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Die Ottheinrich-Bibel, die eigentlich in der Bayerischen Staatsbibliothek bewundert werden kann, ist ab 12. Mai (bis 7. August) erstmals im Schloss Neuburg a.d. Donau zu besichtigen. Alle acht Originalbände sind dort zu sehen.

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35. Bayernrätsel: Die erste Frage

München - Auftakt zum 35. Bayernrätsel des Münchner Merkur: Bei der ersten Folge geht es um das Schloss Neuburg und die Ottheinrich-Bibel.

Zwei Jahre nachdem radikale Anhänger der Reformation 1522 in Wittenberg in der Mutterkirche des Protestantismus in einem großen Bildersturm alle Bildwerke als Götzen zerschlagen hatten, antwortete Luther den einstigen Weggefährten mit einer Verteidigung der Kunst: Bilder fänden sich auch in seiner ins Deutsche übersetzten Bibel. Zur Belehrung des leseunkundigen Volks seien sie durchaus nützlich. Emphatisch ruft der Reformator aus: „Gott, könnte ich nur die Reichen und Mächtigen überzeugen, dass sie die ganze Bibel in- und auswendig an ihren Häusern für jedermann sichtbar malen ließen, das wäre ein christliches Werk!“ Hat sich Luthers frommer Wunsch erfüllt?

Schloss Neuburg an der Donau: An der Fassade des Innenhofs sind Bibelszenen zu sehen

Wer nach einem konkreten Echo seiner Forderung sucht, wird unweigerlich auf Schloss Neuburg an der Donau stoßen. Nicht in Sachsen, sondern im Herzen des heutigen Bayerns im Landkreis Neuburg–Schrobenhausen, in der Residenzstadt des ehemaligen Fürstentums Pfalz-Neuburg, gab der zum lutherischen Glauben übergetretene Pfalzgraf Ottheinrich 1543 für die Schlosskapelle seiner Residenz die älteste Monumentalmalerei für einen protestantischen Kirchenraum in Auftrag. Das „biblisch gmäl an den wänden“ – so Ottheinrichs Bezeichnung für das spektakuläre Wand- und Deckengemälde – zeigt eine Vielzahl von Bildern des Alten Testaments. Verlässt man den Innenraum der Kapelle und tritt in den Schlosshof ein, bietet sich einem an der Fassade des unter Ottheinrich neu errichteten Westflügels ebenfalls ein großartiges, biblisches Bildpanorama. Einem wohl noch von Ottheinrich entwickelten Konzept folgend ließ dessen Nachfolger Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken vom niederländischen Künstler Hans Schroer d. Ä. an der gesamten Fassade die Josephsgeschichte und eine Reihe weiterer berühmter biblischer Historien des Alten Testaments in Sgrafittomalerei anbringen. Wer die Bibel „in- und auswendig“ vor Augen gestellt bekommen möchte, ist also in Schloss Neuburg genau am richtigen Ort.

Ausstellung "Kunst und Glaube" vom 12. Mai bis 7. August zu sehen

Was lag also näher als hier eine große internationale Ausstellung rund um die bedeutendste deutschsprachige Bibelhandschrift der Epoche zwischen Spätmittelalter und Renaissance zu konzipieren: Vom 12. Mai bis 7. August werden in Schloss Neuburg in der Ausstellung „Kunst und Glaube. Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg“ alle acht Bände der berühmten Ottheinrich-Bibel zusammen mit Buchpreziosen, Schatzkammerstücken, wertvollsten Tafelmalereien und Skulpturen zu sehen sein. Wie sein Name schon sagt, ist das monumentale Buch, das zu den größten je geschaffenen Prachthandschriften zählt, eng mit dem Auftraggeber der Schlosskapelle, Pfalzgraf Ottheinrich, verbunden. Noch vor seinem Übertritt zum Protestantismus gab der bibliophile Fürst um 1530 die Vollendung der kostbaren Handschrift mit 117 Miniaturen in Auftrag.

Das ehrwürdige Buch, das Ottheinrich als Erbstück erhielt, war zu diesem Zeitpunkt schon 100 Jahre alt. Herzog Ludwig der Bärtige von Bayern-Ingolstadt war der Initiator der Riesenbibel, deren Bilderfolge nicht zuletzt aufgrund ihres Umfangs unter seiner Regentschaft unvollendet blieb. Als der Herzog um 1430 die erstaunlich frühe Übersetzung des Neuen Testaments in deutscher Sprache verschwenderisch mit Bildern auszustatten begann, waren ihr Vollender Ottheinrich und auch der berühmteste deutsche Bibelübersetzer, Luther, noch gar nicht geboren. Die Ausstellung in Schloss Neuburg wird ein Panorama von 100 Jahren biblischer Kunst „in- und auswendig“ vor Augen führen. Diese späte Erfüllung von Luthers Wunsch offenbart, mit welchem Glanz die Auseinandersetzung um Kunst und Glaube von den Reichen und Mächtigen der Zeit ausgetragen wurde.

Lesen sie dazu auch:

Die protestantische Kultur in Bayern 

Weitere Informationen zur Ausstellung „Kunst & Glaube. Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg“: www.ausstellung-Neuburg.de 

Die 1. Frage

In welchem Jahr wurde Pfalzgraf Ottheinrich geboren?

(Die 1. Folge des 35. Bayernrätsels ist am Freitag, 11. März, 24 Uhr, abgelaufen. Sie haben aktuell die Möglichkeit, bei der nächsten Folge mitzuspielen.)

So wird's gemacht

Unser Bayern-Rätsel erscheint acht Wochen lang jeden Samstag. Die Antworten müssen jeweils bis zum Freitag der darauffolgenden Woche (Datum des Poststempels entscheidet) eingegangen sein. Wer bei allen acht Fragen mitmacht, hat acht Gewinnchancen.

Es gibt viele tolle Preise zu gewinnen.

Mitmachen kann jeder – ausgenommen die Mitarbeiter des Münchner Zeitungsverlag, des Zeitungsverlags Oberbayern, des bayerischen Finanzministeriums und der Schlösserverwaltung.

Schirmherr ist Heimatminister Markus SöderHier geht's zum Grußwort.

Lösung

Die Lösungen werden jeweils in der Folgewoche in der Zeitung und auf Merkur.de veröffentlicht.

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