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Mit Werbung auf der Piste, in Uniform im Dienst: Viele Sportstars sind beim Staat angestellt. Skispringer Michael Uhrmann zum Beispiel ist Polizeihauptmeister der Bundespolizei. Die Dienstpflichten sind eher gering, der Image-Effekt für den Staat hoch.

Bayerns Polizei will eigene Olympiasieger

München - Bayerns Polizei soll auf Medaillenjagd gehen. Innenminister Joachim Herrmann will eine eigene Einheit für Spitzensportler aufbauen. Grobkonzept: Vom Ordnungshüter zum Olympiasieger. Am besten bis 2018.

Das Bild vom Profisportler ist vielleicht etwas verzerrt. Champagner-Duschen in der Nobel-Disco, dicke Sponsorenverträge – für die Mehrheit der Athleten ist das eine Illusion. Sie leben während der Ausbildung im Schnitt von 626 Euro Durchschnittseinkommen – knapp über dem Hartz-IV-Niveau, ergab eine Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln. Alternative: sich bei Bundeswehr oder Bundespolizei verpflichten, ein geregeltes Einkommen und eine Ausbildung bekommen. Jetzt will auch Bayern in dieses Förderkonzept einsteigen.

Innenminister Joachim Herrmann will die Landespolizei für Spitzensportler öffnen. Schon nächstes und übernächstes Jahr sollen je zehn neue Plätze für Athleten bereitstehen, sagte der CSU-Politiker dem Münchner Merkur. Mit Blick auf Münchens Olympia-Bewerbung 2018 nimmt er zunächst den Wintersport ins Visier. In den nächsten Wochen will er ein konkretes Konzept vorlegen, wie Polizei-Ausbildung und Sportförderung verknüpft werden.

Den jungen Sportlern bietet das Sicherheit auch über das Karriere-Ende hinaus, dem Freistaat „einen Imagegewinn, wenn unsere Polizisten auf Medaillenjagd gehen“. Herrmann denkt auch an die Vorbildfunktion der Athleten innerhalb der Polizei. Mit Ministerpräsident Horst Seehofer und den Spitzenverbänden von Sport und Schützen ist die Idee (in Hessen zum Beispiel gibt es das bereits) im Grundsatz abgestimmt.

Zusätzliche Mittel fordert Herrmann vorerst nicht. „Bei insgesamt 39 000 Mitarbeitern der Polizei sprengen zwei mal zehn Leute den Stellenplan nicht.“ Er versichert zudem, nirgendwo würden Beamten-Posten abgezogen.

Ein bayerischer Polizist als Olympiasieger 2018? Pure Fantasterei ist das nicht. Die Bundespolizei räumte 2010 in Vancouver zum Beispiel mit Biathletin Martina Beck und Langläuferin Katrin Zeller mehrere Medaillen ab. Arnd Peiffer sprintete zu mehreren Weltcup-Siegen. Als Sportsoldaten bei der Bundeswehr waren unter anderem Georg Hackl und Sven Hannawald verpflichtet, beim Zoll Maria Riesch. Deutschland hat rund 1000 Staats-Athleten – übrigens auch eine Tradition des DDR-Sports.

Kritiker des Systems, allen voran der Wirtschaftsprofessor und frühere Ruder-Olympiasieger Wolfgang Maennig, raten allerdings zu Korrekturen. Er fordert unter anderem eine systematische Bildungspflicht für die staatlichen Sportler auch neben dem Training. Die Freien Wähler im Landtag hingegen regen in einem Antrag an, die „Sportstiftung Bayern“ mit einer staatlichen Einlage über etwa 500 000 Euro stärker einzubinden. Damit will die Fraktion vor allem Nachwuchssportler stärken.

Herrmann will sich in den kommenden Wochen bei Bundeswehr und Bundespolizei über die bisherigen Konzepte informieren.

Christian Deutschländer

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