Bayerns Hauptschulen droht Lehrermangel

München - Während es schon bald zu viele Gymnasiallehrer in Bayern gibt, schlägt das Kultusministerium bei Hauptschulen Alarm: 2015 könnte die Hälfte der benötigten Lehrer fehlen.

An Bayerns Haupt- und Mittelschulen werden nach den Schülern in den kommenden Jahren auch die Lehrer knapp. Das geht aus den Prognosen des Kultusministeriums zu Schülerzahl und Lehrerbedarf hervor. “Wir werden in den kommenden Jahren tausende Lehrkräfte für Haupt- und Mittelschule benötigen“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle der Nachrichtenagentur dpa.

Derzeit besuchen noch etwa ein Drittel der bayerischen Schüler eine Haupt- oder Mittelschule - in diesem Schuljahr gut 220 000 Kinder und Jugendliche. 2015 werden es nach den bisherigen Schätzungen des Kultusministeriums etwa 50 000 weniger sein. “Der Anteil der Hauptschüler wird nach der Prognose von derzeit einem Drittel auf ein Viertel oder ein Fünftel zurückgehen“, sagt Spaenle dazu.

Die Gründung der Mittelschule sei die strategische Antwort auf diese Situation. “Die Schulverbünde geben uns die Möglichkeit, auch kleine Standorte zu erhalten. Mit der neuen Förderkulisse und der Möglichkeit des mittleren Abschlusses werden vielleicht manche Eltern sagen: Unser Kind soll bei uns im Ort bleiben und die Mittelschule anstelle der Realschule besuchen.“

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Gleichzeitig gibt es aber derzeit bei den Studenten viel zu geringes Interesse am Hauptschullehrerberuf. In den kommenden Jahren gehen sehr viele Lehrer in Pension. Laut Bedarfsprognose werden im Jahr 2015 genau 1000 neue Hauptschullehrer gebraucht - es sieht jedoch derzeit so aus, als ob nur 480 Nachwuchskandidaten in diesem Jahr ihr Studium beenden würden.

Für die Folgejahre erwarten die Experten des Kultusministeriums einen ähnlich gravierenden Mangel. Bei den Gymnasiallehrern hingegen ist es umgekehrt: Für mehrere Fächerkombinationen sind weit mehr Studenten eingeschrieben als in den nächsten Jahren Lehrer benötigt werden - vor allem in den philologischen Fächern wie Deutsch oder Englisch. Gesucht werden nach wie vor Lehrer in den naturwissenschaftlichen Fächern.

“Bei den Gymnasiallehrern - vor allem in den philologischen Fächern - haben wir zu viele Bewerber“, sagt Spaenle. “Mein Ziel ist darum, die Lehrerausbildung zu flexibilisieren, damit die Studierenden während des Studiums durch eine zusätzliche Belegung von Lehrveranstaltungen leichter einen anderen Abschluss erwerben können, als sie ihn zunächst angestrebt hatten.“

Eine Einheitsausbildung für alle Lehrer lehnt Spaenle ab: Ein Stufenlehrer für alle Schularten wäre “ein Käse“, sagt der CSU- Politiker. “Die Qualität der schulartbezogenen Ausbildung würde darunter leiden.“

Die sinkenden Schülerzahlen an den Hauptschulen bieten nach Spaenles Einschätzung auch eine Chance: Weniger Kinder bedeuten jedoch auch bessere Möglichkeiten für Hauptschüler, eine Lehrstelle zu finden: “Die Demografie kommt uns in einem Punkt zu Hilfe: Die Ausbildungschancen verbessern sich“, sagt Spaenle. “Wir haben schon viele Initiativen von Schulen, Kommunen, Kammern und Verbänden, die die jungen Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen.“ Diese Ansätze möchte ich auf Landesebene zu einer Gesamtstrategie verdichten.“

dpa

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