Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnt vor einer „humanitären Katastrophe“ in der Pflege.
+
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnt vor einer „humanitären Katastrophe“ in der Pflege.

„Die Pflege ist am Limit“

Bayerns Gesundheitsminister warnt vor „humanitärer Katastrophe“ - und stichelt gegen Ampel-Sondierungen

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
    schließen

Geht es nach Bayerns Gesundheitsminister Holetschek, dann steuert Deutschland in der Pflege auf eine „humanitäre Katastrophe“ zu. Dies komme in den Ampel-Sondierungen aber zu kurz.

München - Neben der Corona-Pandemie* stellt die Pflegekrise eine mindestens genauso große Baustelle in der Gesundheitspolitik dar. Darauf machte jetzt Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mit drastischen Worten aufmerksam. „Wenn wir die Abrechnungsmodalitäten an die erste Stelle setzen, es aber niemanden gibt, der sich um die Menschen kümmert, haben wir ein riesiges Problem“, sagte der Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Pflegekrise in Deutschland: Es muss mehr Geld in die Hand genommen werden

„Aktuell laufen wir sehenden Auges in eine humanitäre Katastrophe“, fuhr der CSU-Mann* fort. Besonders Personalmangel und schwierige Arbeitsbedingungen würden die Pflege schwer belasten. Ein weiteres, eher politisches Problem ist für den Chef der Gesundheitsminister-Konferenz die Frage der Verantwortung. „Bislang ist Gesundheitspolitik ehrlich gesagt vor allem ein Thema der Finanzminister - das müssen wir ändern. Wir brauchen in der Gesundheitspolitik einen großen Wurf. Die Pflege ist am Limit.“ Holetschek ging auch auf den finanziellen Aspekt des Problems ein: „Selbstverständlich müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen. Das Thema wird auf jeden Einzelnen zukommen, zu Hause oder im Altenheim.“

Im Laufe der vergangenen Woche hatte erst die Vorsitzende des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, ein Einstiegsgehalt für Pflegekräfte in allen Bereichen von 4000 Euro brutto gefordert. Für sie sei die Pflegekrise gleich nach der Klimakrise zu nennen. Unterstützung erhielt sie von Gesundheitsminister Jens Spahn* (CDU). Holetschek hingegen relativierte: „Bezahlung hilft, ist aber nicht das alles Entscheidende.“ Bessere Wiedereingliederungsmöglichkeiten sowie bessere Planbarkeit seien für Pflegekräfte ebenfalls entscheidend. „Es kann nicht sein, dass sie immer wieder aus ihrer Freizeit herausgeholt werden, weil auf den Stationen und in den Heimen Mangel herrscht. Dafür sollten Springer-Pools geschaffen werden, die bei Personalausfällen zur Verfügung stehen.“

Ampel-Sondierer beschäftigen sich zu wenig mit pflegenden Angehörigen

Ein Thema, das dem bayerischen Gesundheitsminister ebenfalls zu kurz kommt, ist Lage der pflegenden Angehörigen. Vor allem bei den Sondierungsgesprächen der SPD, Grünen und FDP werde das Thema nicht ausreichend behandelt. „Es wundert mich schon, wenn die pflegenden Angehörigen in dem Sondierungspapier mit keinem Wort erwähnt werden.“ Er setze sich für die Einführung eines Pflegezeitgeldes ein, das pflegenden Angehörigen zukommt.

Mehr auf die häusliche Pflege will auch der Sozialverband VdK setzen. „Gegen den Fachkräftemangel in der Pflege plant man die x-te Offensive“, kritisierte Präsidentin Verena Bentele. Sinnvoll wäre unter anderem auch eine Stärkung der häuslichen Pflege. In der Pflege- und Krankenversicherung fehlten schon im nächsten Jahr Milliarden. Statt jetzt die Finanzierung durch eine Zusammenlegung von gesetzlicher und privater Versicherung zu sichern, werde an der privaten Krankenversicherung festgehalten. Das sei rückwärtsgewandt, kritisierte Bentele. Gute Signale seien das klare Bekenntnis, das Renteneintrittsalter nicht steigen zu lassen, und Hartz IV zu überwinden. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare