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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Sieben Fälle in München

Bayerns Innenminister: Harte Strafen für Horror-Clowns

Übergriffe von „Grusel-Clowns“ halten jetzt auch München in Atem. Sieben Fälle von maskiertem Rowdytum registrierte die Polizei seit Freitag. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte ein hartes Vorgehen der Polizei an.

Der Zehnjährige war am Freitag gerade mit dem Fahrrad auf dem Weg vom Fußballtraining nach Hause, als der Grusel-Clown zuschlug. Mit einer Axt, die er hin und her schwang, sprang ein Unbekannter aus dem Gebüsch. Schreiend lief er auf den Zehnjährigen zu. Völlig panisch radelte das Kind aus dem Westpark, erzählte seiner Mutter zu Hause weinend, was passiert war. Der Bub sah, dass der Unbekannte mit Clowns-Maske sich selbst bei seiner Aktion filmte.

Ein Handyvideo von der Aktion zu drehen und es dann im Internet zu veröffentlichen, ist ein beliebtes Ritual der rabiaten Clowns. „Bei diesen sogenannten Clown-Prank-Videos, einem Trend, der aus Amerika kommt, geht es darum, Passanten einen Schreck einzujagen“, erklärt Pressesprecher Florian Hirschauer. Mit Clownsmasken vor dem Gesicht täuschen die Täter eine Attacke auf Passanten an. Häufig haben sie dabei Messer, eine Axt oder etwas Ähnliches dabei, um die Schockwirkung zu verstärken. „Wir gehen von vielen Nachahmern aus, die auf den Trend aufspringen“, sagt Hirschauer. Denn was im Internet gerade angesagt ist, bringe für das eigene Video mehr Klicks. Die Grenze zu einem Scherz ist allerdings überschritten, sobald jemand in Panik versetzt wird – gerade in einer Zeit, in der die Bevölkerung ohnehin sehr sensibel ist. Laut Hirschauer nimmt die Polizei alle Fälle, in denen „Grusel-Clowns“ in Erscheinung treten, ernst. „Oft sind das sicher Menschen, die nicht abschätzen, was sie da machen. Sie sind sich der Folgen ihrer Aktion nicht bewusst.“

Seit Freitag registrierte die Polizei sieben Grusel-Attacken in München. Ebenfalls am Freitag wählte ein Unbekannter den Notruf, weil er an der Bushaltestelle am Wintrichring jemanden mit Clownsmaske gesehen habe. Der Unbekannte soll wild mit einem Küchenmesser herumgefuchtelt haben. Als die Polizei anrückte, waren sowohl Clown als auch Anrufer weg. Bei der Fahndung nach dem Maskierten trafen die Beamten allerdings in Moosach auf drei Kinder im Alter von 13 und 14, die sich als Clowns verkleidet hatten. Am Wintrichring war zuvor keiner der Drei.

Video: So schützen Sie sich vor den Horror-Clowns

In der Nacht zum Samstag riefen mehrere Passanten die Polizei, weil sie am Sendlinger-Tor-Platz Clowns gesehen haben wollten – einer soll sich „zombieartig“ fortbewegt haben, ein anderer an einer Bushaltestelle komische Geräusche von sich gegeben haben. Am Samstagabend sollen sich auf der Herzogstraße in Schwabing sowie an der Ruppertsberger Straße in Obergiesing Menschen mit Clown-Masken aufgehalten haben. Letzterer soll mit einem Baseballschläger in einem Innenhof gestanden haben. Auch im Olympiapark wollen Passanten drei Jugendliche in Clownskostümen gesehen haben. Sie sollen Pyrotechnik dabei gehabt haben.

Wer hinter den Clowns steckt? „Das kann jeder sein – vom jugendlichen Nachahmer bis zum Psychopathen“, sagt der psychologische Psychotherapeut Uwe Wetter. Hinter den Clownsmasken steckten häufig Menschen, die „Macht ausüben und zugleich anonym bleiben wollen“ Sie liebten solche Horrorszenarien. Die große Medienresonanz sei dabei „doppelt reizvoll“.

In drei Fällen rund um Augsburg handelte es sich nur um Kinder oder Jugendliche, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. So wie in Gersthofen, wo drei 14-Jährige „sich einen Spaß machen wollten“ und Spaziergänger erschreckten. In Aschaffenburg schockierte ein Student (21) zwei 16-Jährige wohl eine „Nachahmungstat“, vermutet die Polizei.

Joachim Herrmann über Grusel-Clown-Fälle: „Wir werden nichts durchgehen lassen“

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte eine harte Reaktion der Polizei an. Die Täter dürften nicht mit Nachsicht rechnen, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Er betonte die Folgen für die Opfer: „Wir werden da deshalb auch nichts durchgehen lassen und jeden Fall ahnden“, sagte er. „Aus einem vermeintlichen Scherz wird dann für den Täter bitterer Ernst.“ Je nach Vorgehen stehen Straftaten wie Bedrohung, Nötigung und Körperverletzung im Raum. Auf besonders schwere Fälle von Nötigung steht eine Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahre.

Stefanie Wegele und Anne Hund

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