„Gesellschaftliche Verantwortung statt ökonomischem Mehrwehr“ – dafür sind Münchner Studenten und Professoren auf die Straße gegangen. 
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„Gesellschaftliche Verantwortung statt ökonomischem Mehrwehr“ – dafür sind Münchner Studenten und Professoren auf die Straße gegangen. 

„Ort der Wissensaneignung“

Gegen Unternehmertum - Für Freiheit: Studenten rebellieren gegen Söders neues Uni-Gesetz

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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80 Studenten und Dozenten haben sich am Dienstag auf dem Odeonsplatz zu einer Kundgebung getroffen. Sie kritisieren die geplanten Reformen des Bayerischen Hochschulgesetzes.

München – Hinter Christbäumen und der Feldherrnhalle haben sich rund 80 Studenten, Professoren und Interessierte auf dem Münchner Odeonsplatz zu einer Kundgebung zusammengefunden. Die Initiative Geistes- und Sozialwissenschaften kritisierten in mehreren Reden heftige die geplanten Reformen des Bayerischen Hochschulgesetzes.

München: Protest am Odeonsplatz - Studenten und Dozenten kritisierten geplante Reformen

Natan Wille (19) ist Soziologie- und Philosophiestudent an der LMU.

„Ich finde die geplante Änderung des Bayerischen Hochschulgesetzes furchtbar, für die Studenten und die Dozenten. Die Wissenschaftsfreiheit halte ich für extrem wichtig. Es wirkt so, als wäre der Wille da, weniger Geld in die Bildung an Hochschulen und Universitäten zu stecken. In der Zukunft wird es so sein: Wenn irgendwo Geld fehlt, fehlt es zuerst bei uns. Die MINT-Wissenschaften haben ihre Investoren.“

Natan Wille

In Zukunft sollen die Universitäten unternehmerischer werden. Ein Ansatz, der den betroffenen Studenten und Dozenten bitter aufstößt. „Ich bin strikt gegen die Ökonomisierung der Hochschule“, sprach Eduard Meusel in sein Mikrofon. „Die Universität ist ein Ort der Wissensaneignung.“

München: Geplante Reformen des Bayerischen Hochschulgesetztes gefährden Studiengänge

Meusel, der Organisator der Veranstaltung, ist selbst an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität Lehrbeauftragter für Indogene Sprachen. Ein Fach, für das sich gerade einmal zwei Dutzend Studenten jedes Semester einschreiben. Deswegen ist der Studiengang besonders gefährdet, sagte Meusel.

Im Gegensatz zu den Studienrichtungen Naturwissenschaft, Informatik, Technik oder Mathematik (MINT-Wissenschaften) lasse sich bei kleineren Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften nur schwer der ökonomische Mehrwert darstellen. Sie seien jedoch genauso wichtig.

„Wir sind in Sorge, ob wir in Zukunft unsere Wissenschaft noch ordentlich ausführen können“

„Wir sind in großer Sorge, ob wir in Zukunft unsere Wissenschaft noch ordentlich ausführen können, oder ob es sie überhaupt noch gibt“, sagte Meusel zu der Menge. „Wir wollen in keiner Konkurrenz zu den MINT-Wissenschaften stehen. Ihre Förderung ist wichtig, doch unsere auch.“

Susanne Lüdemann (60) ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der LMU.

„Ich bin hier aus Solidarität zu meinen Mitarbeitern. Die geplanten Neuerungen des Bayerischen Hochschulgesetzes sind nicht in Ordnung. Die Universitäten werden vollkommen auf verwertbares und messbares Wissen umgestellt. Was wir Geistes- und Sozialwissenschaften machen, kommt nicht mehr vor. Außerdem stört mich die Umstrukturierung der Hochschulen. Sie sollen zu Unternehmen werden.“

Susanne Lüdemann

Bayern: Reformen könnten schlimme Folgen für Geistes- und Sozialwissenschaften haben

Der finanzielle Unterschied zu den MINT-Wissenschaften sei jedoch schon in den vergangenen Jahren spürbar gewesen. Die Reformen, die im Frühjahr beschlossen werden sollen, könnten den kleinen Fächern der Geistes- und Sozialwissenschaften der Garaus machen.

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