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Hier tummelt sich die Kundschaft: Die Ticket-Betrüger sprechen Mitfahrer meist an Fahrkartenautomaten an.

Professionelle Pendler

Bayern-Ticket-Betrüger zocken die Bahn ab

München - Mit dem Bayern-Ticket lässt sich Geld verdienen. An guten Tagen über 100 Euro, steuerfrei. Der Trick ist einfach und kostet die Bahn eine Menge Geld:

Kayar (18) wollte einfach nur wissen, ob das mit der „Mitfahr-Mafia“ wirklich funktioniert. Also kaufte er sich morgens ein Bayern-Ticket, suchte Mitfahrer, stieg mit ihnen in die Regionalbahn nach Regensburg, kassierte. Bei der Rückfahrt suchte und kassierte er wieder. Drei Mal pendelte Kayar an diesem Tag zwischen München und der Domstadt. Abends hatte er etwa 20 Euro verdient. Für einen Profi-Pendler wäre das eine miese Ausbeute gewesen.

Kayar ist kein Profi. Was für den BWL-Studenten nur ein riskantes Experiment war, ist für viele andere tägliches Geschäft. Die professionellen Pendler sprechen Passagiere an Fahrkartenautomaten an und bilden fingierte Reisegruppen. Wie viele von ihnen es gibt, lässt sich nicht sagen. Aber das Geschäft scheint sich zu lohnen.

Die Rechnung ist einfach. Ein Bayern-Ticket kostet 22 Euro, plus vier Euro pro Mitfahrer. Macht 38 Euro bei fünf Personen. Pro Mitfahrer – etwa nach Regensburg – verlangt ein Profi-Pendler 7,60 Euro. Theoretisch bringt also schon die zweite Fahrt Profit. Das Szenario eines idealen Tags: Sechs Fahrten mit jeweils vier Personen – macht einen Gewinn von rund 150 Euro, schwarz.

Legal ist das nicht. Die Bahn spricht ganz deutlich von Betrug. Beim Blick auf deren reguläre Tarife geraten trotzdem viele Fahrgäste in Versuchung. Gerade Studenten. Beliebt seien die Strecken von München nach Passau, Nürnberg und Regensburg, sagt Kayar. Eine Mitfahrt kommt ihn 15 Euro billiger als ein Einzelticket.

Kayar kennt viele der „Bayern-Ticket-Betrüger“, wie ein Sprecher der Bahn sie nennt. „Es sind immer wieder die gleichen Gesichter, die man sieht“, sagt der junge Mann, während er an Gleis 25 des Münchner Hauptbahnhofs auf seinen Zug wartet. Dann zeigt er auf eine untersetzte Gestalt mit kurzer Hose, Socken in Sandalen und Plastiktüte in der Hand. „Der Dicke da zum Beispiel.“

„Der Dicke“ drückt sich seit einer Weile in der Bahnhofshalle herum. Einige Male hat er sich schon Abfuhren geholt. Etwa von zwei jungen Frauen, die nach Landshut wollen. Er habe vorgeschlagen, sie mitzunehmen, erzählt eine von ihnen, wollte sogar einen Termin für die Rückfahrt abmachen. Die Frauen lehnten ab. Beide haben schlechte Erfahrungen gemacht. Einer der Pendler habe sie mal auf halber Strecke im Zug zurückgelassen, erzählen sie. Ohne Ticket. Eine Masche der Ticket-Betrüger, um Zeit zu sparen und an einem anderen Bahnhof möglichst schnell neue Kunden finden zu können.

Die beiden Studentinnen kamen davon, der Schaffner ließ sie nachlösen. Die absolute Ausnahme. Selbst wenn ein Pendler im Zug auffliegt, sind die Begleiter dran – als Schwarzfahrer.

Wie groß der finanzielle Schaden ist, der der Bahn entsteht, ist unklar. Zahlen gibt es nicht. Problematisch sei es in erster Linie, die Pendler zu überführen, „zumal die Betrüger oftmals auf vielen unterschiedlichen Strecken unterwegs sind“. Ein Zugbegleiter könne einen Missbrauch nur dann nachweisen, wenn er eine Person dabei erwische, wie er mehrmals mit unterschiedlichen Gruppen reise.

Dazu wiederum sind viele Pendler zu clever. Sie organisieren sich in Banden, wechseln sich auf den Strecken ab. Eine Überführung bleibt die Ausnahme.

Allerdings verweißt die Bahn darauf, dass das Geschäft der Pendler seit der Umstellung des Bayern-Tickets schwieriger geworden sei. Schließlich müsse inzwischen für jeden Fahrgast einzeln gezahlt werden. Fehle einer im Zug, sei das auffällig.

Kayar verzichtet zukünftig aufs illegale Mitfahren – wegen eines bösen Erlebnisses. Der letzte Pendler, dem er sich angeschlossen hatte, saß einmal zu oft im Zug, der Schaffner wurde misstrauisch. Jeder Mitfahrer musste 40 Euro zahlen. Ein kleines Geschäft für die Bahn.

Marcus Mäckler

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