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Solarparks in Bayern: Aiwanger will Transparenz - und verrät Zukunftsvision von Schrebergärten

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Von: Dominik Göttler

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Energieminister Hubert Aiwanger spricht im Interview über das Potenzial von PV-Parks und seine Vision vom Schrebergarten unterm Solarmodul.

München – In vielen bayerischen Gemeinden entstehen gerade neue Solarparks auf dem Acker. Energieminister Hubert Aiwanger (FW) hält das für eine gute Entwicklung, mahnt aber zu mehr Bürgerbeteiligung bei den Planungen für neue Anlagen.

Herr Aiwanger, in Bayern wird gerade ein Solarpark nach dem anderen gebaut. Eine gute Entwicklung?

Ja, das ist eine gute Entwicklung, weil wir mit PV-Strom in Bayern am günstigsten unterwegs sind. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass die Möglichkeiten für PV-Freiflächen in Bayern massiv ausgeweitet werden. Vor einigen Jahren war der Ausbau noch auf 30 PV-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen pro Jahr gedeckelt – mittlerweile sind wir nach intensiven Verhandlungen mit der CSU bei 200. Und die haben wir im vergangenen Jahr auch fast ausgeschöpft. Dazu kommen immer mehr Anlagen, die gar keine EEG-Förderung wollen, weil sie zum Beispiel einen Betrieb versorgen, ohne ins Stromnetz einzuspeisen.

Bayerns Energieminister Aiwanger möchte drei Mal mehr Strom aus PV-Anlagen

Wäre es nicht sinnvoller, mehr PV-Anlagen auf die Dächer zu bringen?

Klar, die müssen wir auch voll machen. Aber die sogenannten Stromgestehungskosten, also die Kosten für die Energieumwandlung in elektrischen Strom, sind bei PV-Freiflächenanlagen nur halb so hoch wie auf dem Dach. Auch die Montage ist einfacher, da kommen wir schneller voran. Wir brauchen beides. Aktuell kommt 16 Prozent des bayerischen Stroms aus PV-Anlagen in der Fläche und auf dem Dach. Ich gehe davon aus, dass wir das bis 2030 verdreifachen können.

Haben Sie keine Bedenken, wenn durch den Ausbau landwirtschaftliche Anbaufläche verloren geht?

Im Idealfall geht sie nicht verloren, sondern wird trotz PV-Anlage weiter genutzt. Etwa als Schafweide, als Beerengarten oder als überdachter Hopfengarten – da gibt es viele Möglichkeiten, die leider noch nicht alle genutzt werden. Wenn die Fläche nicht nur gemulcht, sondern auch ökologisch aufgewertet wird, profitiert auch der Artenschutz. Zum Beispiel mit kleinen Tümpeln oder Wurzelstöcken als Heimat für Kleingetier oder Bodenbrüter.

Bayern: Verteilnetze müssen besser koordiniert werden

Vielerorts reichen die Kapazitäten des Stromnetzes gar nicht für die neuen Anlagen aus. Hat die Staatsregierung den Ausbau verschlafen?

Im Rückblick einen Schuldigen zu suchen, das ist müßig. Zuständig sind die Stromnetzbetreiber, aber die sind von der Entwicklung auch überrollt worden. Deswegen wollen wir den Ausbau der Verteilnetze jetzt besser koordinieren und haben dazu gerade eine Vereinbarung mit allen Beteiligten geschlossen. Wir brauchen Hunderte neue Umspannwerke und Hunderte Kilometer neuer kleiner Leitungen vor Ort. Dazu gehört aber auch, dass sich die Kommunen bei der Planung von PV-Anlagen und Windrädern Gedanken machen: Wo ist das Stromnetz noch aufnahmefähig? Und dann können Solarparks und Windräder auch gerne nebeneinander stehen.

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Können Sie die Sorge mancher Bürger nachvollziehen, dass ihre Heimat mit dem Bau von Solarparks nach und nach ihr Gesicht verliert?

Natürlich. Das Problem ist, dass viele Kommunen und damit auch die Bürger in der Vergangenheit häufig vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Da haben sich die Landwirte einen Investor gesucht und wollten loslegen – und der Bürgermeister fällt aus allen Wolken. Das ist der falsche Weg.

Aiwanger: „PV-Parks wie Schrebergärten an Bürger verpachten“

Wie sollte es laufen?

Die Kommune, die Netzbetreiber und die Bürger müssen bei der Planung miteingebunden sein. Die Kommune muss an der Einspeisevergütung beteiligt sein. Und die Planungen müssen möglichst sozialverträglich und naturschonend sein. Nicht einfach 100 Hektar mit Stacheldraht einzäunen, sondern vielleicht einen Spazierweg mit Infotafeln schaffen, sodass der Bürger beim Gassigehen sieht, was da eigentlich passiert. Ich könnte mir sogar vorstellen, die Flächen in PV-Parks wie kleine Schrebergärten an Bürger zu verpachten. Dann kann man da am Wochenende mit den Kindern hinfahren, seine Erdbeeren ernten und eine Halbe Bier trinken. Und schon sieht es mit der Akzeptanz gleich ganz anders aus.

Das Interview führte Dominik Göttler.

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