Statistisches Jahrbuch 2013 

Der Freistaat als Zahlen-Wunderland

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München - Wie sonnig ist’s im Freistaat? Wie viel wiegt der durchschnittliche Bayer? Und welche ist die häufigste Todesursache? Die Statistiker im Freistaat wissen Bescheid. Ein Ausflug ins hiesige Wunderland der Zahlen.

Die Antwort lautet 409. Und die Frage geht so: Wie viele Babys wurden am 12.12.2012 in Bayern geboren? An keinem anderen Tag dieses Jahres kamen mehr Säuglinge zur Welt als an diesem Schnapszahl-Datum. Und an keinem anderen Tag wurden weniger geboren als am 29.2. Es waren genau 204, sie können nur alle vier Jahre Geburtstag feiern.

Wird das ein Text für Zahlenfetischisten? Definitiv. Und das Statistische Jahrbuch 2013, das Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vorgestellt hat, hat noch mehr Fakten parat.

Jedes Jahr trägt das Bayerische Landesamt für Statistik die wichtigsten Zahlen und Fakten über Bayern in einem Konvolut zusammen, dessen Umfang locker an Tolstoi heranreicht. Auf 630 ziemlich eng bedruckten Seiten sind dort rund 168 000 Daten über den Freistaat versammelt. Damit ist noch nicht alles über Bayern erzählt, aber vieles.

Zum Beispiel das: Bayern wächst, von Mai 2011 bis Juni 2013 allein um 150 000 Menschen. Und das, obwohl rund 45 000 mehr Menschen starben als geboren wurden. Hexerei? Unsinn. In Wahrheit dürfen wir uns bei den Baden-Württembergern und den Rumänen bedanken. Zwischen Juli 2011 und Juni 2013 kamen 80 000 aus dem Nachbarbundesland hierher. Zwar nahmen 70 000 den umgekehrten Weg, aber egal: plus 10 000 für uns. Aus fast allen Bundesländern kommen mehr Menschen nach Bayern als von hier wieder wegziehen. Nur an Berlin und Hamburg verliert der Freistaat Bürger. Aber die Metropolen bleiben ja unter sich.

Die meisten Menschen kamen in besagtem Zeitraum allerdings aus dem EU-Ausland. Die meisten, knapp 25 000, aus Rumänien – gefolgt von Polen, Ungarn, Griechenland und Italien. Diese Leute sind auch bitter nötig, weil die Bayern sich selbst nicht in ausreichendem Maße um ihren Bestand kümmern. 2012 kamen 107 039 Mini-Bayern zur Welt (2002: 113 800), während 125 448 Menschen starben. Häufigste Todesursache: Krankheit des Kreislaufsystems.

Nun ja, immer das Gejammer über den demografischen Wandel. Fakt ist: Dem Durchschnittsbayern, nennen wir ihn Sepp, ging es in der Vergangenheit richtig gut. Im Jahr 2011 war Sepp im Schnitt 43,2 Jahre alt und wog (Stand 2009) 82,9 Kilo. Dass seine Frau mit 67,1 Kilo deutlich leichter war, wird ihn gefreut haben – genauso wie die 1903 Sonnenstunden, die ihm 2012 (gemessen am Flughafen München) auf den Bauch schienen. In seiner Freizeit ging er in eine von 8617 Theatervorstellungen (Spieljahr 2011/12), zur Arbeit kam er in einem von 9,1 Millionen Kraftfahrzeugen, die laut Statistik Anfang 2013 auf Bayerns Straßen unterwegs waren. Innenminister Herrmann erwartet, dass es in ein, zwei Jahren zehn Millionen sein werden. 1970 waren es noch 3,14 Millionen.

Ein Grund für Sepps Wonne-Leben: Die Wirtschaft brummt. 2012 hat Bayerns Industrie 336,8 Milliarden Euro umgesetzt. Bei einer Exportquote von 51,3 Prozent geht unterdessen mehr als die Hälfte aller im Freistaat produzierten Produkte ins Ausland. Überhaupt stellt Bayern einen großen Teil der in Deutschland gefertigten Waren her. 18,9 Prozent der bundesrepublikanischen Kartoffeln, 14,7 Prozent der Backwaren, 7,9 Prozent des Fleisches. Noch ein Schlager: der Besen. 2012 hat Bayern Besen im Wert von 249 Millionen Euro hergestellt, 41,9 Prozent aller in Deutschland produzierten Feger. Bayern, Du Land der Besen.

Lauter Erfolge also. Aber die Statistik spricht auch von Tragischem. Die Zahl der Unfälle ist 2012 mit 364 373 um 3,9 Prozent gestiegen. Allerdings waren an 2222 Unfällen alkoholisierte Fahrer beteiligt, 1990 waren es 6154.

Sepp, aufgepasst: Wer Gefahren im Straßenverkehr aus dem Weg gehen will, kann auf das bayerische Eisenbahnnetz ausweichen, das mit 6310 Kilometern etwa genauso lang ist wie die Strecke von München nach New York. Und ganz im Notfall gibt’s auch noch den Schiffsverkehr – auf Donau und Main.

Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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