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Super-Sommer der Extreme – Die Gewinner und Verlierer in Bayern

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Abkühlung bitte! An den heißen Tagen war nicht nur der Riegsee ein beliebtes Ausflugsziel für Badegäste
Abkühlung bitte! An den heißen Tagen war nicht nur der Riegsee ein beliebtes Ausflugsziel für Badegäste. © Andreas Mayr

Der Sommer 2022 in Bayern ist trocken und heißt. Sogar die Kürbisse bekommen einen Sonnenbrand: Wir stellen die Gewinner und Verlierer der letzten Wochen vor.

München – Sonntagnachmittags bildet sich vor der Eisdiele Allora Signora in Seeshaupt im Kreis Weilheim-Schongau schon mal eine lange Schlange. Felicitas Weber verteilt mit ihrem Bruder Ferdinand die Kugeln im Akkord auf Becher und Waffeln. „Wir hatten eine tolle Saison“, sagt sie. „Wenn es sehr heiß ist, lieben unsere Kunden Sorbet-Sorten wie Zitrone und Himbeere.“

Der Renner war aber ausgefallener: „Unser grünes Kürbiskern-Eis schmeckt wie gebrannte Kürbiskerne von der Wiesn.“ Eis geht immer, da sind sich die Webers sicher. Dennoch erwarten sie bis Ferienende viel Arbeit. „Wenn die Schule beginnt, merken die Leute, dass der Herbst kommt – und genießen das Eis in der Sonne nochmal so richtig.“

Sommer in Bayern erfreut Eisdielen und Gastronomie – Besucherzahlen wie vor Corona

Nicht nur die Eisdielen sind die Gewinner des Super-Sommers 2022. Auch im Biergarten des Klosterstüberls Reutberg brummt der Betrieb. Bernhard Haindl und Georg Lichtenegger freut’s. „Es ist ein bisserl anstrengender als in den Sommern vor Corona, weil Personal fehlt“, sagt Haindl. Trotzdem sind sie froh, dass es in diesem Jahr so viele Biergarten-Tage gibt und die Einnahmen nach der Pandemie wieder steigen.

Auch Thomas Baumgartner, Marketingleiter der Tourismus Tegernseer Tal GmbH, zieht eine sehr positive Sommerbilanz. „Der Sommer war toll, die Seeufer voller Badegäste.“ Jetzt geht der Betrieb in die Wandersaison über. „Unsere Besucherzahlen befinden sich wieder auf Vor-Corona-Niveau“, sagt er. „Die Vereine sind sehr zufrieden mit der Waldfest-Saison.“ Hotels sind gut gebucht und die Gastronomie gut besucht. „Der Fachkräftemangel und Wohnraumknappheit machen unseren Betrieben aber trotzdem sehr zu schaffen.“

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Sommer 2022 in Bayern: Die Igel leiden, Holzbienen genießen

Auch in der Tierwelt gibt es die, die den Sommer genossen haben – und die, die unter ihm leiden. Zu den Gewinnern zählen der Bienenfresser oder der Wiedehopf. Sie sind vor allem im Mittelmeerraum verbreitet und wandern allmählich bei uns ein. Und auch für die Östliche Holzbiene hätte der Sommer nicht schöner sein können. Sie mag’s heiß – genau wie die Gottesanbeterin.

Unter dem Hitzesommer gelitten haben dagegen die Igel. Der Landesbund für Vogelschutz berichtet, dass immer häufiger Igel gemeldet werden, die tagsüber in den Gärten nach Nahrung suchen, weil sie nachts nicht genug finden. Ihre Lieblingsspeisen, Regenwürmer und Laufkäferlarven, haben sich in tiefere Bodenschichten verzogen. Am meisten gelitten haben laut Expertin Stefanie Bernhardt die Amphibien. Viele Kleingewässer, die für Tiere wie die Gelbbauchunke und die Kreuzkröte wichtig sind, trocknen bei Trockenheit schneller aus, als sich Kaulquappen entwickeln können. Außerdem verschwinden Beutetiere von größeren Arten wie dem Schwarzstorch, der für seinen Nachwuchs nicht genug Nahrung fand.

Bayern: Frühreifes Obst und ausgetrocknete Bäume – Kürbisse mit Sonnenbrand

Dieses Jahr geht alles schneller. „Seit Frühjahr ist es warm, weshalb Obst und Gemüse heuer teils viel früher reif sind als sonst“, sagt Lisa Puschak vom Bayerischen Bauernverband. Ein Beispiel sind Kürbisse. Sie liegen heuer schon bis zu drei Wochen früher in Hof- und Supermärkten und an Straßenständen. „Der Kürbis mag die Wärme zwar beim Wachsen, kann jetzt aber Sonnenbrand kriegen, wenn er nicht schnell genug geerntet wird.“ Gerade läuft auch die Apfelernte an: „Die Sonne sorgt dafür, dass die Äpfel besonders süß werden“, sagt Puschak. „Weil es im Frühjahr ausreichend nass war, stehen gute Ernteerträge an.“ Am meisten hat die Hitze Hopfen, Getreide und Mais zugesetzt, die Ernte wird vielerorts geringer ausfallen.

Auch viele Laubbäume erklären den Sommer früher als üblich für beendet. Buche und Eiche zum Beispiel, sagt Sebastian Höllerl von den Bayerischen Staatsforsten. Sie werfen früher als sonst die Blätter ab. Bei vielen trocknen auch einfach die Kronen aus. „Diese Bäume sind dann nicht mehr zu retten“, sagt er. Auch die Nadelbäume haben unter der Trockenheit schwer gelitten und sind nun leichte Beute für die Borkenkäfer. „Gerade bei den jungen Bäumen, die wir im Frühjahr angepflanzt haben, gibt es massive Ausfälle.“

Eine gute Nachricht für alle Schwammerl-Sammler hat Experte Bernhard Scholz: Die Saison ist noch nicht verloren. „Wir finden aktuell zwar kaum feuchtigkeitsliebende Arten wie Steinpilze, Pfifferlinge oder Maronenröhrlinge.“ Durchaus gibt es aber Champingnons, Riesenboviste oder die schmackhafte Krause Glucke. Auch den leuchtend gelben Schwefelsporling können Kenner an Laubbäumen ernten. Und: „Wenn es mal zwei, drei Tage ergiebig regnet, dann schießen die Pilze regelrecht aus dem Boden.“

Derweil explodiert das Blaualgen-Wachstum in Bayerns Seen aufgrund der Hitze. Für Tiere kann das lebensgefährlich sein. (sco/mbi/kwo/sus/pp)

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