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Heinrich Bedford-Strohm tritt in wenigen Tagen seine Arbeit als neuer Landesbischof an.

Bayerns neuer Landesbischof macht Versprechungen

Nürnberg - Die evangelischen Christen in Bayern bekommen einen neuen Landesbischof. Der Theologie-Professor Heinrich Bedford-Strohm freut sich auf seine neue Aufgabe und macht Versprechungen.

Nur noch wenige Tage, dann wird aus dem Theologie-Professor Heinrich Bedford-Strohm offiziell der neue Landesbischof der evangelischen Christen in Bayern. Doch von Aufregung keine Spur beim 51-Jährigen: “Ich freue mich auf meine Arbeit, ich freue mich auf den Einführungsgottesdienst. Ich habe bereits jetzt viele Erfahrungen gemacht, die meinen Appetit auf die neue Tätigkeit steigern“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Am Sonntag (30. Oktober) findet der Gottesdienst in der Nürnberger Lorenzkirche statt. Zahlreiche Vertreter der evangelischen Kirche werden dabei sein, um Bedford-Strohm Gottes Segen zu wünschen für seine zwölf Jahre dauernde Amtszeit. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Erzbischof von München-Freising, Kardinal Reinhard Marx, wollen dabei sein.

Im Frühjahr wählte die Landessynode in München Bedford-Strohm zum Nachfolger von Johannes Friedrich - eine für viele Beobachter überraschende Entscheidung. Als Favoritin galt die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Doch die Synodalen kürten den Wissenschaftler der Uni Bamberg und damit einen Kandidaten, der bislang weit weg vom Landeskirchenamt in München gewirkt hatte.

Die große Zahl der Kirchenaustritte - rund 20 000 waren es im vergangenen Jahr - machen auch den Lutheranern im Freistaat zu schaffen. Für ihren neuen Landesbischof aber kein Grund, zu jammern. Im Gegenteil: “Ich bin kein Anhänger einer Verfallstheorie, die davon ausgeht, dass die Kirche gesellschaftlich immer mehr verschwindet, weil Menschen aus der Kirche austreten und immer weniger Kinder geboren werden.“ Es sei vielmehr “erstaunlich“, dass in der heutigen Zeit, wo jeder die Religion frei wählen könne und es längst nicht mehr zum guten Ton gehöre, Kirchenmitglied zu sein, immer noch so viele Christen in Deutschland gebe. “Das zeigt, dass die Fragen, um die es der Kirche geht, sehr wohl in den Menschen verwurzelt sind.“

Die Kirche wird sich einmischen

Bedford-Strohm versprüht Optimismus und keinerlei Ängstlichkeit. Seine Vision ist eine einladende Kirche, die aber fest auf dem Fundament von Frömmigkeit und Spiritualität steht: “Ich spreche da gerne von einer authentischen, offenen Kirche, also von einer Kirche, die ausstrahlt, wovon sie spricht. Die in Frömmigkeit gegründet ist, die gerne Gottesdienste feiert, Kraft aus dem Gottesdienst gewinnt und sich aus dieser Kraft heraus auch in öffentliche Angelegenheiten einmischt und insgesamt Orientierung gibt.“

So hat Bedford-Strohm die von der Landeskirche initiierte Unterschriftenaktion zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer vehement verteidigt. Schließlich gehe es hierbei um eine Frage, die ethische Dimensionen habe: “Es ist ein Problem, das die Menschen bewegt.“ Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hätten sie den Eindruck, dass Gewinne allein den Finanzmärkten zu Gute kämen, Verluste müsste aber die Allgemeinheit tragen.

In möglichst alle Regionen Bayerns will er nach seinem Amtsantritt reisen, predigen und sich so in seiner rund 2,7 Millionen Mitglieder starken Landeskirche vorstellen. Der gebürtige Memminger mit den Hobbys Fußball und Geigenspiel lebte mit seiner Familie bislang in Coburg, wo er auch bis 2004 an der Morizkirche als Pfarrer arbeitete. In dieser Kirche predigte einst auch der Reformator Martin Luther. Nun steht für ihn der Umzug nach München bevor. Die Familie folgt erst im Sommer - einer der drei Söhne steht vor dem Abitur, ein Schulwechsel in den letzten Monaten vor dem Abschluss hätte keinen Sinn gemacht. “Ich werde also erst einmal hin- und herfahren“, sagt Bedford-Strohm.

Die anderen beiden Söhne sind derzeit in Washington, zum Einführungsgottesdienst am Sonntag werden sie aber anreisen. “Dafür bin ich auch dankbar, das ist ein wichtiges Ereignis in unserem Leben.“ Das soll als Familie gefeiert werden. “Es wird im Gottesdienst auch Familiensegnung geben“, kündigt der designierte Landesbischof an. Mit seiner Frau, der aus den USA stammenden Psychotherapeutin Deborah Bedford-Strohm ist er seit 25 Jahren verheiratet.

dpa

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