Heinrich Traublinger.

Heinrich Traublinger geht

Bayerns Handwerker-Chef nimmt Abschied

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München - Seit langer Zeit ist er das Gesicht des Handwerks in Bayern: Nach 20 Jahren gibt nun Heinrich Traublinger seinen Posten als HWK-Präsident für München und Oberbayern ab. Ein Abschied von einem Mann, der sich wie kaum ein anderer für das Handwerk stark gemacht hat.

Von Abschied will Heinrich Traublinger lange Zeit nichts wissen. Seit Monaten steht zwar fest: Der Spitzenfunktionär des bayerischen Handwerks nimmt seinen Hut. Ende Juli räumt er den Posten als Präsident der Handwerkskammer (HWK) für München und Oberbayern, im Oktober zieht er sich auch als Präsident des bayerischen Handwerkskammertages zurück. Doch darüber redet er nicht gerne. Nach 20 Jahren fällt ihm, Bayerns Chef-Handwerker, der Abschied sichtlich schwer.

Schon vor Jahren hat Traublinger, der Bäckermeister, die Arbeitsschürze gegen Anzug und Krawatte getauscht. Stundenlang kann er über die Belange des Handwerks reden – Energiekosten, Steuern, Gebäudesanierung, Meisterpflicht und und und. Da hebt er die buschigen Augenbrauen – und formuliert mit Nachdruck seine Forderungen an die Politik. Traublinger spricht für über 100 000 Handwerksbetriebe mit rund 900 000 Beschäftigten in Bayern. Das zeigt Wirkung. Und er weiß genau, wo der Handwerker-Schuh drückt – auch aus dem eigenen Betrieb.

Der heute 71-jährige macht in den 1950er Jahren eine Handwerkslehre zum Bäcker, 1963 besteht er die Meisterprüfung als Bäcker, 1965 als Konditor. Als junger Mann steigt er in den elterlichen Betrieb ein – die Münchner Bäckerei Traublinger an der Rosenheimer Straße, die in den 1970er Jahren nach Neuperlach, 1990 nach Heimstetten umzieht. Unter ihm expandiert der Betrieb. Anfang der 1980er Jahre steigt auch sein Sohn Heinrich Traublinger junior in die Bäckerei ein. Familientradition – mittlerweile in vierter Generation.

Traublinger Senior bleibt so mehr Zeit für sein politisches Engagement, das mit den Jahren immer umfangreicher wird. Bereits 1964 wird er Mitglied der CSU. 1972 zieht er in den Stadtrat ein, 1986 in den bayerischen Landtag, in dem er bis 2008 sitzt. 1990 wird er Landesinnungsmeister für das bayerische Bäckerhandwerk, 1994 schließlich Präsident der HWK für München und Oberbayern, der größten Deutschlands – Bayerns Spitzenfunktionär in Sachen Handwerk.

Eines seiner größten Anliegen: die Gleichwertigkeit von beruflicher und schulischer Bildung. Unumstritten, dass es vor allem seinem Einsatz zu verdanken ist, dass Handwerksmeister in Bayern mittlerweile an der Universität studieren können. In seiner Arbeit als Handwerks-Funktionär geht Traublinger auf. Doch nach 22 Jahren gibt er 2012 den ersten seiner zahlreichen Posten ab, den des Bäckerinnungsmeisters. Stück für Stück folgen nun weitere.

Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass es um den 71-Jährigen bald ruhig werden wird. Auch er selbst winkt ab. Abschied? Der Traublinger doch nicht. Für die Belange des Handwerks werde er auch weiterhin wirken. „Wirtschafts-, Finanz- und vor allem Handwerkspolitik bleiben meine Themen.“ Gelegenheiten, sich für das Handwerk einzusetzen, finden sich sicher auch in Zukunft. Schließlich sitzt Traublinger auch weiterhin etwa im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Handwerksmessen und im Verwaltungsrat des ifo-Instituts.

Er freue sich aber auch auf „ein Stück mehr Freizeit“, räum er ein. Die will er nutzen – zum Jagen, Fischen, für die Fliegerei und seine Rauhaardackel-Zucht. Traublinger ist verheiratet, hat einen Sohn, eine Tochter und sieben Enkelkinder. Das Familienunternehmen hat längst der Sohn übernommen. Nur noch auf dem Papier sei er Geschäftsführer. Und so ist Traublinger bald nicht nur MdL a.D., sondern auch HWK-Präsident a.D. Der Abschied von einem weiteren Amt – aber sicher nicht von Heinrich Traublinger und seinem Engagement für das bayerische Handwerk.

Münchner Metzgermeister könnte der Neue sein

Georg Schlagbauer.

Nach einem Bäckermeister könnte bald ein Metzgermeister bei den oberbayerischen Handwerkern das Sagen haben: Georg Schlagbauer, 42, gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge als Handwerkskammerpräsident für München und Oberbayern.Der Metzgermeister ist Landesinnungsmeister des bayerischen Fleischerhandwerks und Mitglied im Vorstand der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Ebenso wie der amtierende HWK-Präsident Heinrich Traublinger ist er politisch aktiv. Schlagbauer sitzt seit 2008 für die CSU im Münchner Stadtrat. Im Mai hat er sich CSU-intern als Wiesn-Stadtrat durchgesetzt – er ist also künftig das Bindeglied zwischen den Wirten und Schaustellern auf dem Oktoberfest und dem Münchner Stadtrat. Schlagbauer ist verheiratet und hat zwei Töchter. Wie bereits sein Großvater und sein Vater ergriff er nach dem Gymnasium den Beruf Metzger. Seine Metzgerei „Schlagbauer“, die er 1999 gründete, hat mittlerweile zwei Filialen – am Viktualienmarkt und in der Isarvorstadt.

Zu seiner Kandidatur als Handwerkskammer-Präsident will sich der 42-Jährige nicht äußern. Auch der amtierende Präsident Heinrich Traublinger hält sich bedeckt. Über den neuen Handwerkskammerpräsidenten entscheidet schließlich die Vollversammlung, die am 28. Juli zur Wahl zusammenkommt.

Die Versammlung setzt sich grundsätzlich aus 42 Selbstständigen und 21 Arbeitnehmern zusammen, nach einem Schlüssel auf alle Gewerke verteilt. Der neue Präsident braucht eine absolute Mehrheit – also mindestens 32 Stimmen, um gewählt zu werden.

Manuela Dollinger

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