwaltskanzlei nehmen zum Maibaum-Aufstellen“, räumt selbst Huber ein. Allein schon die Anfahrt, ob Klau oder nicht: Anzumelden ist das als Schwertransport zwei Wochen im Voraus. Die Polizei ist als Eskorte zu informieren, Straßensperrungen wären vorzubereiten. Eine Haftpflichtversicherung ist ratsam. Wer den Maibaum-Brauch und den Klau kennt, ahnt: Der Gedanke, die Polizei vorab zu informieren, also paragrafentreu einen Einbruch mit Diebstahl sowie geplanter folgender räuberischer Erpressung (Auslöseverhandlungen!) zu informieren und um Amtshilfe zu bitten, ist völlig aberwitzig.

„Wir streichen weg, was nicht unbedingt sein muss“, verspricht Huber. Er hat sich mit dem Innenminister geeinigt, dass jetzt der Maibaumtransport genehmigungsfrei ist. Bedingung: Vor und hinter dem Zug müssen Polizei, Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk sichern. Der Realität im Dorf kommt das näher.

Das ist das Ergebnis eines runden Tisches von Anfang April bei Huber. „Es ist wichtig, dass auch von Oben anerkannt wird, wie wichtig das Brauchtum ist“, sagt Hildegard Hoffmann vom Bayerischen Trachtenverband. Jetzt sei ein „gangbarer Weg“ gefunden. Man mag Huber entgegenhalten, es gebe noch wichtigere Aufgaben derzeit als die Stangerl-Deregulierung – der CSU-Politiker, selbst seit 43 Jahren bei der Feuerwehr aktiv, sieht darin jedoch auf Dauer eine Gefahr fürs Ehrenamt insgesamt. Die Bürokratie steigere den Frust bei den Vereinen. „Und Frust ist Gift für jedes Ehrenamt.“

Er will einen „Leitfaden“ für Vereine entwickeln, worauf sie bei welcher Veranstaltung achten müssen. Abstriche an der Sicherheit – etwa Brandschutz oder Lebensmittelrecht – will er nicht akzeptieren, aber die Regeln auf ein Mindestmaß zusammenstreichen und einheitliche Ansprechpartner nennen. Das soll bald auch bayernweit Vereinsfeste erleichtern.

Der Maibaum in Pasing soll am 1. Mai traditionell mit Schwaiberln und Muskelkraft aufgestellt werden. Falls er nicht geklaut wird. Das ist historisch gesehen unwahrscheinlich: Bis jetzt wurde den Würmtaler Trachtlern noch nie ein Baum gestohlen.

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