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Bergretter bei der Arbeit (Symbolbild).

Völlig orientierungslos bei Lawinengefahr

Anwalt droht Bergwacht nach Rettung aus Schneesturm mit Klage - der Grund macht nur noch stutzig 

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Das haben die Bergretter in Tirol wohl auch noch nicht erlebt. Nach der Rettung zweier deutscher Schneeschuhwanderer flatterte ihnen ein Anwaltsschreiben aus Augsburg ins Haus. Jetzt folgt die Wendung.

Update vom 10. Mai: Die Klage zweier Deutscher gegen die Rechnung der Bergwacht Tannheim in Tirol, sorgte für viel Wirbel. Nun hat sich in dem kuriosen Fall die Sachlage verändert.

Wie krone.at berichtet, hat der Anwalt, der einer der Geretteten war, die ausstehende Rechnung in Höhe von 2261 Euro mittlerweile beglichen. Auch die Bergrettung Tirol habe das bestätigt. Der Grund, aus dem er zunächst nicht zahlen wollte und nun doch, klingt aber eher nach einer Ausrede.

Gerettete Urlauber drohten Bergwacht mit Klage - und machen Rückzieher

Für ihn sei die Zusammensetzung der Kosten zunächst nicht ersichtlich gewesen. In der Rechnung waren diese wohl zunächst pauschal ausgewiesen worden. Nach der Erläuterung der Kosten, für die er sich bedanke, sei die Sache mit der Bezahlung der Rechnung für ihn erledigt, so der Anwalt. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Bergretter sei ihm und seinem Kollegen durchaus bewusst.

Das freue auch Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol. Der Fall hatte weit über die Grenzen Österreichs hinaus für Aufsehen gesorgt, speziell in Deutschland. Landsleute der beiden vormals Klagewilligen hatten sogar Geld für die Bergrettung gespendet, weil sie sich für das Verhalten der beiden Geretteten geschämt hätten.

Im bayerischem Aschaffenburg wird derweil eine Schule angefeindet, weil sie ein Fest wegen des muslimischen Fastenmonats Ramadan verschoben hat.

Erstmeldung: Gerettete Urlauber drohen Bergwacht mit Klage - aus unfassbarem Grund

Augsburg/Tirol - „Dafür habe ich genau null Verständnis“, sagt Hermann Spiegl, Landesleiter Bergrettung in Tirol. Damit meint er den Inhalt eines Schreibens, das den Bergettern kürzlich ins Haus flatterte. Aber der Reihe nach.

Am frühen Abend des 3. Februar gegen 18.30 Uhr alarmierte die Leitstelle Tirol die Bergrettung Tannheim wegen eines Notfalls. Zwei Schneeschuhwanderer aus Deutschland waren mittags vom Schattwald zu einer Tour auf den Grasberg Schönkahler aufgebrochen und hatten sich im dichten Schneetreiben verirrt.

Notruf erreicht Tiroler Bergretter - die brechen in drei Trupps auf

„Wir erfuhren von den beiden telefonisch, dass sie völlig erschöpft seien, stark durchnässt und stark frieren, sie wussten nicht mehr vor noch zurück“, sagte Reinhold Bilgeri, Ortsstellenleiter der Bergettung Tannheim in Tirol, gegenüber krone.at.

Schnee auf Bergen in Tirol.

Wegen der tief winterlichen Witterung herrschte bei Lawinenwarnstufe 3 erhebliche Gefahr in dem Gebiet, wo sich die Deutschen verirrt hatten. Die Einsatzleitung entschied sich, das weitläufige und von zahlreichen Gräben durchzogene Gebiet mit drei Trupps zu je fünf Mann zu durchsuchen, um die Wanderer aufzuspüren. Der Einsatz wurde am „Zuspitzblick“ begonnen.

Die Koordinaten der Verirrten waren den Rettern zwar bekannt, allerdings wurde die Suche durch die Deutschen selbst erschwert, weil sie die Aufforderung, am georteten Platz zu bleiben, missachteten. Das missfiel auch Einsatzleiter Bilgeri.

