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Bayerns Schweinebauern blicken zur Zeit wegen eines Virus mit Sorge nach Tschechien. 

Äußerst ansteckende Seuche 

Alarm! Pest-Virus aus Tschechien - Angst auch in Bayern

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Bayerns Schweinebauern blicken mit Sorge nach Tschechien: Dort häufen sich Fälle der Afrikanischer Schweinepest. Die ist zwar für Verbraucher ungefährlich – Schweinehaltern kann sie aber die Existenz zerstören.

München – Reinhard Herb, 62, macht sich in diesen Tagen große Sorgen. Der Landwirt aus Sielenbach (Kreis Aichach-Friedberg) hat 1500 Schweine im Stall. Und er fühlt sich, als wäre ein Hurrikan vorhergesagt – „nur dass ich nicht weiß, wann er kommt, wie er kommt und was er alles kaputtmacht“. Doch mit dem Wetter hat all das nichts zu tun. Es geht um eine Tierseuche.

Mit Unbehagen blicken Bayerns Bauern derzeit nach Tschechien. Denn dort, etwa 300 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt, häufen sich seit Juni die Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen. Dabei handelt es sich um eine äußerst ansteckende Virusinfektion, die Wild- und Hausschweine befällt – und in den allermeisten Fällen tödlich endet. Das Virus wird über das Blut übertragen. Und Bayerns Bauern fürchten, dass die Seuche auch in den Freistaat schwappen könnte.

„Die Situation ist sehr besorgniserregend“

Denn gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es keine Impfung. Sollten im Freistaat Fälle bekannt werden, gibt es zwei Szenarien. Beim Fund eines infizierten Wildschweins wird ein Bereich von 15 Kilometern als „gefährdeter Bezirk“ ausgewiesen, wie Norbert Rehm vom Umweltministerium erklärt. In diesem Restriktionsgebiet würden für viele Monate verschärfte Auflagen für die Betriebe gelten. Deutlich drastischer wäre ein Befall in einem Betrieb. Der gesamte Bestand müsse dann getötet werden.

„Die Situation ist sehr besorgniserregend“, sagt Bauernverbandspräsident Walter Heidl. Eine Ausbreitung in Bayern hätte massive Folgen für den Handel mit Schweinefleisch. „Die Preise würden drastisch einbrechen.“ Für die betroffenen Betriebe wäre ein Befall „existenzgefährdend“, wie Bauer Reinhard Herb sagt. Rund um seinen Betrieb gibt es viele Forstflächen, in denen immer wieder Wildschweine unterwegs sind.

Der Bauernverband geht nun in die Offensive und will auch die Öffentlichkeit auf die Gefahr hinweisen. Denn: Es ist unwahrscheinlich, dass die Krankheit durch wandernde Wildschweine bis nach Bayern gebracht wird – die größte Verschleppungsgefahr geht vom Menschen aus.

Hinweis-Plakate an Autobahnraststätten und an Flughäfen angebracht

„Unsere größte Sorge sind weggeworfene Lebensmittel“, sagt Heidl – nicht erhitztes Schweinefleisch, etwa in Form von Salami oder Schinken, das aus den befallenen Gebieten in Tschechien, aber auch aus dem Baltikum oder Rumänien mitgebracht wurde und auf irgendwelchen Wegen im Magen der heimischen Wildschweine landet. Sei es durch Fernverkehrsfahrer, durch Saisonarbeiter, die derzeit im Bayerischen Wald bei Forstarbeiten helfen, oder aber Touristen, die Brotzeitreste an Autobahnraststätten wegwerfen. „Die Wildschweine wissen, wo die Mülleimer stehen“, sagt Heidl. Das Tückische: Der Erreger hält sich in rohem Fleisch bis zu einem Jahr. Deshalb gibt der Bauernverband nun Hinweise für Verbraucher (siehe Kasten).

An diejenigen, die die Afrikanische Schweinepest möglicherweise nach Bayern tragen könnten, habe man sich bereits gewandt, sagt Heidl. Es wurden mehrsprachige Hinweis-Plakate an Autobahnraststätten und Flughäfen angebracht, auch über den Verband der Spediteure sollen die Fernfahrer sensibilisiert werden. Und um das Einschleppungsrisiko durch Schwarzwild zu verringern, werden in den Staatsforsten an der Grenze zu Tschechien bereits vermehrt revierübergreifende Drückjagden durchgeführt und sogenannte Saufänge eingesetzt. Heidl betont: „Es gibt keinen Grund zur Hysterie. Aber zu höchster Vorsicht.“

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