Raumansicht der Schlosskapelle Neuburg.

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35. Bayernrätsel: Die vierte Frage

München - Vierte Runde beim 35. Bayernrätsel des Münchner Merkur: Bei der vierten Folge geht es um die Schlosskapelle Neuburg.

1543 war ein bedeutendes Jahr für das prächtige Schloss Neuburg an der Donau und für die Geschichte des protestantischen Kirchenbaus: Pfalzgraf Ottheinrich (1502–1559) ließ seine neue, schon in ihrer Bauzeit umgewidmete Schlosskapelle mit einer aufsehenerregenden Ausmalung versehen. Ein Jahr zuvor hatte er den lu-therischen Glauben in seinem Fürstentum eingeführt.

Der Altar in der Schlosskapelle.

Ab 1538 war die fürstliche Kapelle zusammen mit dem repräsentativen Westflügel des Schlosses errichtet worden. 1541 hatten Bauleute aus Mantua ein flaches Mul-dengewölbe eingezogen und dabei zugunsten eines großflächigen Malgrundes auf verstärkende oder gliedernde Rippen verzichtet, was eine technische Meisterleistung darstellte. Die von den fürstlichen Wohntrakten aus zugängliche Fürstenempore war mit Aussparung der Altarnische umlaufend angelegt worden.

Inschrift verweist auf religionspolitisches Verständnis des Landesherrn   

Den Innenraum ließ Ottheinrich mit kostbarem Rotmarmor ausgestalten. Der Altar mit Christus am Kreuz, mit Maria, Johannes und den Schächerkreuzen wurde 1540 bis 1542 von dem Eichstätter Bildhauer Martin Hering geschaffen, der aus einer der bedeutendsten Künstlerwerkstätten der deutschen Renaissance stammte. Die Inschrift „OTHAIN-RICH PFALCZGRAF“ am Bogen des Altars verweist auf das religionspolitische Selbstverständnis des Landesherrn, der im Zuge der Reformation die Konfession in seinem Fürstentum vorgab. Altar, Kanzel und Orgel wurden nach neuem protestantischem Ritus zentral und in räumlicher Nähe zueinander angeordnet. Eine Orgel, die Ottheinrich 1540 bei dem Münchner Orgelbauer Hans Schachinger in Auftrag gab, befand sich auf der Empore rechts vom Altarraum.

Die Ausmalung schuf der Salzburger Maler Hans Bocksberger d. Ä.. Nach lehrreichen Jahren in Italien kam er 1542 nach Landshut, wo er im Auftrag von Herzog Ludwig X. von Bayern (1495–1545) an der Ausgestaltung der Säle der Stadtresidenz mitwirkte. Im Anschluss beauftragte ihn Ottheinrich – offenbar beeindruckt von seiner modernen Formensprache – mit der Ausmalung der Neuburger Schlosskapelle. Bocksberger entwarf ein vorgetäuschtes Architektursystem, mit dem er die trapez-förmige Decke vereinheitlichte – eine Pionierleistung der Renaissance nördlich der Alpen. In über 40 biblischen Darstellungen an Bogenfeldern und Laibungen des Em-porengeschosses und an der Decke schuf er, inspiriert von der italienischen Malerei der Hochrenaissance, mit antikischer Figurenauffassung, perspektivischen Verkürzungen und Untersichten ein eindrucksvolles protestantisches Bildprogramm. Dieses wurde 1543 innerhalb nur eines Jahres vollendet.

Die Schlosskapelle Neuburg zählt neben denen in Torgau, Dresden und Schmalkalden zu den bedeutendsten Kirchenräumen der Reformation. Vom 12. Mai bis 7. August 2016 steht sie im Mittelpunkt der Ausstellung „Kunst & Glaube“, die im Vorfeld des Reformationsjubiläums mit 150 kostbaren Exponaten ein Jahrhundert künstlerischer Innovation, bewegter Geschichte und religiöser Reform darstellt.

Weitere Informationen zur Ausstellung „Kunst & Glaube. Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg“: www.ausstellung-neuburg.de

Lesen sie dazu auch:

Die protestantische Kultur in Bayern

Weitere Informationen zur Ausstellung „Kunst & Glaube. Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg“:

www.ausstellung-neuburg.de 

Die 4. Frage

Welche herausragende Rolle spielt die Neuburger Schlosskapelle mit ihrer außergewöhnlichen Ausmalung in der Geschichte des protestantischen Kirchenbaus?

(Die 4. Folge des 35. Bayernrätsels ist am Freitag, 1. April, 24 Uhr, abgelaufen. Sie haben aktuell die Möglichkeit, bei der aktuellen Folge des Bayernrätsels mitzuspielen.)

So wird's gemacht

Unser Bayern-Rätsel erscheint acht Wochen lang jeden Samstag. Die Antworten müssen jeweils bis zum Freitag der darauffolgenden Woche (Datum des Poststempels entscheidet) eingegangen sein. Wer bei allen acht Fragen mitmacht, hat acht Gewinnchancen.

Es gibt viele tolle Preise zu gewinnen.

Mitmachen kann jeder – ausgenommen die Mitarbeiter des Münchner Zeitungsverlag, des Zeitungsverlags Oberbayern, des bayerischen Finanzministeriums und der Schlösserverwaltung.

Schirmherr ist Heimatminister Markus Söder. Hier geht's zum Grußwort.

Antwort Frage 3

Letzte Woche haben wir gefragt:

In welchem Jahr schuf der Salzburger Maler Hans Bocksberger die Ausmalung der Neuburger Schlosskapelle mit einem protestantischen Bildprogramm?

Die richtige Antwort lautet: 1543

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