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Ein einziger Bürokratiewust? Bayerns Wirte gehen am Montag auf die Straße, um unter anderem gegen die neuen Regeln zur Arbeitszeiterfassung ihres Personals zu demonstrieren.

Demonstration in München 

Bayerns Wirte protestieren gegen Bürokratie-Wahnsinn

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München – Bayerns Wirte und Hoteliers fühlen sich durch immer mehr Bürokratie gegängelt. Am Montag wollen Tausende von ihnen in München demonstrieren. Die neuen Regeln zur Arbeitszeiterfassung ärgern sie besonders. Nur die Gewerkschaften trauen dem Braten nicht.

Fünf Aktenordner sind es inzwischen und sie sind randvoll. Jedes neue Gericht, das auf die Speisekarte kommt, steht darin, jede Zutat und vor allem jene Inhaltsstoffe, die bei den Gästen Allergien auslösen könnten. Der Koch im Brauereigasthof Inselkammer in Aying (Kreis München) muss jedes neue Rezept auf 26 Allergene überprüfen. Das frisst Zeit. Aber so schreibt es die Lebensmittelinformations-Ergänzungsverordnung vor.

„In unserem Büro ist allein das ein riesiger Bereich“, sagt Gasthof-Chefin Angela Inselkammer – aber es ist längst nicht der einzige. Der Wareneingang muss täglich dokumentiert werden, die Kasseneinnahmen, jede hygienische Maßnahme, selbst die Reinigung von Getränkeschankanlagen. Inselkammer sagt, einer ihrer Mitarbeiter sei 25 Stunden die Woche nur mit Dokumentation beschäftigt. „Ein Wahnsinn und die Regelungswut hört nicht auf.“

Montag fährt Inselkammer mit etwa zehn Kollegen aus dem Betrieb nach München. „Jeder, der entbehrlich ist, kommt mit“, sagt sie. Bayerns Wirte und Hoteliers wollen ab 11 Uhr in der Landeshauptstadt demonstrieren, laut Bayerischem Hotel- und Gaststättenverband (BGH) werden mindestens 3000 Menschen erwartet, die gegen Bürokratismus und Dokumentationswahn auf die Straße gehen. BGH-Präsident Ulrich N. Brandl spricht von einem „Hilferuf der Branche“. Er sagt: „Wir wollen für unsere Gäste da sein, statt Formulare auszufüllen.“

Die Branche beschwert sich seit Jahren, dass ihr zu viel Bürokratie aufgebürdet wird. Die Demonstration ist also ein Wink mit dem Zaunpfahl, besonders richtet sie sich aber gegen die Regeln zur Arbeitszeiterfassung. Sie wurden mit dem Mindestlohngesetz Anfang des Jahres eingeführt. Seither müssen die Betriebe die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter penibel genau aufzeichnen – Beginn, Ende und Pausen. Das sei ein Zeitfresser und der Tropfen, der das Bürokratie-Fass zum Überlaufen gebracht habe. Gerade kleine Familienbetriebe litten unter der Belastung, sagt Brandl.

Besonders ärgert Gastronomen, dass sie durch die Dokumentationspflicht in Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz kommen, das eine maximale Arbeitszeit von zehn Stunden vorschreibt. Bei Hochzeiten oder anderen Feiern könne es aber vorkommen, dass die Gäste länger bleiben wollten, sagt Inselkammer. Jetzt muss sie die Leute nach Hause schicken, wenn das Personal zehn Stunden gearbeitet hat. Früher habe sie das lockerer gehandhabt. Die Überstunden, sagt sie, wurden bezahlt.

Es wird am Montag noch eine zweite Veranstaltung geben, organisiert vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Sie wollen die Wirte-Demo auf der Theresienwiese empfangen. Titel ihrer Veranstaltung: „Mindestlohnaktion mit dem Bürokratiemonster“. Der leicht polemische Ton ist gewollt. Die Gewerkschaften können nicht verstehen, was an der Arbeitszeiterfassung so schwer sein soll und vermuten dahinter eine ganz andere Angst. Ein DGB-Sprecher sagte: „Die Wirte fürchten, dass die Arbeitszeit ihres Personals jetzt genauer kontrolliert wird und Verstöße gegen das Gesetz auffallen.“ Dann droht ein empfindliches Bußgeld.

Brandl betont, dass die Wirte weder ein Problem mit dem Mindestlohn noch mit generellen Arbeitszeit-Regeln hätten. Allerdings brauche es in Bezug auf die Zeit mehr Flexibilität – gerade für kleine Betriebe.

von Marcus Mäckler

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