Ein Mädchen steht an der Tafel und schreibt das Wort Zeugnisse darauf
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Nicht für jeden Schüler ein Feiertag: In Bayern steht die Vergabe der Zwischenzeugnisse auf dem Programm.

Weniger Noten, mehr Videokonferenz

Tag der Zwischenzeugnisse ist gekommen - aber in der Corona-Pandemie ist auch hier vieles anders

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Es war früher einer der großen Schultermine, inzwischen ist das immer weniger der Fall: An diesem Freitag gibt es Zwischenzeugnisse - sofern die Schulen nicht auf andere Konzepte ausgewichen sind.

München - Man kennt das Bild: Kinder, die aufgeregt mit einem Blatt Papier wedelnd aus dem Schulhaus rennen. Früher mag das auch beim traditionellen Tag des Zwischenzeugnisses der Fall gewesen sein. Heute indes nicht. Denn erstens gibt es wegen der Corona-Pandemie* nur vereinzelt Schüler in der Schule - die meisten verharren im Distanz-Unterricht und erhalten ihr Zeugnis per Post. Und zweitens stellen immer mehr Schulen auf alternative Formen der Leistungsstand-Erhebung um.

An den Grundschulen wurde das Zwischenzeugnis schon längst von den Lernentwicklungsgesprächen abgelöst. Eine Erhebung des Kultusministeriums ergab, dass 91 Prozent der Grundschulen im vergangenen Schuljahr umgesattelt hatten. Also kein Zeugnis für die Erst- bis Drittklässler. Stattdessen Gespräche, die zumeist in den vergangenen Wochen stattgefunden haben.

Schulen in Bayern: Halbjahres-Gespräche zwischen Schülern und Lehrern finden per Videokonferenz statt

Diese Gespräche muss die Lehrerin mit jedem Schüler und einem Elternteil führen - mit einer Einschätzung der Leistungen und Zielvereinbarungen, aber ohne Noten und in Zeiten der Pandemie* per Videokonferenz. Ein aufwendiger Prozess. Das werde aber „von vielen sehr geschätzt“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Eine Ausnahme sind die vierten Klassen - sie bekommen aber auch kein Zwischen-, sondern ein Übertrittszeugnis im Mai.

An den weiterführenden Schulen gibt es Lernentwicklungsgespräche nur an den 5. bis 7. Klassen der Mittelschule. An den Realschulen und Gymnasien können die Zwischenzeugnisse durch zwei sogenannte Zwischenberichte über den Leistungsstand ersetzt werden. Auch an der Realschule Prien am Chiemsee ist das so, sagt Schulleiterin Kerstin Haferkorn. Zwischenberichte sind nüchterne Formulare, auf denen alle Noten aufgelistet sind mit einer Durchschnittsnote bis zur zweiten Zahl hinter dem Komma - sodass manche Schüler über ein 1,50 rätseln: Ist das jetzt ein Einser oder ein Zweier?

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Schulen in Bayern: Notenerhebung gestaltet sich in Corona-Krise besonders schwierig

Zwischenzeugnisse gibt es in Prien und vielen anderen Schulen nur für Abschlussjahrgänge, da sie für Bewerbungen um Ausbildungsplätze wichtig sind. Die Notenerhebung, sagt Haferkorn, sei in diesem Pandemie-Jahrgang ohnehin schwierig. „Die Noten sind da, aber andere“ - statt Schul- und Stegreifaufgaben haben Lehrer vermehrt per Video mündlich abgefragt oder Referate und Präsentationen bewertet. Das Kultusministerium hat auch ein Schlupfloch offen gelassen für Fälle, in denen der Lehrer kaum Noten bilden konnte. „Pandemie-bedingt noch nicht genügend Leistungsnachweise für eine aussagekräftige Zeugnisnote“, heißt es dann im Zwischenzeugnis.

Sind die Zwischenzeugnisse altmodisch? Ein Auslaufmodell? Schulleiterin Kerstin Haferkorn will in den Abgesang nicht ganz einstimmen. Das Schuljahr sei nun mal in zwei Halbjahre untergliedert, sagt sie. „Zwischenzeugnisse sind schon etwas Besonderes, finde ich.“ Sie seien für manche auch der notwendige „Schuss vor den Bug“. Wer erst beim zweiten „Zwischenbericht über den Leistungsstand“ Ende April erkenne, dass das Sitzenbleiben drohe, für den könne es schon zu spät sein. (dw) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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