Bauern demonstrieren beim ersten Treffen der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ in Oberhausen (Kreis Weilheim-Schongau) im Oktober 2009. Foto: Clara Gierig

Bayerns Bauern bangen um ihre Zukunft

München - Es geht um die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft: Reform oder Stillstand? Noch hat die Regierung die Ergebnisse ihrer „Zukunftskommission“ nicht vorstellt. Doch Eingeweihte befürchten das Schlimmste.

Oft fallen die vielsagensden Sätze ganz am Rande: „Wir wollen nicht in Haftung genommen werden für das, was am Ende rauskommt“, murmelt Richard Mergner bei einer Pressekonferenz. Morgen präsentiert Ministerpräsident Horst Seehofer den Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“. Mergners Verband, der Bund Naturschutz, saß mit am Verhandlungstisch. Die Beratungen sind beendet, die Ergebnisse stehen fest - doch Mergner hat keinen Schimmer, was genau im Bericht steht. Und das macht ihn unruhig.

Seehofer hatte die Kommission unter der Leitung des ehemaligen EU-Agrarkommissars Franz Fischler ins Leben gerufen. Ziel war es, einen „gesellschaftlichen Dialog über die künftige Rolle der Landwirtschaft“ zu führen und „konkrete Handlungsempfehlungen“ zu entwickeln. Eingeladen waren neben Umweltschützern und Vertretern der Bauern auch Sprecher der Industrie, beispielsweise ein Geschäftsführer von EDEKA. Und genau das, fürchten einige Teilnehmer, könnte ein Problem sein.

Viele Bauern treibt die Sorge vor Massentierhaltung mit importiertem Vieh und genmanipuliertem Futtermittel um. Zahlreiche Verbände forderten deswegen in der Kommission ein striktes Gen-Verbot, eine Abkehr von der Orientierung am Weltmarkt, einen „bayerischen Weg“. „Wir stehen vor einer Weichenstellung“, so Mergner. Weiter wie bisher oder endlich Reform?

„Wir wollen weg von der Industrialisierung der Landwirtschaft“, sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BdM). Es sei unsinnig, immer nur auf die weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu schielen. „Die erreichen wir eh nicht.“

„Immer mehr, immer billiger - das zerstört nur die Preise“, stimmt ihm Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), zu. Beide fordern eine Änderung der europäischen Förderungspolitik: Großbetriebe erhalten zehntausende Euro für ihre riesigen Flächen, „schaffen aber kaum Arbeitsplätze und erhalten nicht die Kulturlandschaft“, kritisiert Schmid. Stattdessen müssten bei den Subventionen „gesellschaftlich relevante Faktoren“ entscheiden.

Solche Faktoren aber dienen nur selten den Gewinnen großer Konzerne. „Es wird mehr mit der Landwirtschaft verdient, als in der Landwirtschaft“, sagt Mergner. Die Chemie- und Futtermittelindustrie verfolge ihre eigenen Pläne - und die hätten wenig mit der traditionellen, für Bayern typischen Landwirtschaft zu tun. Die Frage ist nur: auf wen hört die Staatsregierung?

Wie viele der Forderungen von Bauern und Umweltschützern noch im Abschlussbericht stehen, wenn ihn Seehofer morgen präsentiert, wird sich zeigen. Mergner, Schmid und Foldenauer fürchten, dass sich die Industrie-Lobby durchgesetzt haben könnte. „Wir hätten uns gewünscht, dass bei einigen Fragen abgestimmt wird - wir hatten ja meistens eine große Mehrheit“, erzählt Schmid von den Sitzungen der Kommission. Aber Abstimmungen, die wurden „vermieden“.

Thomas Schmidt

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