Ein Wolf spaziert an einer Straße über eine Wiese.
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Beweisfoto: Der Wolf lief seelenruhig in Straßennähe herum.

Offenbar seit Ende Juni im Grenzgebiet unterwegs

Autofahrer entdeckt Wolf an bayerischer Straße: Angst macht sich breit - Forderung nach Abschuss wird laut

  • Johannes Welte
    vonJohannes Welte
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Im Kreis Rosenheim wurde kürzlich ein Wolf gesichtet. Das bringt die Bauern in Aufruhr. Schon wird die Forderung laut, das Tier abzuschießen.

  • Im Kreis Rosenheim hat ein Autofahrer einen Wolf in Straßennähe gesichtet.
  • Die Entdeckung schreckt nun die Bauern auf.
  • Betroffene Landwirte berichten von großer Unruhe unter ihren Tieren.

Sachrang - Seit Monaten sorgen Wolfsbeobachtungen im Chiemgau für Unruhe bei den Almbauern - über ein Dutzend Schafe wurde gerissen. Jetzt verursacht das Foto eines Wolfes im Priental bei Sachrang (Kreis Rosenheim) für Panik.

Peter S. aus Schwabhausen bei Landsberg war sonntags auf dem Weg zu seinen Schwiegereltern nach Sachrang. Als er mit seinem Auto an einer Schafsweide vorbei fuhr, traute er seinen Augen nicht: „Da lief auf einmal ein Wolf über die Straße auf die Weide und blieb stehen.“

Schwabhauser entdeckt Wolf an Straße: Tier hielt sich in der Nähe einer Schafsherde auf

Für den Naturfreund war das zunächst ein faszinierender Anblick. „Ich hab mich unbändig gefreut.“ Peter S. blieb stehen und stieg sogar aus seinem Pkw aus, um ein Foto vom Wolf zu machen. „Er hatte sich noch mal kurz umgedreht und ist dann in den angrenzen Wald getrottet.“ Ob er Angst gehabt hat? „Nein, die Wölfe tun doch dem Menschen nichts.“ Da das Tier sich aber in der Nähe einer Schafsherde aufhielt, verständigte der Schwabhauser den zuständigen Bauern. Seitdem rumort es im Priental.

Almbauer Peter Pfaffinger hat am Montag seine ersten Schafe aus dem Tal von der Weide in Sicherheit gebracht. Seine Frau Monika berichtet: „Seit Wochen spüren wir eine große Unruhe bei unseren Tieren.“ Am Mittwoch sei mitten in der Nacht ihre Mutterkuhherde aus der Weide ausgebrochen und sieben Kilometer weg gerannt. „Die haben einfach den Elektrozaun runter getrampelt und sind davon. Die waren außer Rand und Band,“ berichtet Monika Pfaffinger.

Schwabhauser entdeckt Wolf an Straße: Tier seit Ende Juni im Grenzgebiet unterwegs

Peter S. hat seine Bilder an das Landesamt für Umwelt weitergeleitet. Die Sprecherin bestätigt: „Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um den Wolf handelt, der seit Ende Juni in dem Grenzgebiet Traunstein - Rosenheim - Österreich nachgewiesen wird.“ Sechs tote Schafe wurden im Juni bei Reit im Winkl, drei weitere bei Kössen in Tirol gerissen. Am 23. Juli wurden bei Kössen weitere 14 Schafe getötet. Genanalysen erbrachten, dass es sich um einen aus Kroatien oder Slowenien eingewanderten Wolf handelt - bislang stammten alle Wölfe in Bayern aus Mitteleuropa oder dem Alpenraum.

Das Landesamt für Umwelt erklärt, die Landwirte seien über die neue Wolfssichtung informiert worden, und verweist auf die Fördermittel, die der Freistaat für Maßnahmen zum Schutz der Tiere bezahlt. Dazu gehören Elektrozäune und mobile Ställe für Schafe und Ziegen. Monika Pfaffinger hätte es lieber, wenn die Wölfe zum Abschuss frei gegeben werden: „Es gibt mittlerweile so viele von ihnen. Da ist der Wolf doch nicht mehr besonders schutzbedürftig.“ (J. Welte)

Von der Sichtung aufgeschreckt: Peter Pfaffinger (mit seinen Rindern beim Almabtrieb) fürchtet den Wolf.

So sieht die Lage in Bayern aus

Seit 2006 werden in Bayern wieder mehrfach einzelne Wölfe nachgewiesen. Im Jahr 1882 in Kemnath (Oberpfalz) wurde der letzte Wolf in Bayern geschossen. In der Regel sind es heute einzelne durchwandernde Tiere, die ihren Elternrudel entweder aus dem südwestlichen Alpenbogen in Italien oder aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation, also aus Polen oder Nord-Ost-Deutschland, verlassen haben.

Der Nachweis erfolgt durch Wildkameras, Sichtungen von qualifizierten Beobachtern, Genanalysen von Fellresten oder Rissen. Hin und wieder passiert es auch, dass ein Wolf überfahren wird. Seit dem 1. Mai gab es heuer 26 solche Nachweise im Freistaat. Im Nationalpark Bayerischer Wald, im Veldensteiner Forst bei Bayreuth, in der Rhön sowie auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gibt es ortstreue Tiere oder sogar Rudel.

Nahe Hamburg wurde sogar ein ganzes Wolfsrudel gesichtet. Im Ostallgäu wurden zuletzt drei Schafe von einem Wolf gerissen, zwei weitere Tiere wurden verletzt. Auch im Westen Deutschlands tauchte zuletzt ein Wolf auf.

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