+
Grenzkontrollen auf der A8 von Salzburg nach München.

Bayern will Grenzen sichern

Pendler sagen: "Riesige Einschränkung für die Region"

  • schließen

München - Bayern denkt darüber nach, die Grenzen zu kontrollieren. Doch was würde das konkret für die Menschen in der Region bedeuten, die jeden Tag nach Österreich in die Arbeit pendeln?

Wenn Sabine Nagel zur Arbeit fährt, muss sie über die Grenze. Jeden Tag pendelt die Betreiberin der Gamsalm von Garmisch-Partenkirchen nach Ehrwald in Tirol. Im Moment funktioniert das problemlos. Aber wie lange noch? Bei der bayerischen Polizei laufen bereits Planungen, wie ein Einsatz zur Grenzsicherung ablaufen könnte. Für Sabine Nagel wäre der Ernstfall ein riesiges Problem. „Ich verstehe ja, dass sie die Grenzen kontrollieren wollen. Aber wenn das wie beim G7-Gipfel abläuft, würde das jedes Mal eine Stunde mehr Zeitaufwand bedeuten“, sagt die 43-Jährige.

Sucht sich das Personal dann eine neue Stelle?

Hajo Gruber, Bürgermeister der Gemeinde Kiefersfelden.

Neben ihr arbeiten sieben Grenz-Pendler auf der Alm. Nagel fürchtet, dass sich ihr Personal dann lieber eine neue Stelle suchen wird – mit kürzerer Anfahrt. Ganz zu schweigen von ihren Gästen, die vor allem aus den Regionen um Füssen und Garmisch-Partenkirchen anreisen. „Am Ende müssen wir die alten Schmuggelpfade wieder aktivieren“, sagt Nagel.

Auch Fabian Ebenhoch pendelt fünf bis sechs Mal die Woche – aus der anderen Richtung. Der 37-Jährige ist hauptamtlicher Cheftrainer der Skispringer beim SC Partenkirchen. Er wohnt in Seefeld in Tirol und fährt damit beinahe täglich bei Scharnitz über die Grenze. Schon jetzt beobachtet er dort viele Zivilstreifen, eine Grenzschließung fände er „richtig lästig“. Ebenhoch rechnet in einem solchen Fall mit mindestens 15 Minuten mehr pro Fahrt. „Ich kann ja deswegen nicht weniger arbeiten.“ Ob er dann noch am Wochenende mit der Familie nach Mittenwald zum Einkaufen fahren würde wie bisher? „Eher nicht.“

"Für die Grenzregion wäre das eine riesige Einschränkung"

Fabian Ebenhoch, Skisprung-Trainer beim SC Partenkirchen.

Die beiden Pendler sind nicht die einzigen, die die politischen Planungen mit Skepsis beobachten. „Für die Grenzregion wäre das eine riesige Einschränkung“, sagt Hajo Gruber, Bürgermeister des Grenzortes Kiefersfelden im Kreis Rosenheim. „Viele Kinder gehen in Kufstein aufs Gymnasium, Vereine und Feuerwehren arbeiten gemeinsam, das Inntal ist zusammengewachsen.“ Schon jetzt leide seine Gemeinde unter dem „Grenzkontrollausweichverkehr“. „Es gibt jede Woche große Rückstaus, der Verkehr rollt durch die Dörfer, dadurch bricht der Konsum ein.“ Gruber hofft nach wie vor auf offene Grenzen. „Und wenn kein Weg an der Grenzsicherung vorbeiführt, dann muss es wenigstens professionell arrangiert werden.“ Der Austausch in dem grenzübergreifenden Siedlungsraum dürfe nicht eingeschränkt werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schwerverletzte nach Unfall mit Pferdekutsche gestorben
In Bergrheinfeld ist eine Pferdekutsche umgekippt - die beiden Insassen wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Die 77-jährige Seniorin ist nun ihren Verletzungen …
Schwerverletzte nach Unfall mit Pferdekutsche gestorben
Die AfD – ein Fall für die Schule
Niederbayern ist mit 16,7 Prozent Zweitstimmen plötzlich Hochburg der AfD. In keinem anderen Regierungsbezirk war die Partei so stark. Der Vorsitzende des Deutschen …
Die AfD – ein Fall für die Schule
Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
Ein Geisterfahrer hat am Montag auf der Autobahn 7 im Allgäu mehrere Autos gestreift und ist dann mit einem weiteren Wagen zusammengestoßen.
Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt
Die Polizei ermittelt gegen einen Drogenring, der Kokain über Bananenkisten an Supermärkte liefert. Es geht um Waren im Wert von zehn Millionen Euro.
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt

Kommentare