Bayerns erste Ambulanz für Pädophile startet

Regensburg - In wenigen Wochen soll in Regensburg die erste bayerische Ambulanz zur Behandlung pädophiler Männer starten.

Das Projekt richte sich aber nicht an Täter, die schon mehrfach Kinder missbraucht haben und vom Gericht zu einer Therapie verurteilt worden sind, sagte der Leiter der Regensburger Forensik, Michael Osterheider, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir wollen Männer ansprechen, die bei sich selbst merken, wir haben pädophile Neigungen und wollen etwas machen, damit es nicht zu Straftaten kommt."

Vorbild des Modellvorhabens ist ein ähnliches Projekt an der Berliner Charité. Osterheider hatte die Ambulanz bereits vor dem Bekanntwerden der aktuellen Missbrauchsfälle geplant und seit dem vergangenen Jahr um die Finanzierung gekämpft. Zunächst hatte sich kein Ministerium für die Idee zuständig gefühlt. Ende Februar hat nun der bayerische Landtag doch noch Geld für das Pilotprojekt zugesagt. Für dieses Jahr sollen zunächst 200.000 Euro fließen. Damit könnten nun Stellen für einen Facharzt und ein bis zwei Psychologen geschaffen werden, sagte Osterheider.

Das Projekt soll im April beginnen und ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Für die kommenden beiden Jahre werden weitere 600.000 Euro benötigt. Diese Mittel müssen noch bewilligt werden. Der Psychiatrie-Professor rechnet mit mehreren hundert Männern aus dem ganzen Freistaat, die sich behandeln lassen wollen. Später soll das Projekt wissenschaftlich ausgewertet werden. Osterheider kann sich vorstellen, dass dann Ambulanzen an verschiedenen bayerischen Kliniken entstehen.

"Wir haben ein reines Präventionsprojekt geplant", betonte Osterheider. "Kerngedanke ist, dass die Männer nicht Täter werden." Es gehe darum, die Kinder zu schützen. "Der Staat investiert da nicht in Täterarbeit, sondern in Opferprävention." Für die Betroffenen sei die Teilnahme zunächst einmal kostenlos. Wenn eine längerfristige Therapie nötig werde, übernehme das dann voraussichtlich die jeweilige Krankenkasse, sagte Osterheider.

Bei der Diskussion um den aktuellen Missbrauchsskandal sieht der Forensik-Experte anders als mehrere deutsche Bischöfe durchaus einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Übergriffen auf Kinder. Zwar sagte Osterheider: "Nur weil es Zölibat in der katholischen Kirche gibt, werden die Leute nicht pädophil." Aber bei den jungen Männern, die sich für den Priesterberuf entschieden, sei "eine Auswahl von Männern dabei, die gar keinen Wert darauf legen, die allgemein akzeptierte Sexualität zu leben". Diese Männer könnten homosexuell sein oder auch auf Kinder stehen. "Und gerade in der katholischen Kirche, allerdings auch in anderen Institutionen, ist ja die Verfügbarkeit von Kindern gegeben - das muss man so drastisch sagen", betonte Osterheider. Dies sei daher "ein Biotop, für Leute mit sexuellen Präferenzstörungen".

dpa

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