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Nervige Baustellen: Was Autofahrer ärgert, ist dringend nötig. Viele Autobahnen in Bayern müssen erneuert werden.

"Schlagloch-Soli" oder nicht?

Bayerns marode Autobahnen

München - „Schlagloch-Soli“ oder nicht? Über den Vorschlag des SPD-Politikers Torsten Albig wird hitzig diskutiert. Klar ist: Mehr Geld für die Instandhaltung von Straßen ist bitter nötig – auch in Bayern.

Der größte Schaden lauert unter dem Asphalt. Betonplatten verschieben sich mit der Zeit, werden spröde, reißen. Für Autofahrer ist das selten zu sehen, die Stellen werden oberflächlich ausgebessert. „Es ist wie bei einem alten Auto“, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern. „Draußen wird Lack draufgespritzt, aber innen rostet es.“

So steht es um viele Autobahnen in Bayern. Neueste Erhebungen zeigen, dass 30 Prozent der Fahrbahndecken im südlichen Freistaat „in kritischem Zustand“ sind. Bei einigen hat nur die Asphaltschicht Mängel, bei 18 Prozent der 1200 Fahrbahnkilometer geht es um Schäden am darunter liegenden Beton. Obwohl nur für 20 Jahre ausgelegt, sind die Bahnen oft 40 Jahre und älter. Seebacher sagt: „Da ist das Ende der Lebensdauer erreicht.“

Dass 2005 nur 20 Prozent der Fahrbahndecken marode waren, zeigt: Die Investitionen für die Instandhaltung großer und kleiner Verkehrswege hinken dem Bedarf seit Jahren hinterher. Insofern legt die Diskussion um einen „Schlagloch-Soli“, die Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) angestoßen hat, den Finger in eine alte Wunde: Für die Straßen muss mehr Geld her.

Aktuell liegt der Instandhaltungs-Rückstand im Süden Bayerns bei 400 Millionen Euro. Mit den 60 Millionen Euro, die der Autobahndirektion Südbayern in diesem Jahr zur Verfügung stehen, „können wir gerade den Ist-Zustand halten“, sagt Seebacher. Und mancherorts nicht mal das. Weil die Mittel, die aus dem Bundeshaushalt kommen, gesunken sind – im vergangenen Jahr waren es noch rund 90 Millionen Euro – musste die Autobahndirektion drei großangelegte Maßnahmen für insgesamt 15 Millionen Euro streichen; unter anderem beim größten Sorgenkind, der gut 40 Jahre alten A 3. Zwischen Pocking (Kreis Passau) und der Landesgrenze waren dringend notwendige Arbeiten am Betonuntergrund geplant. Fünf Millionen Euro, mehrere Monate Bauzeit. Doch es fehlt das Geld.

Ähnlich sieht es bei den 2000 Brücken in Südbayern aus. Laut Seebacher sind bei 36 Prozent „umgehende Haltungsmaßnahmen“ nötig. Manche Bauten sind so kaputt, dass sie weg müssen: Auf der A 95 etwa werden zur Zeit fünf Brücken zwischen Fürstenried und Starnberg abgerissen. Der Nachholbedarf liegt auch bei der Instandhaltung von Brücken bei gut 400 Millionen Euro.

Man darf nicht vergessen: Im Norden Bayerns gibt es nochmal 1200 Kilometer Autobahn. Hinzu kommen im ganzen Freistaat gut 6300 Kilometer Bundesstraßen, 3100 Kilometer Kreis- und 13 606 Kilometer Staatsstraßen. Für Letztere ist der Freistaat selbst zuständig. Auch im Innenministerium weiß man um den Investitionsrückstau. Wie eine Sprecherin bestätigte, wären rund 700 Millionen Euro nötig, um Mängel wie Fahrbahnrisse oder Schlaglöcher in den Staatsstraßen zu beseitigen. Der Gesamtetat für Straßenbau liegt allerdings im laufenden Jahr nur bei 215 Millionen Euro – 125 davon fließen in die Instandhaltung.

„Mehr Geld würden wir sicherlich nicht wegweisen“, sagt eine Ministeriums-Sprecherin. Seebacher sieht das genauso. Wo es herkommt, über Albigs Sonderfonds „Reparatur Deutschland“, der jeden Autofahrer rund 100 Euro jährlich kosten könnte, oder über eine Pkw-Maut, spielt für ihn nur eine Nebenrolle. Wichtig sei, dass die Mittel künftig zweckgebunden seien und nicht wie bislang in andere Bereiche fließen. Immerhin nimmt der Staat mit Verkehrssteuern gut 50 Milliarden Euro pro Jahr ein. Die zusätzlichen fünf Milliarden, die die Große Koalition bis 2017 in Aussicht gestellt hat, nehmen sich dagegen recht mickrig aus.

Marcus Mäckler

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