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Mit einer Seilkonstruktion transportierten 37 Retter die Verunglückte in Richtung Tal.

Retter müssen durch dichten Nebel

Dramatische Rettung am Watzmann: Frau stürzt 50 Meter in die Tiefe - Langer Einsatz für Bergwacht

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Eine 22-jährige Urlauberin aus Brandenburg ist am Watzmann 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Sie überlebte. Die Rettung schrieb ein Stück Bergwacht-Geschichte.

Ramsau – Null Sicht, der Rettungshubschrauber hat keine Chance, die Unfallstelle anzufliegen. Die Bergwacht muss zu Fuß anrücken. Am Samstagmorgen ist eine 22-jährige Brandenburgerin bei der Watzmann-Überschreitung 50 Meter in die Tiefe gestürzt.

Sie blieb schwer verletzt in einem Geröllfeld liegen. Aber wie durch ein Wunder blieb sie am Leben. Zwei Bergsteiger, die den Unfall beobachteten seilten sich zur Unfallstelle ab und leisteten Erste Hilfe. Gleichzeitig wurde die Rettungskette in Gang gesetzt.

Doch eine Wolke setzte sich immer tiefer auf den Berg. Der Hubschrauber hatte keine Chance, die Unfallstelle direkt anzufliegen. Die Bergwacht rückte zu Fuß zur Absturzstelle an. 

Die Bergung gestaltete sich extrem aufwendig. Die junge Frau musste in dem steilen, ausgesetzten Gelände mit einer Trage und einem Seilaufzug geborgen werden.  

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Watzmann: Frau stürzt 50 Meter in die Tiefe - Bergwacht rettet 12 Stunden

„Mit dieser Rettung haben wir Geschichte geschrieben“, sagt der Einsatzleiter später. An dem zwölfstündigen sehr aufwendigen Einsatz waren unter anderem 37 Männer und Frauen der Bergwachten Ramsau, Berchtesgaden und Marktschellenberg und vier Hubschrauber beteiligt.

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Die Meldung des BRK Berchtesgadener Land in voller Länge: Eine 22-jährige Urlauberin aus Brandenburg hat am Samstagmorgen kurz nach 8 Uhr auf der Watzmann-Überschreitung zwischen Hocheck und Mittelspitze einen rund 50 Meter tiefen Absturz durch gestuftes Gelände auf ein Schneefeld überlebt. 

Ein Bild vom Einsatz.

Drei andere Bergsteiger, zwei davon selbst Bergretter, seilten sich zu der Verunfallten hinab und leisteten Erste Hilfe. Dichter Nebel verhinderte über acht Stunden hinweg, dass die schwer Verletzte per Heli ausgeflogen werden konnte, weshalb ein Großaufgebot der Bergwacht die junge Frau liegend mit einem Schrägaufzug zum Grat hinauf und dann seilversichert durch das ausgesetzte Gelände über das Hocheck in Richtung Watzmannhaus transportierte, bis schließlich kurz nach 16.30 Uhr der Polizeihubschrauber „Edelweiß 8“ die Patientin und den Notarzt mit der Winde aufnehmen und nach Kühroint ausfliegen konnte. 

Als kurz nach 8 Uhr der erste Notruf einging, konnte die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ die Unfallstelle zunächst nicht finden, da der Watzmanngrat bereits im Nebel war und die Wolke langsam weiter sank. Die Besatzung brachte dann zwei Berchtesgadener Bergretter mit umfangreicher Ausrüstung von Schneewinkl aus zum Grat und setzte sie unterhalb des steilen Aufschwungs zur Mittelspitze schwebend über die Kufe ab. Die Retter stiegen weiter in Richtung Mittelspitze auf, konnten in Rücksprache mit anderen Bergsteigern die Unfallstelle finden, seilten sich dann sehr rasch bis zum Schneefeld auf der Ostseite ab und versorgten die junge Frau notfallmedizinisch. Ein direkter Anflug der Unfallstelle zum raschen Abtransport der schwer Verletzten war wegen der dichten Wolken nicht mehr möglich.

Drama am Watzmann: Immer wieder versucht Hubschrauber den Anflug - doch Wolken sind zu dicht

Die Bergwachten Ramsau und Berchtesgaden verlegten währenddessen ihre Zwischenlandeplätze vom Tal in der Ramsau und von Schneewinkl höher nach Kühroint, wobei im weiteren Verlauf auch beide Kerosin-Anhänger aus Berchtesgaden und Traunstein dorthin gebracht wurden. Zunächst noch „Christoph 14“ und danach die Besatzungen der Polizeihubschrauber „Edelweiß 2“ und „Edelweiß 8“ brachten im Shuttle-Verkehr weitere Einsatzkräfte der Bergwachten Ramsau, Berchtesgaden und Marktschellenberg auf den Berg und setzten sie so nah wie möglich an der Nebelgrenze ab, die immer weiter bis fast zum Watzmannhaus hinunter sank und trotz mehrerer vielversprechender kurzzeitiger Lücken jeden direkten Rettungsflug bis zur Patientin verhinderte.

