FW-Chef will sich nicht impfen lassen

Keine Impfung: Aiwanger schickt Söder nach öffentlicher Vorführung eine Warnung

  • Leyla Yildiz
    VonLeyla Yildiz
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Markus Söder drängte seinen Vize Hubert Aiwanger zu einer öffentlichen Aussage, warum dieser sich noch nicht impfen lassen möchte. Jetzt bezieht er nochmal Stellung.

München - „Vielleicht sagst du selber etwas dazu“. Mit diesem Satz drängte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU*) seinen Stellvertreter Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nach einer Kabinett-Sitzung zu einer öffentlichen Aussage, warum er sich noch nicht impfen lassen möchte*. Dem zuvor gegangen war die Frage eines Journalisten. Aiwanger blieb dabei augenscheinlich gelassen und sagte, dass es sich beim Impfen um eine persönliche Entscheidung handelt. Er wolle keinen öffentlichen Druck aufbauen.

Im Nachgang zu dieser Stellungnahme fragte die SZ bei Aiwanger nach. Er sei bemüht, das Thema nicht auf persönlicher, sondern auf politischer Ebene zu diskutieren. „Es muss die Entscheidungsfreiheit jedes einzelnen bleiben“, sagte er demnach. Zeitgleich spricht er eine deutliche Warnung aus. Man solle die Gesellschaft nicht noch tiefer spalten, indem man die Menschen unter Druck setzt, die mit dem Impfen warten oder sich unter Umständen überhaupt nicht impfen lassen wollen. „Man darf die Leute nicht zu sehr drängen, denn dann treibt man sie nur in die Arme der Impfgegner“, sagte der Wirtschaftsminister.

Nach Impf-Stichelei von Söder: Aiwanger sieht sich nicht als Impfgegner

Letzterer, also ein Impfgegner, ist er seiner Meinung nach nicht. In Kindheitstagen habe er „das ganze Programm gekriegt“ und als er in der Bundeswehr war, wollte er sich die Impfung gegen Zecken geben lassen. Der Arzt, den Aiwanger damals konsultierte, habe ihm jedoch mit Hinweis auf die möglichen Nebenwirkungen davon abgeraten. „Impfen ist nicht wie ein Helm beim Motorradfahren oder wie ein Sicherheitsgurt im Auto. Impfen ist ein direkter Eingriff in den Körper“, sagte Aiwanger laut der SZ. Die Menschen würden das ganz unterschiedlich empfinden. „Was für den einen ein kleiner Piks ist, ist für den anderen ein richtiger Eingriff in den Körper.“

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger musste sich nach einer Aufforderung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder öffentlich rechtfertigen, warum er sich noch nicht impfen lässt. (Archivbild)

Hubert Aiwanger sieht das Thema Impfen als „eine Frage der politischen Kultur“. Vorsicht ist geboten: „Wenn wir nicht sorgfältig auf sie achten, landen wir am Ende in der Debatte, dass nur geimpfte Kinder und Jugendliche zum Präsenzunterricht in die Schule dürfen und nicht geimpfte mit Distanzunterricht von daheim aus vorliebnehmen müssen.“ Die Corona-Pandemie* habe die Bürger sowieso schon genug Druck und Zwang ausgesetzt.

Freie Wähler Fraktionschef: Da habe „auch kein Ministerpräsident reinzureden“

Seine Partei, die Freien Wähler, hat sich in der Debatte ebenfalls geäußert. Fraktionschef Florian Streibl, der übrigens selbst geimpft ist, sagte etwa: „Es gibt bei uns keine Impfpflicht.“ Das bezieht sich nicht nur auf Politiker, sondern auch auf jeden anderen Menschen. Seiner Meinung nach habe da „auch kein Ministerpräsident reinzureden“. Dennoch rät er jedem, sich selbst impfen zu lassen.

Diesem Appell kann sich der Freie Wähler-Abgeordnete und Patienten- und Pflegebeauftragte der Staatsregierung, Peter Bauer, nur anschließen. Auch in Bezug auf Aiwanger. „Ich bleibe dabei, ich rufe jeden auf, sich impfen zu lassen“, sagte er zur SZ. „Das gilt für jeden Bürger und jede Bürgerin.“ Die Menschen dürften „die Überlegungen zur eigenen Gesundheit nicht abgekoppelt sehen vom Einfluss auf die Mitmenschen“.

Jedoch kann er sich einen Hinweis auf die Drängelei von Markus Söder* gegen Aiwanger nicht verkneifen. „Mein Eindruck ist, dass Söder den Hubert Aiwanger da vorgeführt hat und ihn auch vorführen wollte.“ Stattdessen hätte der Ministerpräsident die Thematik ohne großen Auftritt im Kabinett erörtern können. (ly) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Zu der Entscheidung Aiwangers hat Dirk Walter einen Kommentar* geschrieben.

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Rubriklistenbild: © imago images / Sammy Minkoff

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