Trotz Missachtung der Anweisung: Bergretter finden verirrte Deutsche

„Das war überhaupt nicht nachvollziehbar, denn sie waren ja völlig orientierungslos, durchnässt, entkräftet und hatten nur die Taschenlampe des Handys als Lichtquelle dabei“, sagte er gegenüber krone.at. Die angesprochene Lampe hätten die Wanderer nicht ausschalten wollen, obwohl die Akkuleistung des Handys nur noch 35 Prozent betragen hatte.

Gegen 21 Uhr erreichten die Bergretter die Deutschen, statteten sie mit trockener Kleidung aus, versorgten sie mit Getränken und brachten sie zum Zugspitzblick. Bis hierhin klingt alles wie eine normale, erfolgreiche Rettungsaktion. Allerdings hatten die Retter die Rechnung - im wahrsten Sinne des Wortes ohne die beiden Geretteten gemacht.

Geretteter Wanderer sieht Rechnung - und droht Bergrettern mit Klage

Als einen der verirrten Wanderer die Rechnung für den Einsatz erreichte, die 2.261 Euro betrug, meldete er sich per Anwaltsschreiben bei den Bergrettern. Dieses hatte der zweite Deutsche, der Anfang Februar gerettet wurde, verfasst - er kommt aus Augsburg und ist Jurist.

Der ungeheuerliche Vorwurf in dem Schreiben: Die Rechnung sei viel zu hoch; zwei Bergretter mit einer Lampe hätten für den Einsatz ausgereicht. Das will Bergrettungs-Landesleiter Hermann Spiegl auf keinen Fall so stehen lassen.

Video: Deutsche Wanderer wollen Bergwacht verklagen

Bergretter: „Dafür habe ich genau null Verständnis“

„Jemand, der sich in einer alpinen Notlage befindet, hat nicht zu entscheiden, wie die Rettungsorganisation ihren Einsatz anlegt“, fand der Bergretter deutliche Worte. „Ich habe kein Problem mit leichtsinnigen Personen, die ihren Fehler einsehen und für den Einsatz geradestehen“, so Spiegl weiter. 

„Aber sich erst retten lassen und die Kosten dann auf eine dermaßen unsympathische Weise abzulehnen, dafür habe ich genau null Verständnis.“ Von einem Dank der beiden Geretteten ist übrigens an keiner Stelle die Rede.

Bergwacht Ruhpolding springt Kollegen bei

Eine ähnliche Meinung hat auch die Bergwacht aus Ruhpolding, die den österreichischen Kollegen beipflichtet. „Wer von euch verklagt uns nach der Rettung?“ fragen die Retter auf Facebook und verweisen auf den Fall der Tannheimer Bergretter.

In der Schweiz sind vier Skitourengänger bei einem Lawinenabgang ums Leben gekommen. Ein deutscher Skitourengänger, der im Skigebiet Saas Fee unterwegs war, konnte nach einem Sturz in eine Gletscherspalte hingegen lebend geborgen werden. Er erlag aber später seinen Verletzungen. Sie hatten eine Frühlings-Bergtour geplant. Am Ende aber steckte ein Paar am Roß- und Buchstein im hüfthohen Schnee fest. Die Bergwacht Lenggries musste anrücken, berichtet Merkur.de*. Ein Paar wollte den Watzmann überqueren - doch die Rucksäcke waren zu schwer. Das Paar setzte einen Notruf ab und löste einen fast achtstündigen Rettungseinsatz aus. Am Predigtstuhl bei Bad Reichenhall ist im August die Situation an einem Wochenende eskaliert: Wie *Merkur.de berichtet, greifen die Bergretter nach drei Großeinsätzen zu einer drastischen Warnung

Beim Wander in Tirol ist eine junge Berlinerin tödlich verunglückt. Ihr Vater sah alles und konnte ihr nicht helfen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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