Bayerns Brauer kämpfen mit Absatzrückgängen

München - Die Brauer feiern am Ostersamstag den “Tag des Bayerischen Bieres“. Mit über 40 Biersorten verfügt Bayern über die größte Vielfalt weltweit. Mehr denn je hat die Branche aber mit Absatzrückgängen zu kämpfen.

Die Deutschen trinken immer weniger Bier, auch die Bayern. Dennoch genießt bayerisches Bier nach wie vor eine Sonderrolle - und das weltweit. Knapp die Hälfte der 1325 bundesdeutschen Brauereien hat ihren Sitz im Freistaat. Einzigartig bleibt die Vielfalt des Marktes. In Bayern werden mehr als 40 verschiedene Biersorten gebraut. “Mit rund 4000 Marken sind rund drei Viertel aller deutschen Biermarken im Freistaat beheimatet“, sagt Michael Weiß, der Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Mit knapp 21,6 Millionen Hektoliter haben die 637 bayerischen Brauereien 2010 ihr bislang schlechtestes Jahr verzeichnet. Neben dem allgemeinen Trend hin zu nicht alkoholischen Getränken machte den Brauern vor allem der kühle und feuchte Sommer einen Strich durch die Rechnung. Insgesamt verzeichnete die Branche ein Minus von rund 700 000 Hektoliter.

Lediglich alkoholfreies Bier legte zu - und zwar um 21 Prozent auf rund 1,3 Millionen Hektoliter. Bundesweit hat sich der Konzentrationsprozess in den vergangenen Jahren weiter verstärkt. Die 72 großen deutschen Braustätten mit einer Kapazität von mehr als 200 000 Hektolitern teilen 84 Prozent des Gesamtabsatzes von zuletzt noch 98,3 Millionen Hektoliter unter sich auf. Zwei Drittel aller deutschen Braustätten zählen zu den Kleinbrauereien mit einem Ausstoß von bis zu 5000 Hektoliter im Jahr. Sie produzieren zusammen aber nur knappe 1,5 Prozent des gesamten deutschen Bierausstoßes.

Dennoch haben sich gerade die kleineren Brauereien im Freistaat im Konkurrenzkampf mit den sogenannten Fernsehbieren gut behauptet. “Wir kochen in kleineren Töpfen und können auf Marktgegebenheiten recht flexibel reagieren“, betont der Präsident des Verbandes Privater Brauereien, Gerhard Ilgenfritz. Die Kleinen profitieren dabei auch vom Trend zu regionalen Produkten und der zunehmenden Heimatverbundenheit der Verbraucher. Das gilt vor allem in Oberfranken, der Region mit der größten Brauereidichte der Welt, aber nicht nur dort.

“Bei den kleinen Brauereien hat der Brauer noch ein Gesicht“, beschreibt Ilgenfritz die persönliche Verbundenheit zwischen Produzenten und Konsumenten. Der Brauer setzt sich zu seinen Gästen an den Tisch oder zapft das Bier selbst am Tresen. Das Traditionsbewusstsein der Freunde des Gerstensaftes spielt eine genauso große Rolle wie die Innovationsfreude der handwerklichen Brauer, die der Brauerbund seit Jahren mit der Verleihung der Goldenen Bieridee fördert.

Die Geschichte des diesjährigen Preisträgers, der Rhanerbräu in Schönthal (Landkreis Cham), reicht bis Ende des 13. Jahrhunderts zurück. Sie pflegt die Bierkultur mit Spezialitäten und kulinarischen Genüssen im eigenen Bräustüberl. Ihr helles und dunkles Bockbier haben Stephanie und Alois Plößl nach ihren Kindern Lilly und Maxi benannt.

Urtümliche Wirtshauskultur vermittelt auch die Kathi-Bräu in Heckenhof in Aufseß. Die nur 1400 Einwohner zählende Gemeinde im Landkreis Bayreuth ist mit vier Brauereien seit zehn Jahren im Guinnessbuch der Rekorde verewigt. Die legendäre Kathi Meyer hat dort selbst gebraut, bis sie 1993 im Alter von 85 Jahren starb. Ihr Nachfolger Josef Schmitt beschreibt das Erfolgsrezept der Kleinstbrauerei mit nur 1000 Hektoliter im Jahr: “Man muss seine Gäste kennen, “Grüß Gott“ sagen und sich auch mal zu ihnen setzen.“

“Wir fahr'n zu Kathi“ oder “Wir geh'n zum Conny“, verabreden sich Freunde und Bekannte. Konrad (“Conny“) Krug im benachbarten Breitenlesau hat seinen Bierausstoß im vergangenen Jahr sogar noch gesteigert - um 4000 auf 32 000 Hektoliter und das ganz ohne Werbung “Angefangen habe ich 1975 mit 300 Hektoliter“, beschreibt der 57-Jährige seine Erfolgsgeschichte. Seine Bierspezialitäten wie das dunkle Lager oder der neue “Kraftstoff“ sind zum Selbstläufer geworden, den Getränkegroßhändler in den umliegenden Städten gerne in ihr Sortiment nehmen.

dpa

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