Lisa Hilbich, Redenschreiberin aus Miesbach.

Nachgefragt

Bayern sucht den Super-Wahlkämpfer: Expertin erklärt, was gute und schlechte Reden ausmacht

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Wer wird Bayerns bester Wahlkampfredner? Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) will es bis Anfang Oktober in einer Rhetorikanalyse herausfinden.

Was die Spitzenkandidaten der Parteien auf Bierzelt- und Hallenpodien von sich geben, beobachtet die VRdS-Sprecherin Lisa Hilbich genau. Die gelernte Journalistin aus Miesbach hilft Geschäftsführern aus der Wirtschaft, Verwaltungsbeamten und Politikern bei ihren Manuskripten. Die 56-Jährige weiß, wie eine Rede funktioniert – und wie sie schiefgeht.

-Frau Hilbich, für Reden gibt es unterschiedliche Anlässe. Was macht eine gute Wahlkampfrede aus?

Für mich ist jede Rede ein Genuss – wenn sie gut ist. Ansonsten ist sie akustische Luftverschmutzung. Die Zuschauer müssen die Kernbotschaft verstehen und bestenfalls begeistert werden. In der Kürze liegt die Würze. Man sollte nicht schwafeln – und im Wahlkampf gewisse Regeln einhalten.

-Welche?

Wir alle freuen uns, wenn Spitzen abgefeuert und Pointen gesetzt werden, wenn übertrieben und provoziert wird. Aber die Würde anderer darf nicht angetastet werden. Man kann Botschaften anbringen, ohne politische Gegner zu erniedrigen und lächerlich zu machen.

-Der Verband der Redenschreiber sorgt sich um die Debattenkultur im Land.

Es kommt immer öfter zu verbalen Grenzübertritten, der Populismus greift um sich. Aufrufe zur Hetze haben in der Debatte nichts verloren. Unterschiedliche Meinungen sind wichtig. Aber das Gegeneinander muss von Respekt geprägt sein, damit man sich danach noch in die Augen schauen kann. Unser Motto lautet: zuhören, argumentieren und nicht vorverurteilen.

-Wann wird eine Rede langweilig?

Wenn sie zu lang ist – meine Faustregel sind sieben bis zehn Minuten. Auch bei Schachtelsätzen und vielen Fremdwörtern schalten die Zuhörer automatisch ab. Man sollte gut vorbereitet sein und nicht nuscheln.

-Was stört Sie noch?

Ich mag es nicht, wenn die Hände in der Hosentasche sind, manche finden’s besonders lässig, auf mich wirkt es unhöflich. Außerdem kann man mit den Händen die Worte unterstreichen und sich notfalls am Manuskript oder Stift festhalten.

-Ein gutes Manuskript allein reicht nicht, oder?

Natürlich nicht. Ich überlege mit meinen Kunden zum Beispiel, wie sie einen Raum einnehmen können, wenn sie durch einen Saal laufen müssen. Schon vor der Türe kann man sich vorstellen, was auf einen zukommt, und Haltung einnehmen: gerader Rücken, Brust raus, Beine fest auf den Boden, tief durchatmen, ein gewinnendes Lächeln aufsetzen und dann zügig hineinschreiten. Damit die Leute schon mal wissen: Da kommt jemand mit viel Dynamik, der weiß, was er oder sie will.

-Nach welchen Kriterien bewerten Sie die Politiker in der Rhetorikanalyse?

Unter anderem nach Aufbau, Argumentation und Vortrag. Dazu gehört aber auch, wie sie Spannung aufbauen oder mit Reaktionen aus dem Publikum umgehen.

-Wer kann’s besonders gut?

Zu den Landtags-Spitzenkandidaten will ich mich im Vorfeld nicht äußern. Für mich ist Gregor Gysi (Die Linke) ein begnadeter Redner. Er provoziert, ist knapp an der Grenze, findet aber immer wieder zurück. Ich habe ihn nie verletzend erlebt.

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