28 stolze PS hat die Ente von Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni – hier mit ihrem Mann Wolfgang Hoffmann. Das Bild stammt aus dem Jahr 2008, Ente und Fahrerin sind noch immer dieselben.

BMW oder Ente?

Bayerns Kommunalpolitiker und ihre Autos

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München - BMW oder Ente? Staatsmännisch oder rostlaubig? Bayerns Kommunalpolitiker sind ziemlich unterschiedlich unterwegs, vermehrt sogar drahteselig. Wir haben uns mal umgehört.

Das war eine Ansage, ein echter Steinbrück. Sein Dienstwagen, fauchte der deutsche Finanzminister bei einem Wahlkampfauftritt 2009, sei „ein rollendes Büro“, in dem er telefonieren und furchtbar dicke Akten mitschleppen müsse. „Da hab’ ich keinen Bock, auf irgendeiner Holzbank in irgendeinem Auto zu sitzen.“ Ein gemeiner VW Golf, das war seither klar, ist nix für Peer. Es muss die gepanzerte S-Klasse sein.

Die hohen Herrschaften und ihre Dienstkarossen. Gut, zwischen einem Bundes-Minister und Bayerns Kommunalpolitikern gibt es einen gewissen Unterschied. Aber die Frage bleibt: Braucht es immer das Modell superdick? Bei den hiesigen Bürgermeistern und Landräten gehen die Meinungen weit auseinander.

In Wolfratshausen zum Beispiel muss niemand die Steinbrücksche Klartext-Keule auspacken. Der Stadtrat hat seinem neuen Bürgermeister Klaus Heilinglechner nämlich erst vor wenigen Tagen einen neuen Dienstwagen verordnet: den niegelnagelneuen BMW i3, einen Elektroflitzer für gut 46 000 Euro. Dem Rathauschef von der lokalen Bürgervereinigung hätte auch eine Nummer kleiner gereicht. Aber seine Kollegen halten einen BMW einfach für repräsentativer. Zitat eines CSU-Mannes: „Wir können den Bürgermeister ja nicht im Smart durch die Gegend fahren lassen.“

Ein Auto als Statussymbol, alte Geschichte, aber noch immer wahr. Anton Speer (Freie Wähler), der neue Landrat von Garmisch-Partenkirchen, soll bei seinem ersten Treffen mit den Landrats-Kollegen mit seinem privaten Opel Zafira vorgefahren sein – und eine Menge schiefe Blicke geerntet haben. „Es ist schon ein bisschen seltsam, wenn alle im Mercedes vorfahren“, sagt Speer. „Und du nicht.“

Tragisch, aber so langsam ändern sich die Zeiten. Da gibt es zum Beispiel Angelika Obermayr, die seit Kurzem Bürgermeisterin in Grafing (Kreis Ebersberg) ist. Sie hat sich geweigert, den 5er-BMW ihres Vorgängers zu übernehmen. „Autorität“, sagt die Grünen-Politikerin, „hat nichts mit Auto zu tun.“ Man muss dazu wissen, dass der Vorgänger und sein Auto in eine Dienstwagenaffäre verwickelt waren. Allerdings, sagt Obermayr, habe sie auch ein „Zeichen der Bescheidenheit“ setzen wollen. Sie fährt mit ihrem Rad, den Polo aus dem Rathaus-Pool nur dann, wenn’s furchtbar regnet.

Überhaupt ist das Rad als Dienstgefährt gerade ziemlich schick. Dachaus neuer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) tritt bei Terminen im Stadtgebiet in die Pedale. Der 7er BMW seines Vorgängers, sagt er, sei unpraktisch: „Da kriegst du ja nirgends einen Parkplatz.“ Seine Garmisch-Partenkirchner Amtskollegin Sigrid Meierhofer (SPD) lässt die E-Klasse ihres Vorgängers für ihr rot-beigefarbenes Radl stehen. Sieben Gänge statt 200 PS. Der Mercedes, sagt sie, steht seit ihrer Amtsübernahme im Frühjahr in der Garage – „und keiner traut sich, ihn zu nutzen“.

Bisher hatte der Markt den Dienstwagen geleast, wie viele Kommunen. Sie profitieren von einem speziellen Angebot der Autobauer, die ihre Wagen für Rathauschefs, Landräte und Spitzenpolitiker günstig anbieten. Das lockt.

Manuela Vanni, seit 2008 Bürgermeisterin in Peißenberg (Kreis Weilheim-Schongau) widersteht dem aber schon lange. Seit ihrem ersten Wahlkampf fährt sie ihr rotes Prachtstückchen, eine Ente. 28 stolze PS, ebenso viele Jahre auf dem Buckel und sie knattert immer weiter. Vanni ist im Ort bekannt für ihren kleinen Flitzer, ihr Mann rüstet außerdem Enten um und hat in der europäischen Entenszene einen einigermaßen großen Namen. Hin und wieder fragt einer die Rathauschefin nach ihrem Wagen. „Mit solchen Autos“, sagt Vanni, „kommt man gut mit den Menschen ins Gespräch.“

Nur bei besonderen Terminen, etwa bei der Regierung von Oberbayern, schwenkt sie auf den gemeindeeigenen VW Passat um. Der ist dann halt doch, nun ja, repräsentativer. Für längere Wege werden sich auch Dachaus OB Hartmann und Garmischs Landrat Speer einen eigenen Dienstwagen genehmigen lassen. „Aber ohne Chauffeur“, sagt Speer. Das ist ihm dann doch zu gestrig.

Marcus Mäckler

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