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Durchsucht: Die Geschäftsstelle des Bayerischen Jagdverbands in Feldkirchen im Kreis München.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Es brodelt im Jagdverband: Stürzt Präsident über Untreuevorwürfe?

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Ist die Ära Vocke bald vorbei? Nach Untreuevorwürfen und einer Durchsuchung in der Verbandszentrale wächst der Druck auf den langjährigen Jäger-Chef. Einige Kreisverbände wollen Vocke jetzt stürzen.

München – „Das droht, wenn die Seuche das Revier erreicht.“ Damit titelt die jüngste Ausgabe der „Jagd in Bayern“, dem Verbandsmagazin der bayerischen Jägerschaft. Es geht um die Afrikanische Schweinepest, die bislang noch nicht ihren Weg über die deutschen Grenzen geschafft hat. Doch die Probleme, die den Jagdverband derzeit am meisten beschäftigen, sind nicht eingeschleppt, sondern hausgemacht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den langjährigen Jagdpräsidenten Jürgen Vocke (76) wegen Untreue und Unterschlagung von Verbandsgeldern. Angezeigt hatte ihn ein Mitglied aus dem eigenen Jagdverbands-Präsidium, der Vorsitzende des Memminger Jagdvereins Andreas Ruepp. Am Montag hat nun die Staatsanwaltschaft die Verbandszentrale in Feldkirchen (Kreis München) durchsucht, wie Jagdverbands-Sprecher und Vizepräsident Thomas Schreder bestätigt. Die Beamten hätten in Anwesenheit Vockes Kisten mit Unterlagen sichergestellt, darunter auch digitale Akten. Die Passwörter für den Server wurden übergeben. Schreder betont, der Durchsuchungsbeschluss habe sich nicht gegen den Verband, sondern gegen Vocke und einen früheren Schatzmeister gerichtet. Vocke lässt sich in einer Mitteilung des Verbands mit den Worten zitieren: „Ich wehre mich gegen die massiven Verleumdungen, wie zum Beispiel, dass meine Aufwandsentschädigung steuerfrei sei. Ich versteuere jeden Cent.“

Jürgen Vocke, Präsident des Jagdverbandes

Die Staatsanwaltschaft will ihre Ermittlungen „zügig“ abschließen. Doch viele aus der Basis der Jägerschaft wollen die Ergebnisse nicht abwarten. Für sie ist klar: Vocke muss jetzt gehen. Einer seiner Kritiker ist der Chef des Freisinger Jägervereins, Walter Bott. Die jüngsten Ermittlungen sind für ihn nur das Zünglein an der Waage. „Vocke war schon vorher untragbar“, sagt Bott. „Er führt den Verband nach Gutsherrenart.“ Mit den aktuellen Vorwürfen eskaliere die Situation. „Jeder Tag, den Vocke noch länger im Amt ist, schadet dem Verband.“ Der Freisinger Jägerverein hat sich deshalb für Vockes Abwahl ausgesprochen. Der Misstrauensantrag kann bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. Oktober in Schrobenhausen gestellt werden.

Ein solcher Antrag kommt nicht nur aus Freising. Nachdem sich schon die Nachwuchsvereinigung des Verbands, die Jungen Jäger, für einen Rücktritt Vockes ausgesprochen hatten, fordern immer mehr Kreisgruppen diesen Schritt. Auch die Starnberger Jäger unter Führung des langjährigen Vocke-Kritikers Hartwig Görtler werden einen Misstrauensantrag stellen. „Wir rechnen Vocke hoch an, was er in seinen ersten 20 Jahren an der Verbandsspitze geleistet hat“, betont Görtler. „Aber in den vergangenen Jahren hat er dem Verband mehr geschadet.“ Eine Modernisierung sei überfällig. „Wir wollen einen Verband, der unsere Interessen vertritt, der sich für gute Beziehungen zu den Landwirten und den Förstern einsetzt.“ Dafür brauche es einen Neuanfang.

Walter Bott vom Freisinger Jägerverein

Während es auch aus Niederbayern Signale für eine Positionierung gegen Vocke gibt, treffen sich die oberbayerischen Jäger heute in Feldkirchen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Aber ob Vockes Kritiker am 26. Oktober eine Mehrheit bei der Delegiertenversammlung der 159 bayerischen Kreisgruppen zusammenbekommen, ist unklar. Hans Sommer, Vorsitzender der Rosenheimer Jäger, glaubt: „Die Gegenseite ist mindestens genauso groß.“ Er spricht sich klar gegen einen Misstrauensantrag aus. „Hier findet eine reine Vorverurteilung statt. Wir sollten erst mal in Ruhe die Arbeit der Staatsanwaltschaft abwarten.“ Wer jetzt Stimmung gegen Vocke mache, versuche sich nur auf Kosten des Verbands zu profilieren.

Vocke, der den Verband seit 25 Jahren führt, hat angekündigt, beim nächsten Jägertag im März 2020 in Lindau nicht mehr kandidieren zu wollen. Diese Entscheidung sollte man respektieren, so Sommer. Doch darauf will sich Hartwig Görtler nicht verlassen. „Vocke ist Politiker“, sagt er. Am Ende trete er dann möglicherweise doch nicht zurück. „Wer all die Geschehnisse wirklich aufarbeiten will, der muss jetzt ohne Rücksicht auf Rang und Namen für einen Neuanfang stimmen.“

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