"Bayernplan" - schlechte Aussichten für Landwirte

München - Jetzt ist er da: Der „Bayernplan 2020“ soll den Weg in die Zukunft der Landwirtschaft weisen. Den Bauern wird darin viel abverlangt. Von der Wirtschaft gibt es prompt Lob. Andere reagieren verstört.

Lange wurde er erwartet, viel wurde über seinen Inhalt gerätselt: Gestern stellte Ex-EU-Kommissar Franz Fischler den Bericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ in der Staatskanzlei vor. An dem ambitionierten „Bayernplan 2020“ haben nicht weniger als 25 Vertreter unterschiedlichster Verbände gewerkelt. Viele von ihnen sind jetzt unzufrieden mit dem Ergebnis.

Fischler, der die Kommission leitete, fasste die für ihn wichtigsten Punkte schnell zusammen. Unterm Strich müsse die bayerische Landwirtschaft deutlich innovativer werden - sonst drohten die Bauern im internationalen Wettbewerb unterzugehen. Laut dem Abschlussbericht wolle man ein „Kompetenzzentrum für Ernährung“ einrichten. Die „Innovationskraft“ müsse gestärkt, die Forschung „forciert“ und das „Know-How“ solle „modernisiert“ werden. Neumodische Begriffe für eine neumodische Landwirtschaft. Veredelung müsse die Antwort auf Massenproduktion sein - immerhin sei man abhängig vom Export.

Vor allem aber müssten sich die Landwirte mit dem Gedanken anfreunden, sich neue Verdienstmöglichkeiten zu erarbeiten. Schon jetzt hätten 55 Prozent der Bauern einen Nebenerwerb, so Agrarminister Helmut Brunner (CSU). Das sei die Zukunft. Aus „unternehmerischen Landwirten“ sollen „ländliche Unternehmer“ werden, so Fischler. Mit Urlaub auf dem Bauernhof sei das aber nicht getan: Holzwirtschaft, Leiharbeit, Handarbeit - die Möglichkeiten seien vielfältig.

„Das Papier stellt viele Weichen in die richtige Richtung“, lautete prompt das Lob der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Mit „ideologiegeleiteten Forderungen“ komme man im Agrarsektor nicht weit. Man müsse weg von den überregulierten Märkten und die Marktorientierung weiter stärken.

Doch „eine Mehrheit der 25 beteiligten Vertreter“ forderte genau das Gegenteil, nämlich eine Abkehr von der Weltmarktorientierung, damit es nicht zur weiteren „Industrialisierung in der Landwirtschaft“ kommt, reagiert der Bund Naturschutz verärgert. Eine „monotone, ausgeräumte“ Kulturlandschaft sei sonst die Folge. Zudem bezeichnet Landesbeauftragter Richard Mergner den Bericht als „weitgehend nebulös“. Viele wohlklingende Worte, wenig Konkretes. Auch die Grünen sprechen von einem „dünnen Kompromisspapier“, bei dem nicht konkret benannt werde, worum es gehe.

Bei einigen Punkten gibt es jedoch auch breiten Konsens: Beispielsweise spricht sich die Kommission einig gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen aus. Zudem plädiert Fischler dafür, nach 2013 die Kriterien für den Bezug von direkten Subventionen stärker an den Leistungen zur „Erhaltung öffentlicher Güter“ zu orientieren - also an der Landschaftspflege, am Umweltschutz und der Versorgungssicherheit.

Thomas Schmidt

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