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„Red mit!“ steht auf dem Plakat, mit dem Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer quer durch den Freistaat reist. Er will wissen, wie die Bürger über das Flüchtlingsthema denken.

Der Integrationsbeauftragte auf Bayerntour

Asyl-Check: Mitreden ausdrücklich erwünscht

München - Martin Neumeyer, der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, will reden. Er reist durch alle Regierungsbezirke, um zu erfahren, was die Bürger über die Asylpolitik denken. Und um seine eigenen Gedanken zu dem Thema weiterzugeben.

Martin Neumeyer hat sich warm angezogen. Nicht nur, weil er weiß, dass es eisig kalt wird an diesem Nachmittag in der Münchner Fußgängerzone. Er ahnt, dass den Menschen, die an seinem Stand stehen bleiben werden, einiges auf der Seele brennt. Sie wollen loswerden, was sie ärgert. Und sie kommen mit Fragen – nicht auf alle kann der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Antworten liefern. Zumindest nicht sofort. Deshalb hat er einen Notizblock dabei. Während ein paar Meter weiter an einem anderen Stand Salafisten kostenlos den Koran verteilten, verteilt Martin Neumeyer (CSU) seine Handynummer. Das „Red mit!“, das hinter ihm auf einem Plakat steht, meint er ernst. Er will wissen, wie die Stimmung zur Flüchtlingssituation bei den Menschen ist.

Deshalb reist er die kommenden Wochen durch alle bayerischen Regierungsbezirke. Um sich über die Zuwanderungs- und Asylpolitik im Freistaat zu unterhalten, um zu informieren – und um zuzuhören. Die Bayern-Tour des Integrationsbeauftragten hat gerade erst begonnen – aber schon jetzt ist er optimistisch. „Die allermeisten Menschen haben Verständnis für die Flüchtlinge“, sagt er. „Sie wollen helfen – solange sie das Gefühl haben, dass eine Lösung in Sicht ist.“

Momentan spitzt sich in den meisten bayerischen Landkreisen die Situation allerdings wieder zu. Aus Turnhallen werden wieder Notfallunterkünfte, die Gemeinschaftsunterkünfte und Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge sind fast wieder so hoffnungslos überfüllt, wie zur schlimmsten Zeit im Sommer. Das liegt an dem enormen Flüchtlingszustrom aus dem Kosovo. Allein in der Münchner Bayernkaserne kamen am Wochenende 600 Asylsuchende an – die meisten vom Balkan. In der Turnhalle in Taufkirchen (Landkreis München) sind seit Montag 200 Kosovaren untergebracht, in anderen Landkreisen werden ebenfalls Notunterkünfte hergerichtet. Die Anträge der Kosovo-Flüchtlinge sollen binnen zwei Wochen bearbeitet werden, die Chancen auf ein Asylverfahren in Deutschland gehen gegen Null, sagt Neumeyer. Aber trotzdem belegen die Menschen erst einmal Plätze, die dringend für Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern gebraucht werden.

Über den Massen-Exodus wird seit Tagen viel diskutiert. Zum Beispiel darüber, ob der Kosovo als sicheres Herkunftsland erklärt werden sollte, um damit die Grundlage eines Asylverfahrens zu entziehen. „Das würde es leichter machen, gegen die Schleuser vorzugehen“, sagt Neumeyer. „Sie nehmen den Verzweifelten ihr letztes Geld ab – nach ein paar Wochen werden die Menschen aus Deutschland in ihre Heimat zurückgeschickt und ihre Situation ist aussichtsloser als zuvor.“ Neumeyer ist überzeugt: Das aktuelle Flüchtlingsproblem ist allein in Deutschland nicht zu lösen. „Wir müssen vor Ort helfen. Und vor allem aufklären.“ Den organisierten Missbrauch des Asylrechts, von dem Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) gesprochen habe, dürfe man nicht den Menschen vorwerfen, sagt Neumeyer. Sondern nur den Schleusern. Das betont er bei jeder Gelegenheit, wenn er am Infostand auf den Flüchtlingszustrom aus dem Kosovo angesprochen wird.

Manchmal erzählt er auch eine andere, sehr persönliche Geschichte: Bayerns Integrationsbeauftragter hat neulich eine Nacht in einer Gemeinschaftsunterkunft in Augsburg verbracht. Als „Asylbewerber Neumeyer“. Er hat den gleichen Stapel Decken und Handtücher bekommen wie die Flüchtlinge. Er hat nachts kaum schlafen können, weil ständig Türen klapperten und es in dem großen Schlafsaal so laut war. Er war der einzige hellhäutige Mann beim Duschen. Wie ein Exot habe er sich gefühlt, berichtet er. „Das sind Dinge, die kann man sich nicht anlesen“, sagt er. „Sowas muss man einmal selbst erfahren haben, um mitreden zu können.“

Katrin Woitsch

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