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Bayerns Spritpreise seit Ukraine-Krieg stark gestiegen: Lohnt die Fahrt zum Tanken ins Ausland?

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Die Sprit-Preise sind in Bayern durch die Ukraine-Krise stark gestiegen. Das führt vor allem an den Grenzgebieten zu ausgedehntem Tank-Tourismus. Aber lohnt sich der?

München – Der Ukraine-Krieg macht sich auch im Alltag in Bayern an vielen Stellen bemerkbar. Seit Ende Februar steigen trotz der von der internationalen Energieagentur (IEA) freigegebenen Rohöl-Reserven die Sprit-Preise in ganz Deutschland. In Bayern mit seinen vielen grenznahen Gebieten veranlasst das viele Menschen zu Tankfahrten in die Nachbarstaaten.

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Ukraine-Konflikt lässt Sprit-Preise steigen: Geht es bald in die andere Richtung?

Der Sprit-Preis hierzulande setzt die Erfahrungsregeln zur Sprit-Preis-Entwicklung außer Kraft setzt, so der Kraftstoff-Markt-Experte Jürgen Albrecht vom ADAC der Zeit gegenüber: „Die jahrzehntelang geltende Erfahrung, dass sich der Benzinpreis am Rohölpreis orientiert, gilt derzeit nicht.“

Beim aktuellen Ölpreis sei an sich ein E10-Preis klar unter zwei Euro zu erwarten, meint Albrecht. Es gäbe aber kriegsbedingte Sonderfaktoren, die den Preis zusätzlich in die Höhe treiben. Ob diese das aktuelle Preisniveau rechtfertigen oder ob hier Mitnahmeeffekte zum Tragen kommen, sei unklar.

Bayrische Rekordpreise liegen im Bundesdurchschnitt

Die Sprit-Preise liegen momentan auf einem historischen Höchststand. In den ersten beiden Wochen des Ukraine-Krieges hat der erwartete steile Preisanstieg stattgefunden – teilweise um mehr als zehn Cent pro Tag. Der bayrische Diesel-Preis liegt aktuell (Stand: 14. März) bei 2,198 Euro (Bundes-Durchschnitt: 2,197), der bayrische Super-Preis bei 2,167 Euro (Bundes-Durchschnitt: 2,166) und der E10-Preis in Bayern bei 2,117 Euro (Bundes-Durchschnitt: 2,117).

Ukraine-Krise befeuert den Tank-Tourismus

In Gebieten nahe der österreichischen und tschechischen Grenze spielt das in Bayern auch außerhalb von Krisen-Zeiten bekannte Phänomen des Tank-Tourismus aktuell eine besondere Rolle. Immer mehr Menschen machen fürs Tanken einen Umweg in die östlichen Nachbarstaaten, um dort günstiger zu tanken. Ob sich der Umweg finanziell tatsächlich lohnt oder nur das Gefühl gibt, gespart zu haben, sollte man vorher jedenfalls durchrechnen.

Wer ohnehin in Österreich oder Tschechien ist, für den lohnt der Abstecher zur Tankstelle. Ob das auch für einen eigenen Tankausflug gelte, hänge dagegen vor allem davon ab, wie weit man fahren müsse, heißt es vom ADAC Südbayern. Genaue Grenzwerte lassen sich dafür schlecht angeben. Das liegt einerseits daran, dass die Preise stark schwanken. Andererseits daran, dass die Kosten der Fahrt vom eigenen Auto abhängen.

Tank-Tourismus lohnt sich nur, wenn man genau rechnet

Wer beispielsweise Ende vergangener Woche in Traunstein tanken wollte, musste dort für Diesel bei vielen Tankstellen laut ADAC-Daten 2,379 Euro pro Liter ausgeben. Der österreichische Verkehrsclub ÖAMTC wies in Salzburg an vielen Tankstellen 1,999 Euro pro Liter aus. Tankt man 50 Liter, macht das einen Preisunterschied von 19 Euro. Doch hin und zurück sind es – je nach Route – rund 80 Kilometer. Schon wenn man nur den Spritpreis bedenkt und ein Auto mit einem Verbrauch von sechs Litern auf 100 Kilometer heranzieht, kostet die Fahrt knapp 9,60 Euro – also die Hälfte der Ersparnis.

Bedenkt man allerdings die echten Kosten des Autofahrens, ist man schnell bei einem Verlustgeschäft: Denn inklusive Verschleiß, Wertverlust und anderen Posten ist man nach Berechnungen des ADAC schnell jenseits der 40 Cent pro Kilometer. Dann endet der eineinhalbstündige Tankausflug von Traunstein nach Salzburg mit einem Minus von 13 Euro. Bei teureren und neueren Autos kann es auch leicht mehr sein.

Wer näher an der Grenze lebt, für den zahlt sich die Fahrt dagegen leichter aus: Aus Freilassing sind es beispielsweise nur zehn Kilometer für die Fahrt zur günstigen Tankstelle in Salzburg und zurück. Im bayerischen Grenzort war der Diesel am vergangenen Donnerstag mit Preisen ab 2,209 pro Liter zwar auch günstiger, doch die Fahrt lohnt sich dennoch: Auch bei 40 Cent pro Kilometer bleiben unterm Strich 6,50 Euro Ersparnis auf einen 50 Liter-Tank. Ob einem das die rund 20 Minuten Zeitaufwand wert ist, muss jeder Autofahrer selbst beantworten.

Sprit-Preis in Zukunft wieder kalkulierbar?

Kann man mit einer Rück-Koppelung des Sprit-Preises an den Roh-Öl-Preis in der Zukunft rechnen? „Früher oder später sollte sich die aktuelle Entkopplung der Kraftstoffpreise vom Ölpreis wieder auflösen. Wann dies der Fall sein wird, lässt sich im Moment allerdings noch nicht sagen, denn es hängt auch von der Entwicklung in der Ukraine ab“, erklärt ADAC-Experte Albrecht.

Auch im Bund wird bereits darüber nachgedacht, die Sprit-Preise auch vor einem Kriegsende in der Ukraine durch eine Steuersenkung wieder zu normalisieren.

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