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Bayern verschwindet unter Beton: Wo Gewerbe die Natur frisst!

Bund Naturschutz schlägt Alarm

Bayern verschwindet unter Beton: Wo Gewerbe die Natur frisst!

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Jedes Jahr verschwindet unberührte Natur von der Größe des Ammersees unter Beton. Täglich werden in Bayern rund 13 Hektar Boden in Baugebiete verwandelt.

München - Der Bund Naturschutz (BUND) in Bayern schlägt deshalb Alarm und fordert Ministerpräsident Markus Söder auf, den Flächenfraß in Bayern zu begrenzen. Doch darüber gibt es Streit mit dem bayerischen Innenministerium, das das von verschiedenen Verbänden initiierte Volksbegehren Betonflut eindämmen – damit Bayern Heimat bleibt wegen verfassungsrechtlicher Bedenken ablehnt. Am Montag (18. Juni 2018) entscheidet nun der Bayerische Verfassungsgerichtshof, ob das Volksbegehren, das von 46.000 Bürgern unterstützt wird, zulässig ist. Die tz begab sich mit dem neuen BUND-Chef Richard Mergner auf eine Rundfahrt im Landkreis Starnberg, wo Merg­ner an Beispielen zeigt, was Flächenfraß bedeutet. 

Beispiel 1: Gersthofen

Eine Krake mit 17 Tentakeln? Nein, das Luftbild zeigt nur den Verkehrsanschluss für das Gewerbegebiet von Gersthofen (Kreis Augsburg) an die Bundesstraße 2. Mit bloßem Auge ist zu sehen, wie viel Fläche der Zufahrt zum Opfer gefallen ist.

Beispiel 2: Feldafing weist 8 Hektar für neues Gewerbegebiet aus

Wieling – ein alter Weiler in der Nähe von Feldafing, Bayern wie aus dem Bilderbuch. Doch gegenüber der Idylle scheint „eine Schuhschachtel vom Himmel gefallen zu sein“, so Mergner: Eine ursprünglich in Starnberg ansässige Verpackungsfirma bekam die Erlaubnis, hier neu zu bauen, um sich zu vergrößern. Die Gründe für das Ja des Gemeinderats, mitten im Grünen acht Hektar auszuweisen: Gewerbesteuereinnahmen und die Bestrebung, die bis zu 60 Jobs, wie Merkur.de berichtet, im Landkreis zu halten. „Für die kurzfristige Erwartung, hohe Gewerbesteuern zu erzielen, wird die Landschaft dauerhaft verschandelt“, meint dazu der Starnberger BUND-Naturschutz-Chef Günter Schorn. „Es stehen bei uns so viele Hallen in bestehenden Gewerbegebieten leer – dort sollte so eine Firma angesiedelt werden!“

Hier ist eine Schuhschachtel vom Himmel gefallen.

Beispiel 3: In Pöcking soll intakte Natur zerstört werden

Hier zeigen die Naturschützer, mit welchen Tricks gearbeitet wird, um intakte Natur in Gewerbegebiete zu verwandeln. Denn eigentlich gelten die Felder und der Wald hier als „Trenngrün“ zwischen Starnberg und Pöcking. Doch indem ein ehemaliger Bauernhof, in dem unter anderem ein Bildhauer und eine Wäschereinigung untergebracht sind, zum „Gewerbegebiet“ erklärt wurde, darf jetzt die bislang unberührte Landschaft an das Pöckinger Gewerbegebiet „angebunden“ werden. „Die Sonntagsreden vom freiwilligen Flächensparen – wie in der Regierungserklärung von Ministerpräsident Söder – sind völlig unglaubwürdig angesichts des Zerfledderns des Anbindegebots“, findet Mergner. Das Anbindegebot im Landesentwicklungsprogramm besagt eigentlich, dass freie Landschaft bewahrt werden soll. Doch durch die von der CSU-Mehrheit beschlossene Lockerung des Anbindegebots gehe die „typische bayerische Kulturlandschaft nach und nach verloren“.

Gauting: Protest gegen Ausweitung des Gewerbegebietes im Unterbrunner Holz. 

Beispiel 4: Geplantes Gautinger Gewerbegebiet

Direkt an der Gemeindegrenze zwischen Gilching und Gauting stehen 30 Hektar Wald, der größtenteils im Staatsbesitz ist – „also uns Bürgern gehört“, so der Starnberger Bund-Chef Schorn. Der Freistaat erwägt nun, diesen Wald an die Gemeinde Gauting zu verkaufen, die dort ein Gewerbegebiet errichten will – wie es schon angrenzend in Gilching entsteht. „Hier soll nicht nur ein Erholungsgebiet der Gilchinger zerstört werden, sondern auch eine wichtige Frischluftschneise für München“, erklärt Schorn. „Weniger Bäume bedeuten weniger Kühlung und noch mehr Hitze in der Stadt.“ 

Geht‘s auch anders?

Mögliche Alternativen: Obwohl laut BUND 25 Hektar sofort vorhandene Gewerbeflächen im Ortsgebiet bereitstehen, soll der Wald für ein weiteres Gewerbegebiet abgeholzt werden. Neben der besseren Nutzung leer stehender Flächen in bestehenden Gewerbegebieten fordert der BUND interkommunale Gewerbegebiete: Wenn Gilching und Gauting beispielsweise gemeinsam Gewerbeflächen ausweisen, könne das Unterbrunner Holz gerettet werden, ohne dadurch die Schaffung von Jobs zu beeinträchtigen. Generell bräuchten Landkreise und Regionen ein einheitliches Flächenmanagement, damit nicht länger jede Kommune in der Gier nach Gewerbesteuereinnahmen immer mehr zubaut. Mergners Fazit: „So wie bisher kann es nicht weitergehen! Die bayerische Verfassung schreibt vor, dass es die vorrangige Aufgabe des Staates sei, Landschaft zu schonen und zu erhalten. Das muss die Regierung endlich ernst nehmen.“

Morgenstimmungen in den Bergen

Klaus Rimpel

Auch die städtischen Siedlungs-Pläne für den Münchner Norden stoßen auf Widerstand: Die Wut über den Flächenfraß wächst.

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