Erst viel weiter unten konnte ein Hubschrauber übernehmen.

Die Bergwacht und die Ersthelfer bauten einen Schrägaufzug auf und transportierten die notfallmedizinisch durch den Ramsauer Bergwacht-Notarzt und die Berchtesgadener Sanitäter erstversorgte 22-Jährige liegend rund 40 Höhenmeter bis zum Grat hinauf. Seilversichert durch das sehr ausgesetzte Gelände brachten sie die Bergretter dann ab 13.30 Uhr bis zum Hocheck und von dort aus hinab in Richtung Watzmannhaus – immer in der Hoffnung, dass sich der Nebel lichtet und ein Rettungsflug möglich wird. Die mit den Helis abgesetzten weiteren Retter gingen dem Rettungstrupp entgegen, versicherten die gefährlichen Abschnitte wie am Hochstieg und brachten dringend benötigte zusätzliche Ausrüstung zur Patientin. „Ein überlebensnotwendiges Medikament wurde mit dem Heli von der Kreisklinik Berchtesgaden an die Nebelgrenze geflogen und dann sozusagen im Staffellauf von unseren Leuten zur Patientin gebracht“, berichtet Bereitschaftsleiter Rudi Fendt.

Kurz nach 14 Uhr ließ der Ramsauer Einsatzleiter alle verfügbaren Kräfte der Bergwachten Ramsau, Berchtesgaden und Marktschellenberg nachalarmieren, da die Wolken-Situation nicht besser wurde und die schwer Verletzte weiter bodengebunden abtransportiert werden musste. 

Gegen 15 Uhr kam die Trage mit der Frau dann an der Hocheck-Hütte an – in Kühroint war zwischenzeitlich auch ein Transporthubschrauber der Bundespolizei mit Rettungswinde gelandet, mit dem die Verletzte dann zur Klinik gebracht werden sollte. Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht kümmerte sich um die betroffenen Begleiter, darunter auch der Vater und die Schwester der Abgestürzten, die mit der Bergwacht noch selbst bis zum Watzmannhaus abstiegen.

Dramatische Rettung am Watzmann: Am Nachmittag kommt auch noch Gewitter

Gegen 16.30 Uhr, als bereits über dem Hagenbebirge ein Gewitter aufzog und es zu regnen angefangen hatte, riss der Nebel so weit auf, dass „Edelweiß 8“ von seinem Zwischenlandeplatz am Watzmannhaus aufsteigen, die Patientin und einen der beiden Bergwacht-Notärzte mit der Winde aufnehmen und nach Kühroint ausfliegen konnte. 

Von dort aus gings mit dem Transporthubschrauber der Bundespolizei direkt weiter zur Neuro-Klinik nach Salzburg. „Edelweiß 8“ flog wieder zum Watzmannhaus und brachte von dort aus im Pendel-Verkehr die abgestiegenen Einsatzkräfte und sogar noch die zunächst zurückgelassene Ausrüstung an der Mittelspitze zurück nach Kühroint. Da die Besatzung dann wegen des Wetters nicht mehr heimfliegen konnte, brachte sie Rudi Fendt in einer Pension in der Ramsau unter. Der aufwendige Einsatz dauerte bis 20 Uhr, wobei neben den drei Bergwachten des inneren Landkreises auch die sehr gut ausgebildeten Ersthelfer der Bergwacht Sulzbach-Rosenberg, der Grassauer Bergwacht-Notarzt, ein Krisenberater der Bergwacht Altötting und die Bergwacht Traunstein mit ihrem Kerosin-Anhänger im Einsatz waren. 

Fendt: „Ich bin seit Jahrzehnten bei der Bergwacht, aber immer noch hin und weg, denn so ein Einsatz schreibt Geschichte, da alle Beteiligten Unglaubliches geleistet und perfekt Hand in Hand zusammengearbeitet haben, damit die junge Frau trotz der extrem schwierigen Bedingungen überlebt. Wir haben unser Möglichstes getan und wünschen ihr und ihrer Familie ganz viel Glück – es wäre für uns alle die Krönung, wenn langfristig alles gut ausgeht!“

Während Rettung am Watzmann: Urlauber verirren sich in der Nähe

Gegen 13.50 Uhr, während des großen Rettungseinsatzes, brauchte ein verstiegener Mann am Königssee-Ostufer die Hilfe der Bergwacht: „Edelweiß 2“ brachte von Kühroint aus zwei Berchtesgadener Bergretter zum Ostufer, die den Mann fanden, über das absturzgefährliche Gelände abseilten und dann hinab zum Seeufer führten, wo die BRK-Wasserwacht den Unverletzten und die beiden Retter mit dem Boot abholte. Während der Rettung brauchten zwei weitere Leute am Ostufer die Ortskenntnisse der Bergwacht, da sie den Steig nicht mehr finden konnten.

kmm/BRK Berchtesgadener Land

So hatten sich zwei Touristen ihre Wanderung im Schellenberger Forst wohl nicht vorgestellt: Mit schweren Rucksäcken verliefen sie sich und saßen schließlich fest.

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