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Auf Bayerns Bauernhöfen geht es neuerdings kunterbunt zu. Einige Landwirte haben gerade Besuch von berühmten Graffiti-Künstlern bekommen. Elmar Lause alias „Loony Lobster“ hat zum Beispiel eine fast 18 Meter große Kuh mit Sonnenbrille auf eine Güllegrube gesprayt.

Farbenfroh wie nie

Geniale Graffiti: Darum werden Bayerns Höfe bunt

Passau - So farbenfroh ging’s auf Bayerns Höfen noch nie zu. Graffiti-Künstler haben die Spraydose gezückt und verrückte Kuh-Kunstwerke geschaffen. Auf Silos, Güllegruben und Maschinenhallen. Klar, zur Gaudi - aber nicht nur.

Niederbayern überrascht einen doch immer wieder. Die Kuh, die einen auf dem Kollerhof in Untergriesbach bei jedem Schritt beobachtet, trägt eine lässige Sonnenbrille, auf dem Kopf hat sie ein Käppi. Darauf steht: „Ich liebe Milch“. Um den Hals baumelt eine ziemlich prollige Kette, bei der jeder Möchtegern-Gangster auf der Stelle neidisch wird. „Das ist eine Stadtkuh, die aufs Dorf gekommen ist“, sagt Elmar Lause, der mit Künstlernamen „Loony Lobster“ heißt, also verrückter Hummer.

Vielleicht hat sich der lustige Wiederkäuer, der heute sogar die Titelseite unserer Zeitung schmücken darf, auch in diese Marktgemeinde gleich an der österreichischen Grenze verirrt. Man weiß es nicht, jedenfalls ist die Gangster-Kuh eine Attraktion. Ein Hingucker. Elmar Lause, ein begnadeter Graffiti-Künstler aus Hamburg, ist ihr Schöpfer. Er hat die Kuh auf die Güllegrube der Bauersfamilie Knon gesprayt. Seitdem, das ist keine Übertreibung, haben die Knons die vielleicht schönste Güllegrube unterm weiß-blauen Himmel. Immer wieder kommen Nachbarn vorbei, Freunde, Bekannte, Kinder sowieso, um das drei auf 18 Meter große Graffito-Kunstwerk zu bestaunen. Die Gangster-Kuh kommt schwer an.

Die Bauernhof-Graffiti gehen allesamt auf die Kappe der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Es ist nämlich so: Es gibt noch mehr davon. In allen sieben bayerischen Regierungsbezirken wurde ein Bauernhof ausgewählt, der Besuch von einem Graffiti-Künstler bekam. Die Bauern mussten sich bewerben. Auch die Künstler mussten vorab ihre Motive einreichen, eine Jury hat sich dann für die schönsten entschieden. Klar, es ist ein Marketing-Gag. Milch ist cool. Milch ist lustig. Die Milch soll ein lässiges Image verpasst kriegen. Darum geht es der Landesvereinigung. Milch soll Spaß machen.

Bilder: Bayerns kunterbunte Bauernhöfe

Es gibt einen Ort auf dieser Welt, da macht Milch schon immer Spaß, da brauchen sie keine Marketing-Gags, um zu wissen, wie prima dieses Lebensmittel ist: Es ist der Kuhstall von Simon Sedlmair, 55, aus Puchschlagen, Kreis Dachau. 280 Milchkühe hat der Vollblut-Landwirt. Alleine wäre das ein bisserl viel Kuh, deswegen helfen ihm seine Söhne Mathias, 29, und Simon, 27. Vor gut einem Jahr ist ein kleines Wunder auf dem Hof passiert: eine Kuh hat auf einen Schlag vier gesunde Kälbchen zur Welt gebracht. Das ist extrem selten. „Wir leben für die Milch“, sagt Simon Sedlmair. Ehrensache, dass sie sich auch um so ein Graffito-Kunstwerk beworben haben. Und siehe da: Die Sedlmairs wurden ausgewählt. Seitdem schmückt eine Kuh ihre Güllegrube, hinter ihr weiß-blaue Berge, grüne Wiesen und daneben Milchtropfen. Der in der Szene bekannte Künstler „Codeak“, der in Affing im Kreis Aichach-Friedberg lebt, hat drei Tage auf dem Hof der Sedlmairs gesprayt. Mit richtigen Namen heißt er Daniel Man, 46. Die Bauersfamilie findet das Ergebnis richtig gelungen. Aber nicht nur die Familie hat was vom Graffito. „Wenn ich die Stalltüre aufmache, können es sogar meine Kühe sehen“, sagt Simon Sedlmair. So muss das laufen. Alle glücklich.

Viele der Bauern haben sich mit den Graffiti-Sprayern, die bei ihnen zu Gast waren, auf der Stelle angefreundet. „Loony Lobster“ will demnächst Urlaub auf dem Bauernhof in Niederbayern machen, „Codeak“ hat versprochen, bald schon mit seiner Familie zu einem Besuch nach Puchschlagen zu kommen. Hier wächst zusammen, was sonst nicht zusammen gehört. Graffito und Landwirtschaft. Streetart und Kuhstall.

In Niederrieden, einem kleinen schwäbischen Dorf bei Memmingen, hat Mathias Köhler, 46, aus München gleich ein ganzes Hochsilo mit seinem Kunstwerk verziert. Es sieht so aus, als ob zwei Kühe einen Freudensprung machen würden. Wahrscheinlich machen sie einen. „Alles in Butter“ heißt das Kunstwerk von Mathias Köhler, den alle „Loomit“ nennen. Loomit sagt: „Ich komme selbst vom Land. Deshalb fühle ich mich generell mit der Materie Land- und Milchwirtschaft verbunden.“ Der Streetart-Künstler hat den Hof von Aloisia Frommel, auf dem 20 Milchkühe leben, aufgepeppt. Schon von Weitem sieht man die Graffiti-Kühe.

Berührungsängste mit der Graffiti-Szene kennt Aloisia Frommel, die Bäuerin, sowieso nicht. Früher hat sie gesagt: „Wenn ich jemanden kennen würde, der so was kann, würde ich meinen Hof sofort damit verschönern lassen.“ Jetzt hat sie endlich jemanden kennengelernt. Happy End in Niederrieden. Herrlich.

Bei der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft haben sich inzwischen schon die ersten Landwirte gemeldet. Sie wollten wissen, ob sie so was Buntes, so ein Sprühdings bittschön auch haben könnten. Graffiti-Boom auf Bayerns Bauernhöfen. Verrückte Sachen gibt’s. Grad schön.

Stefan Sessler

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