Bio-Hühner im Stall
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Beim Bio-Geflügel war der Anstieg in den vergangenen zehn Jahren besonders groß.

Jahresbericht über den Öko-Landbau

Bayern will Bio-Fläche verdoppeln - kann das gelingen?

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Das Zehn-Jahres-Ziel der Staatsregierung, die Bio-Produktion zu verdoppeln, ist fast geschafft. Neue Wegmarke, auch aus dem Volksbegehren: 30 Prozent Öko-Fläche in Bayern. Doch wie das gelingen kann, ist umstritten.

München – Die Pandemie hat der Bio-Branche einen regelrechten Schub verpasst. Wegen geschlossener Restaurants und Homeoffice haben zuletzt deutlich mehr Menschen selbst gekocht – und beim Einkauf auf Bio-Produkte gesetzt. Ein Plus von 22 Prozent bei den Verbraucherausgaben für Öko-Lebensmittel verzeichneten Marktforscher für das vergangene Jahr. Bergauf ging es in sämtlichen Verkaufsstätten, vom Supermarkt über den Naturkosthandel bis zum Bäcker. Nach jahrelangen zwar stetigen, aber dennoch kleinen Marktsteigerungen, boomt Bio stärker denn je.

Kann davon auch die heimische Landwirtschaft profitieren? Die Staatsregierung hatte sich unter Agrarminister Helmut Brunner (CSU) vorgenommen, die Bioproduktion vom Jahr 2010 bis 2020 zu verdoppeln. Und ein gestern im Landtag vorgelegter Bericht des Ministeriums zeigt: Das Ziel des Programms „BioRegio Bayern 2020“ konnte fast erreicht werden. Um 94 Prozent stieg die Produktion laut Berechnungen der Landesanstalt für Landwirtschaft. „Bio aus unserer Heimat boomt und das freut mich“, sagt Brunners Nachfolgerin Michaela Kaniber (CSU) dazu.

Die Bio-Trends: Eier, Geflügel, Hafer

Bei den Tierbeständen hat die Zahl der Bio-Hühner am deutlichsten zugenommen. Seit 2010 hat sich der Bestand der Bio-Masthühner in Bayern versechsfacht, bei den Legehennen fast verdreifacht. „Sowohl Bio-Eier wie Bier-Geflügelfleisch sind sehr gefragt“, sagt Wolfgang Wintzer vom Landwirtschaftsministerium. Bio-Sorgenkinder sind hingegen die Schweine. „Der Öko-Schweinemarkt ist klein und schwierig“, sagt Wintzer. Bei den Zuchtsauen lag das Plus mit 24 Prozent deutlich unter Schnitt. Bei den Bio-Kühen war der Anstieg nach den großen Umstellerjahren 2016 und 2017 etwas gebremst, weil viele Bio-Molkereien kaum neue Lieferanten aufnahmen. Doch mittlerweile suchen die Molkereien wieder nach frischer Milch, auch der Preis blieb trotz steigender Mengen halbwegs stabil, weshalb Wintzer eine neue, wenn auch kleinere Umstellerwelle vorhersagt. Bio-Milchprodukte sind weiter gefragt: Sie erreichen neben den Eiern den höchsten Marktanteil aller Bioprodukte im Handel.

Bei den Ackerfrüchten gibt es ebenfalls einige Trends: So ist neben dem im Bio-Anbau beliebten Dinkel auch der Haferanbau sprunghaft angestiegen – der wird immer häufiger zu aktuell sehr beliebten Haferdrinks verarbeitet. Massiv ausgewirkt hat sich zudem, dass die Südzucker AG in Rain am Lech nun Bio-Zucker produziert. Ein Faktor, der die Produktion von Öko-Zuckerrüben in Bayern in den vergangenen zehn Jahren um das zehnfache ansteigen ließ. Beim Bio-Gemüse, das ebenfalls einen hohen Anteil im Einzelhandel ausmacht, sieht Wintzer hingegen noch „enormes Steigerungspotenzial“ in der bayerischen Landwirtschaft. Hier wird nach wie vor viel Bio-Ware importiert.

Die nächste Verdoppelung ist nötig - diesmal bei der Öko-Fläche

Doch mit der Fast-Verdoppelung der Bio-Produktion ist es nicht getan. Längst hat sich die Staatsregierung unter dem Druck des Bienen-Volksbegehrens einem neuen Ziel verpflichtet: Bis 2030 sollen in Bayern 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Und der Blick auf die aktuelle Quote von 12,4 Prozent zeigt, dass hier erneut mehr als eine Verdoppelung notwendig ist. Ein ambitioniertes Ziel, gibt Wintzer zu. Ob es wirklich zu erreichen ist, hänge auch davon ab, ob die Verbraucher bereit seien, mehr heimische Bio-Produkte zu kaufen.

Staatlichen Schwung soll es trotzdem geben. Etwa mit der im vergangenen Jahr beschlossenen Quote von 50 Prozent regionaler oder ökologischer Ware für staatliche Kantinen. Hier ärgert sich Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl darüber, das Bio und regional gleichgesetzt werde. „Da wäre mehr möglich“. Sie kritisiert zudem, dass das bayerische Bio-Siegel als verbandsübergreifende Herkunftsbezeichnung noch viel zu wenig verbreitet sei. Denn von den rund 11 000 Bio-Betrieben im Freistaat nutzen nur knapp 1500 das blaue Prüfsiegel der Staatsregierung. Auch Wintzer sieht hier Verbesserungsbedarf. „Wir prüfen mehrere Optionen, wie wir mehr Betriebe dafür gewinnen können.“ Die SPD-Abgeordnete Martina Fehlner mahnt zur Eile. „Die Pandemie hat zu einer neuen Wertschätzung für Bio-Produkte geführt. Das sollten wir nutzen.“

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