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Deutsch lernen die Flüchtlinge vor allem dank Ehrenamtlicher. Die Helfer sind jedoch am Ende ihrer Kräfte. Sie fordern mehr Unterstützung vom Staat.

Ehrenamtliche Kritisieren Asylpolitik

Die Helfer fordern Hilfe

München - 57 Asyl-Helferkreise in Bayern haben sich zusammengetan und einen Brandbrief an Innenminister Herrmann geschrieben. Sie sind sauer. Die Regierung werfe ihnen mit ihrer Flüchtlingspolitik „Knüppel zwischen die Beine“. Das beste Beispiel: Herrmanns Arbeitsverbot für bestimmte Flüchtlinge.

Als er die Geschichte des jungen Senegalesen hörte, war für Adi Hösle klar, dass er etwas unternehmen muss. Ein junger Mann, hochintelligent, spricht fünf Sprachen, hat sich innerhalb von neun Monaten perfekt integriert – und er darf keines der Arbeitsangebote annehmen, die er bekommen hat. Wegen des Arbeitsverbots, das Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor einigen Wochen für Flüchtlinge erlassen hat, die aus sicher geltenden Herkunftsländern stammen. Dazu zählen nach der Dienstanweisung auch die afrikanischen Staaten Senegal und Ghana.

Adi Hösle, Leiter des Helferkreises im schwäbischen Babenhausen, hat ein Rundmail an andere Helferkreise geschrieben. „Es ist sofort eine lebhafte Diskussion entstanden“, erzählt er. Viele Helfer in Bayern haben etwas auf der Seele, dass sie der Regierung schon lange sagen wollen. Nun haben sie es getan. In einem Brandbrief. Ihre Arbeit werde nicht gebührend gewürdigt und respektiert, schreiben sie. Im Gegenteil: Staatsregierung und Innenministerium würden den Ehrenamtlichen durch ihre Flüchtlingspolitik sogar noch „Knüppel zwischen die Beine“ werfen. „Mit Dienstanweisungen wie dem Arbeitsverbot handeln sie gegen unsere Integrationsarbeit“, sagt Hösle. „Es ist absurd, dass die Flüchtlinge bei uns in Deutschland schon wieder erfahren müssen, dass nicht alle Menschen gleich sind.“

Bisher haben die Helferkreise noch keine Antwort vom Minister bekommen. Der Brief werde aktuell bearbeitet, teilte das Innenministerium mit. Von anderen Ehrenamtlichen bekommt der Babenhausener dafür ständig Post. Der Brief, so scheint es, spricht unheimlich vielen Menschen in Bayern aus der Seele.

Eine von ihnen ist Angelika Burwick. Sie leitet den Helferkreis in Zorneding (Kreis Ebersberg). „Wir Ehrenamtlichen stecken unsere ganze Kraft in das Engagement für Flüchtlinge“, sagt sie. „Wir sind langsam am Ende unserer Kräfte.“ Sie will nicht nur für die Ehrenamtlichen sprechen – sondern auch für die Mitarbeiter der Behörden. „In unserem Landratsamt hat das Gesundheitsamt anderthalb Stellen“, erzählt sie. Die Mitarbeiter seien heillos überlastet. Das merke sie schon daran, dass die Behörden-Emails an den Helferkreis manchmal schon um 7 Uhr morgens kommen. Und manchmal noch um 22 Uhr. „Es müssen endlich mehr Stellen für die Flüchtlingsbetreuung geschaffen werden“, sagt Burwick. Die Mitarbeiter in den Landratsämtern arbeiten sich genauso auf, wie die Ehrenamtlichen, betont sie. „Weil es um Menschen geht – da will niemand die Arbeit aufschieben.“

Katrin Woitsch

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