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Plastik auf der Piste: Wie ein bayerischer Skilift-Betreiber an der Zukunft des Wintersports tüftelt

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Von: Jannis Gogolin

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Die aktuelle Wintersport-Saison schwächelt wegen zu warmer Witterung. Nun soll in Oberaudorf eine Piste entstehen, die jeglichen Temperaturen trotzt.

Oberaudorf – Diese Saison ist für den deutschen Wintersport ein Desaster. Zwar gab die Kälteperiode Anfang Dezember 2022 Hoffnung auf kräftigen Schneefall und dementsprechend viel Spaß und gutes Geschäft. Doch kurz vor Weihnachten brach das winterliche Wetter mit Temperaturen bis zu 15 Grad in sich zusammen. Mittlerweile schneit und fröstelt das Wetter wieder und die Schneekanonen können arbeiten. Doch ein Skilift-Betreiber im Landkreis Rosenheim nahm seine diesjährigen Sorgenfalten zum Anlass, für eine schneearme Zukunft vorzusorgen.

Plastik auf der Piste: Wie ein Skilift-Betreiber in Oberaudorf umdenkt

Fast acht Meter breit und ungefähr 100 Meter lang ist das Wintersport-Experiment, das aktuell auf einem Hang bei der Gemeinde Oberaudorf entsteht. Anstelle von Schnee setzt Hannes Rechenauer, Geschäftsführer der Bergbahnen Hocheck, jedoch auf Plastik. Genauer: Kunststoff-Quadrate mit einer Kantenlänge von 23 Zentimeter, die wie ein Puzzle auf einer Fläche von knapp 800 Quadratmetern zusammengefügt werden.

Kunststoff-Piste Oberaudorf Hocheck
Kurz nach der Eröffnung am Freitag, 20. Januar, übt schon der erste Skikurs am Kunststoff-Übungshang in Oberaudorf. © Hannes Rechenauer

„Das ist als Ergänzung zu unserem normalen Programm zu sehen, als eine Abrundung“, erklärt er gegenüber Merkur.de. Schon länger beschäftigte er sich mit einer Alternative zum Schnee, Ende dieses Jahres sollten die Platten ihre Premiere feiern. Da diese Saison jedoch stark unter warmen Wetter litt – sogar der Einsatz von Schneekanonen war deswegen unmöglich – beschloss er den Einsatz der Kunststoff-Piste vorzuziehen.

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Schneemangel mit Plastikplatten begegnen – „sind in Bayern das erste Gebiet“

Fünf seiner Mitarbeiter arbeiteten zwei Wochen an dem Projekt und verlegten die Quadrate, damit sie pünktlich zum Freitag, 20. Januar, Premiere feiern können. Während in England solche Abfahrten bereits seit mehreren Jahren genutzt werden, „sind wir in Bayern das erste mir bekannte Gebiet, das so eine Abfahrt anbietet“, erklärt der Oberaudorfer. Illusionen über seinen ungewöhnlichen Ansatz gebe er sich jedoch nicht hin. Die Strecke soll vor allem „von Skikursen und Anfängern genutzt werden, um die Grundlagen zu erlernen“.

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Fahrgefühl „ähnlich wie auf normalem Schnee“ – auch Stürze direkt vergleichbar

Das Fahrgefühl beschreibt der Bergbahnen-Chef als „so ähnlich wie auf normalem, etwas härterem Schnee“. Abfahren könne man mit konventionellen Ski und Snowboards. Sorgen um sich und seine Ausrüstung müsse sich indes keiner machen. Durch den Kunststoff entstehe kein stärkerer Materialverschleiß, auch ein Sturz auf die Plastik-Quadrate sei direkt mit einem auf Schnee vergleichbar, so Rechenauer.

Vorbehalte wegen Umweltschutz könne er verstehen. Er betont jedoch, „dass die Kunststoffquadrate aus recyceltem Material von einem deutschen Hersteller produziert wurden. Und am Ende der Saison saugen wir den Abrieb auf, bevor wir die Piste demontieren.“ Nach Angaben des Herstellers könne das Material ungefähr 20 Jahre lang befahren werden, bevor es entsorgt werden muss. Weil Rechenauer abgesehen davon keine Pistenraupen und Beschneiungsanlagen brauche, ist er von dessen Umweltverträglichkeit fest überzeugt.

Für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist der bayerische Wintersport ein Steckenpferd. Mehrfach verteidigte er den energieaufwendigen Einsatz von Schneekanonen. Seine Reaktion auf die Idee einer Plastik-Piste steht derweil noch aus. In Dachau wurde vor ein paar Monaten über eine Alternative aus Plastik in der Eishalle des diskutiert. Anstelle des Eises sollte eine riesige Plastik-Platte den Sportlern genügen.

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