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Den Gegnern entgegen treten: Bayern unterstützt das Bahnprojekt "Stuttgart 21", weil es auch für den Freistaat einige Vorteile bringt.

Bayern wirbt für „Stuttgart 21“

München - Bayerische Unternehmer fordern mehr Engagement für das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21“. Das „Leuchtturmprojekt“ bringe auch für Augsburg und München viele Vorteile.

Heimspiel für Volker Kefer, den durch seine Auftritte in der Stuttgart-Schlichtung zum öffentlichen Gesicht des Bahnprojekts gewordenen Technik-Vorstand der Deutschen Bahn. Der Bahnmanager warb im Medienzentrum Augsburg bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsbeirats der Union eindringlich für das „Leuchtturmprojekt“. Aus bayerischer Sicht besonders interessant: Durch den Bau der 60 Kilometer langen Schnellfahrstrecke Ulm-Wendlingen verkürzt sich die Fahrzeit von und nach Stuttgart um 26 Minuten, wie Kefer darlegte. Die Schnellfahrstrecke komme freilich nur, wenn auch der Hauptbahnhof in Stuttgart von einem Kopf- in einen Durchgangsbahnhof umgebaut wird, stellte Kefer klar. „Beides gehört zusammen.“ Eine Folge von „Stuttgart 21“ werde sein, dass von München aus gesehen „die Hauptverbindung nach Frankfurt dann nicht mehr über Nürnberg, sondern über Augsburg und Stuttgart führt“.

Das Projekt verteidigte Kefer bedingungslos, auch wenn die Funktionsfähigkeit jetzt noch in einem „Stresstest“ geprüft werde. Die Bahn gewinne immer dann Marktanteile, wenn der Reisende von A nach B in maximal 4,5 Stunden komme. Das sei die Schallgrenze. Andernfalls steige er auf Flugzeug oder Auto um. Um diese Fahrzeiten zu erzielen, sei „S 21“ wichtig – auch für Strecken wie München-Ruhrgebiet (60 Prozent Zuwachs prognostiziert bis 2025) oder Stuttgart-Wien (100 Prozent Zuwachs). Vor den Unternehmern zeigte sich Kefer aber auch durchaus selbstkritisch. Die Bahn habe aus den Protesten gelernt, dass Großprojekte nur mit „größerer Offenheit und verstärkter Kooperation“ durchgesetzt werden könnten. Die Planung habe viel zu lange gedauert – wenn der Bahnhof wirklich 2019 fertig werde, rund 40 Jahre. Das bringe auch ganz praktische Probleme mit sich – kein Fachmann, der am Anfang dabei war, bleibe bis zum Ende. „Bei der Schlichtung mussten wir unsere 80-jährigen Veteranen befragen, um damalige Argumentationen nachvollziehen zu können.“

Fast in Vergessenheit gerät, dass „Stuttgart 21“ ein Teilprojekt des Transeuropäischen Netzes Nr. 17 Paris-Stuttgart-München-Wien-Bratislava ist. Dafür gibt es sogar einen EU-Koordinator, den früheren ungarischen Spitzendiplomaten Peter Balázs. Er kritisierte in Augsburg, dass das TEN-Projekt lange vernachlässigt worden sei. „Meine Linie hatte nie die erste Priorität in diesem schönen Land.“ Noch immer gebe es Lücken. Balász kündigte an, in Bayern stärker Präsenz zu zeigen. So ist am 28. Februar in Mühldorf/Burghausen die Hauptversammlung der Initiative „Magistrale für Europa“ mit den Verkehrsministern Ramsauer (Bund), Zeil (Land) und Bures (Österreich) geplant. Dabei wird wohl die schlechte Bahnanbindung bis Salzburg eine Rolle spielen.

Im Frühjahr soll zudem eine Konferenz „Intermodalität an Flughäfen“ am Flughafen München stattfinden – Intermodalität bedeutet die Vernetzung Bahn/Flugzeug, „idealerweise mit einem gemeinsamen Ticket und gemeinsamer Gepäckabgabe“ (Balázs). Doch das ist Zukunftsmusik. Der Münchner Spediteur Erich Dahringer wäre schon zufrieden, wenn Stuttgart 21 rasch kommt. „Unverzichtbar“ sei das Projekt für Bayern, weil sonst viele Verkehre künftig nicht mehr über Augsburg, sondern über Frankfurt fließen würden. Auch der Präsident des Wirtschaftsbeirats der Union, Otto Wiesheu, warb für das Projekt. Es sei „ganz wesentlich, dass es hier vorangeht“.

Von Dirk Walter

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