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"Wie von Claude Lorrain gemalt": So beschreibt der Bildband diese Voralpenlandschaft zwischen den Osterseen und den Loisach-Kochelsee-Mooren, spektakulär aufgenommen von Klaus Leidorf.

Bildband "Achtung Heimat"

Bayerns zerbrechliche Schönheit

München - Es ist ein Buch, das Augen öffnet: In dem Bildband "Achtung Heimat" wird Bayerns Naturlandschaft von ihrer schönsten Seite gezeigt – und zugleich in ihrer Zerbrechlichkeit.

Die Idee mit dem Kriegerdenkmal, sie ist aberwitzig. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, kommt sie auf, das Monument soll am Königssee entstehen – nicht irgendwo, sondern direkt an der Falkensteiner Wand. Die Leute wollen einen gigantischen assyrischen Löwen in die Felswand hauen, zur Erinnerung an die Gefallenen. Man soll quasi mit dem Boot daran vorbeituckern können. „Die Idee dazu hatten norddeutsche Sommerfrischler – und bereits Geld gesammelt“, schreibt der Autor Tino Schlagintweit.

Kurz: Es droht eine Monumentalverschandelung, doch dann schlägt der Bund Naturschutz zu. Nicht mit der Keule, sondern mit dem Florett, geführt vom Gründungsvorsitzenden Carl Freiherr von Tubeuf (1862-1941). Der trifft den richtigen Ton, als er in einem Zeitungsartikel zunächst den Heldenmut der Soldaten preist – Kritik an einem Kriegerdenkmal ist in den Tagen der Schlacht von Verdun eine heikle Sache. Dann kommt er zum Punkt und rügt das Monument als Anschlag auf den Frieden der Bergwelt, auf „das ernsteste, heiligste Naturland, das wir noch in den Alpen haben“. Der Plan wird fallengelassen.

Die Geschichte kann man nachlesen in „Achtung Heimat“, einem prächtigen Buch, das sich der Bund Naturschutz in Bayern zum hundertsten Geburtstag praktisch selbst geschenkt hat. Es ist ein betörend schöner Bildband über das Bilderbuch-Bayern, angereichert mit sehr lesenswerten Texten und Fakten über Bayerns Naturlandschaft. Es gibt eigene Kapitel über die Alpen, über die Flüsse, den Wald, die Landwirtschaft, über Verkehr, Energie und Abfall, über verlorene Landschaften und über gerettete.

Der Band zeigt den natürlichen Freistaat so schön, wie er nur sein kann. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere bildet der Gedanke, dass man für den Erhalt dieser Naturschönheit auch was tun – und nötigenfalls kämpfen muss. So, wie das der Bund Naturschutz in Bayern e.V. seit 100 Jahren tut. Er wurde am 26. Juni 1913 in einem Versammlungsraum des bayerischen Innenministeriums gegründet, ganz staatsnah, und das alles passierte „unter dem Protektorat Seiner Königlichen Hoheit“ Kronprinz Rupprecht von Bayern. Auch darüber – und das folgende Jahrhundert BN-Arbeit – steht im Buch so einiges.

Es ist ein Buch, das Augen öffnet. Zuerst einmal durch die fantastischen Bilder – aufgenommen aus der Vogelperspektive, vom Boden aus, aus der Nähe, aus der Ferne, mit Menschen, Pflanzen, Tieren. Ein Augenschmaus. Aber zugleich wird deutlich, wie zerbrechlich diese Schönheit ist. Da sieht man ein herrliches Bild von der Isar, die sich bei Wolfratshausen durch die Pupplinger Au schlängelt. Dort zeige die Isar, so steht es im Text, noch Spuren ihres im Namen angedeuteten Wesens – sie ist „die Reißende“. Doch auch sie werde, wie die meisten anderen bayerischen Flüsse, von Staustufen gebremst. „Geröll und Geschiebe, die normalerweise ein lebendiges Flussbett bilden und sich in einem Fließgleichgewicht von den Bergen bis zum Meeresstrand verteilen und verlagern, bleiben darin gefangen.“ Ein besonders trauriges Beispiel ist in den Augen der Naturschützer „der Lech mit seinen unglaublichen 24 Staustufen. Der einst lebendige und stolze Gebirgsfluss wurde in Seefragmente zerhackt.“ Wer diese Sätze liest, wird die spektakulären Flussbilder auf den folgenden Seiten mit anderen Augen ansehen.

Manchmal hat der Kampf der Naturschützer Erfolg, manchmal nicht. Bleiben wir bei Flüssen: Am 22. September 1992 war der Main-Donau-Kanal doch noch fertig, obwohl viele Menschen jahrelang ihre Stimme gegen ihn erhoben hatten – auch der verstorbene Dieter Hildebrandt und die Biermösl Blosn in der legendären „Scheibenwischer“-Sendung im Jahr 1982, in der sie den Kanal als „Alfons-Goppel-Prestige-Tümpel“ und „Kanalrattenlebensraum“ verspotteten.

Im Kampf um die Donau zwischen Straubing und Vilshofen, wo sich der Fluss auf 70 Flusskilometern ohne Kanalwände und Staustufen durch den Gäuboden windet, ging es anders aus: Im Februar 2013 sah die Staatsregierung vom Ausbau ab – zumindest für die Dauer der Amtszeit Seehofers. Emmanuel Jungclaussen, Abt des Klosters Niederalteich, hatte einst auf seine Art mitprotestiert: mit Donausegnungen zum Fest der Taufe Christi im Januar. Am kalten Ufer.

Robert Arsenschek

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